Nedarim — Blatt 91b
1Aloeleuten, die jetzt hier sind; warst du es nicht, so war es einer von ihnen. Da entschied R. Naḥman: Sie hat wohl ihr Auge auf einen anderen geworfen, und an ihren Worten ist nichts.
2Einst fragte ein Mann seine Frau, die mürrisch gegen ihn war, was dies zu bedeuten habe, und sie erwiderte ihm: Noch nie hast du mir beim Verkehr so weh getan wie heute. Da sprach er zu ihr: Heute ist es ja gar nicht geschehen! Sie erwiderte: Dann war es einer von den nichtjüdischen Naphtaleuten, die jetzt hier sind; warst du es nicht, so war es einer von ihnen. Da entschied R. Naḥman: Achtet nicht darauf, sie hat wohl ihr Auge auf einen anderen geworfen.
3Einst Schloß sich jemand mit einer Frau in einem Hause ein, und als der Hausherr kam, durchbrach der Ehebrecher den Zaun und floh. Da entschied Raba, die Frau sei erlaubt, denn wenn er Verbotenes begangen hätte, würde er sich versteckt haben.
4Einst begab sich ein Ehebrecher zu einer Frau, und als ihr Mann kam, versteckte sich der Ehebrecher hinter dem Vorhange der Tür, wo gerade Kresse lag und eine Schlange davon fraß. Als nun der Mann ohne Wissen der Frau von der Kresse essen wollte, rief der Ehebrecher ihm zu: Iß nicht davon, eine Schlange hat davon gefressen.
5Da entschied Raba, die Frau sei erlaubt, denn wenn er Verbotenes begangen hätte, so wäre es ihm lieb, daß jener davon esse und sterbe, Wie es heißt:sie huren, und Blut an ihren Händen. –
6Selbstverständlich? – Man könnte glauben, jener habe tatsächlich Verbotenes begangen, nur sagte er es ihm deshalb, weil er wünschte, daß der Ehemann nicht sterbe und die Frau bei ihm bleibe, denn:gestohlenes Wasser ist süß und heimliches Brot schmeckt gut, so lehrt er uns.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.