Nasir — Blatt 2a

1ALLE UMSCHREIBUNGEN VON NAZIR GELTEN WIE NAZIR.

2SAGTE JEMAND: ICH WILL SEIN, SO IST ER NAZIR; [SAGTE ER:] ICH WILL SCHÖN SEIN, SO IST ER NAZIR; [SAGTE ER:] NAZIQ, NAZIḤ, PAZIḤ, SO IST ER NAZIR. [SAGTE JEMAND:] ICH WILL SO SEIN, ODER: ICH WILL [DAS HAAR] KRÄUSELN LASSEN, ODER: ICH WILL [DAS HAAR] PFLEGEN, ODER: ICH NEHME AUF MICH, DAS HAAR HINWACHSEN ZU LASSEN, SO IST ER NAZIR.

3[SAGTE JEMAND:] ICH NEHME AUF MICH [DIE DARBRINGUNG] VON VÖGELN, SO IST ER, WIE R. MEÍR SAGT, NAZIR, UND WIE DIE WEISEN SAGEN, KEIN NAZIR.

4GEMARA. Merke, der Autor befindet sich ja bei der Sektion von den Frauen, wieso lehrt er da [das Gesetz] vom Nazir!? –

5Der Autor bezieht sich auf folgenden Schriftvers: wenn sie aber keinen Gefallen in seinen Augen findet, weil er etwas Widerwärtiges an ihr entdeckt. Er lehrt folgendes: der Wein ist es, der zur Sünde veranlaßt, und er lehrt, wer eine Ehebruchsverdächtigte bei ihrer Entartung sieht, gelobe sich den Wein ab. –

6Er beginnt mit den Umschreibungen und nennt die Ansätze!?

7Raba, nach anderen Kadi, erwiderte: [Die Mišna] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: alle Umschreibungen von Nazir gelten wie Nazir und die Ansätze des Nazirgelübdes gelten wie das Nazirgelübde. Folgendes sind Ansätze: wenn jemand sagt: ich will sein, so ist er Nazir. –

8Sollte er doch zuerst die Umschreibungenaufzählen!? – Der Autor erklärt zuerst das, womit eraufhört. So haben wir auch gelernt: Was man als Brennstoffverwenden darf und was man nicht als Brennstoff verwenden darf. Aufgezählt aber werden zuerst [diejenigen Dinge], die man nicht als Brennstoff verwenden darf.

9Worin man warmstellendarf und worin man nicht warmstellen darf? Aufgezählt aber wird zuerst das, worin man nicht warmstellen darf.

10Womit eine Frau ausgehen darf und womit sie nicht ausgehen darf. Aufgezählt aber wird zuerst das, womit sie nicht ausgehen darf. –

11Wir haben ja aber gelernt: Womit man ein Vieh austreibendarf und womit man es nicht austreiben darf, und er zählt zuerst auf, womit man ein Kamel austreiben darf!?

12Manche [Verwandte] beerben und vererben, beerben und vererben nicht, vererben und beerben nicht, beerben nicht und vererben nicht, und er zählt zuerst diejenigen auf, die beerben und vererben!? –

13Vielmehr, tatsächlich nennt er einmal das eine und einmal das andere [zuerst];

14bei einem Verbote, das sich auf die Person selbst bezieht, nennt er das Verbotene zuerst, bei einem Vieh, wobei das Verbot durch das Vieh erfolgt, nennt er das Erlaubte zuerst,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.