Nidda — Blatt 20a

1auf eine Augensalbezurück. Rabbi führte es auf das Harz einer Sykomore zurück. Dies bezieht sich wohl auf das rote [Blut]!? —

2Nein, auf andere Blutarten.

3Einst saßen Amemar, Mar Zuṭra und R. Aši vor einem Bader, und als er Amemar den ersten Schröpfkopf abnahm und dieser zusah, sprach er zu ihnen: Dies ist das Rot, wovon wir gelernt haben. Als er ihm darauf den zweiten abnahm, sprach er: Es ist anders. Hierauf sprach R. Aši: Ich beispielsweise, der zwischen dem einen und dem anderen nicht zu unterscheiden vermag, darf kein Blut besichtigen.

4SCHWARZ? WIE SCHWÄRZE. Rabba b. R. Hona sagte: Unter Schwärze, von der sie sprechen, ist die der Tinte zu verstehen. Ebenso wird auch gelehrt: Schwarz wie Schwärze, und unter Schwärze, von der sie sprechen, ist die der Tinte zu verstehen. — Sollte er doch Tinte sagen!? — Würde er Tinte gesagt haben, so könnte man glauben, wie das Blasse der Tinte, so lehrt er uns, daß die Schwärze der Tintezu verstehen sei.

5Sie fragten: Wie flüssige oder wie trockene? — Komm und höre: R. Ami spaltete ein Stück Tintenschwärze und untersuchte damit.

6R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Wie Wachs, wie Tinte, wie eine Weinbeere ist es unrein, und das ist es, was wir gelernt haben: ist es dunkler, so ist es unrein. R. Elea͑zar sagte: Wie eine Olive, wie Pech, wie ein Rabe ist es rein, und das ist es, was wir gelernt haben: ist es schwächer, so ist es rein.

7U͑la sagte: Wie ein schmutzigesGewand. Einst kam U͑la nach Pumbeditha, und als er einen Araber sah, der ein schwarzes Gewand anhatte, sprach er: Dies ist das Schwarz, wovon wir gelernt haben. Da rissen sie davon stückweiseab und zahlten ihm vierhundert Zuz.

8R. Joḥanan erklärte: Das sind die Ölkleider, die aus den überseeischen Ländern kommen. — Demnach sind diese schwarz, dagegen sagte ja aber R. Jannaj zu seinen Söhnen: Kinder, bestattet mich nicht in schwarzen Gewändern und nicht in weißen Gewändern. Nicht in schwarzen, denn wenn es mir beschieden seinsollte, würde ich wie ein Trauernder unter Bräutigamen dastehen; [nicht] in weißen, denn wenn es mir nicht beschieden sein sollte, würde ichwie ein Bräutigam unter Trauernden dastehen. Sondern in Ölkleidern, die aus den überseeischen Ländern kommen.

9Demnach sind sie nicht schwarz!? — Das ist kein Einwand; eines gilt von Oberkleidern und eines gilt von Wäsche.

10R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Diese alleuntersuche man nur mit einem weißen Lappen. R. Jiçḥaq b. Evdämi sagte: Schwarzes mit einem roten.

11R. Jirmeja aus Diphte sagte: Sie streiten aber nicht, einer spricht von schwarzem [Blute] und einer spricht von anderen Blutarten. R. Aši wandte ein: Demnach sollte doch Šemuél gesagt haben: ausgenommen schwarzes!? Vielmehr, sagte R. Aši, streiten sie über das schwarze selbst.

12U͑la sagte: Alle sind, wenn dunkler, unrein, und wenn schwächer, rein, wie das schwarze. —

13Weshalb lehrt er es vom schwarzen besonders? — Da R. Ḥanina gesagt hat, das schwarze sei rot, nur habe es einen Stich bekommen, so könnte man glauben, auch wenn es schwächer ist, sei es unrein, so lehrt er uns.

14R. Ami b. Abba sagte: Alle sind, wenn dunkler, unrein, und wenn schwächer, ebenfalls unrein, ausgenommen das schwarze. — Welche Bedeutung hat demnach die von den Rabbanan festgesetzte Norm? — Dies schließt das schwächere des Schwachen aus.

15Manche lesen: Rami b. Abba sagte: Alle sind, wenn dunkler, rein, und wenn schwächer, rein, ausgenommen das schwarze. Deshalb die Norm der Rabbanan.

16Bar Qappara sagte: Alle sind, wenn dunkler, unrein, und wenn schwächer, rein, ausgenommen das mischwein[farbige], das dunkler rein ist, und heller rein ist. Bar Qappara erklärte es, wenn man es ihm schwächer vorlegte, als rein, und wenn tiefer, als rein. R. Ḥanina sprach: Wie bedeutend ist dieser Mann, der nach seiner Meinung entscheidet.

17SAFRANGLÄNZEND. Es wird gelehrt: Feucht und nicht trocken.

18Eines lehrt, wie das unterste [Blatt] und nicht wie das oberste, ein Anderes lehrt, wie das oberste und nicht wie das unterste, ein Anderes lehrt, wie das oberste und um so mehr wie das unterste, und ein Anderes lehrt, wie das unterste, und um so mehr wie das oberste!?

19Abajje erwiderte: Es sind drei Reihen von je drei Blättern;

20halte dich an die mittlere Reihe und das mittelste Blatt.

21Wenn sie vor R. Abahu kamen, sprach er zu ihnen: Wir haben gelernt, wenn sie an der Scholle haften.

22ERDWASSER[FARBIG]. Die Rabbanan lehrten: Erdwasser[farbig]. Man hole fette Erde aus der Ebene von Beth Kerem und gieße darüber überstehend Wasser — so R. Meír. R. A͑qiba sagt, aus der Ebene von Jotapata. R. Jose sagt, aus der Ebene von Sikhni. R. Šimo͑n sagt, auch aus der Ebene von Genezarel und desgleichen.

23Ein Anderes lehrt: Erdwasser[farbig]. Man hole fette Erde aus der Ebene von Beth Kerem und gieße darüber Wasser, wie eine Knoblauchschale überstehend. Für das Wasser gibt es keine festgesetzte Norm, weil es auch für die Erde keine festgesetzte Norm gibt. Man untersuche es nicht klar, sondern trübe; hat es sich geklärt, so trübe man es, und wenn man es trübt, so trübe man es nicht mit der Hand, sondern mit einem Geräte.

24Sie fragten: Man trübe es nicht mit der Hand, sondern mit einem Geräte: daß man es nämlich nicht in die Hand nehmen und trüben darf, wohl aber darf man es in ein Gefäßtun und mit der Hand trüben, oder aber darf man es nicht mit der Hand trüben, sondern mit einem Geräte? —

25Komm und höre: Wenn man es untersucht, untersuche man es nur in einem Becher. — Aber immerhin ist es ja noch fraglich: die Untersuchung erfolgt in einem Becher, womit die Trübung? — Dies bleibt unentschieden.

26Wenn sie vor Rabba b. Abahu kamen, sprach er zu ihnen: Wir haben es nur von ihrem Ortegelernt. R. Ḥanina spaltete einen Klumpen Erde und untersuchte damit. R. Jišma͑él b. R. Jose fluchte darüberbei der Bräune.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.