Nidda — Blatt 21a

1Der [gemischte Wein] aus Šaron gleichtdem rohen und nicht gemischten aus Karmel, neu und nicht alt.

2R. Jiçḥaq b. Evdämi sagte: Sie alle untersuche man nur in einem flachen tiberianischen Becher. — Aus welchem Grunde? Abajje erwiderte: Den der ganzen Welt fertigt man, wenn er ein Log faßt, aus hundert, wenn zwei Log, aus zweihundert, den flachen tiberianischen Becher aber fertigt man, auch wenn er zwei Log faßt, aus hundert, und weil er so dünn ist, ist er zur Untersuchung besser.

3WENN [EINE FRAU] EINEN KLUMPEN AUSSTÖSST, SO IST SIE, FALLS SIE DABEI BLUTUNG HAT, UNREIN, WENN ABER NICHT, REIN. R. JEHUDA SAGT, SIE SEI OB SO ODER SO UNREIN.

4WENN [EINE FRAU] SCHELFENARTIGES, HAARARTIGES, ERDARTIGES ODER EINE ART ROTER MÜKKEN AUSSTÖSST, SO TUE SIE ES INS WASSER; LÖST ES SICH AUF, SO IST STE UNREIN, WENN ABER NICHT, SO IST SIE REIN.

5WENN [EINE FRAU] FISCHARTIGES, HEUSCHRECKENARTIGES, EKEL- ODER KRIECHTIERARTIGES AUSSTÖSST, SO IST SIE, WENN SIE DABEI BLUTUNG HAT, UNREIN, WENN ABER NICHT, REIN.

6WENN [EINE FRAU] EINE ART VIEH, WILD ODER GEFLÜGEL AUSSTÖSST, OB UNREIN ODER REIN, SO MUSS SIE, WENN ES MÄNNLICH IST, WIE BEI [DER GEBURT] EINES KNABEN, WENN ES WEIBLICH IST, WIE [BEI DER GEBURT] EINES MÄDCHENS,

7UND WENN ES NICHT ERKENNBAR IST, WIE BEI EINEM KNABEN UND EINEM MÄDCHEN VERWEILEN — SO R. MEÍR. DIE WEISEN SAGEN, WAS NICHT MENSCHLICHE GESTALT HAT, SEI KEINE GEBURT.

8GEMARA. R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Nach R. Jehuda ist sie unrein nur bei einem Klumpen mit Blut der vier Arten, wenn aber mit Blut der anderen Arten, so ist sie rein.

9R. Joḥanan aber sagt, mit Blut der vier Arten ist sie nach aller Ansicht unrein, mit Blut der anderen Arten ist sie nach aller Ansicht rein,

10und sie streiten nur über den Fall, wenn sie etwas ausgestoßen hat und nicht weiß, was sie ausgestoßen hat. R. Jehuda ist der Ansicht, man richte sich nach den meisten Klumpen, und bei den meisten Klumpen ist es Blut der vier Arten, und die Rabbanan sind der Ansicht, wir sagen nicht, bei den meisten Klumpen sei es Blut der vier Arten. —

11Dem ist ja aber nicht so, als R. Hoša͑ja aus Nehardea͑ kam, brachte er ja folgende Lehre mit: Wenn [eine Frau] einen roten, schwarzen, gelben oder weißen Klumpen ausstößt, so ist sie, wenn sie dabei Blutung hat, unrein, wenn aber nicht, rein. R. Jehuda sagt, sie sei ob so oder so unrein. Dies ist ein Einwand gegen Šemuél in einem Falle, und gegen R. Joḥanan in beiden Fällen!?

12Gegen Šemuél in einem Falle, denn Šemuél sagt, nach R. Jehuda sei sie unrein, nur bei einem Klumpen mit Blut der vier Arten, während hier von einem gelben und weißen gelehrt wird, und R. Jehuda streitet dagegen.

13Wolltest du sagen, R. Jehuda streite nur über das rote und das schwarze, nicht aber über das gelbe und das weiße, nach wem lehrt er es demnach vom gelben und vom weißen:

14wollte man sagen, nach den Rabbanan, so ist sie ja nach den Rabbanan sogar bei rotem und schwarzem rein, und um so mehr bei gelbem und weißem. Doch wohl nach R. Jehuda, und er streitet dagegen!?

15Ferner: R. Joḥanan sagt, mit Blut der vier Arten sei sie nach aller Ansicht unrein; hier lehrt er vom roten und vom schwarzen, und die Rabbanan streiten dagegen.

16Wolltest du sagen, die Rabbanan streiten nur über das gelbe und das weiße, nicht aber über das rote und das schwarze, nach wem lehrt er es demnach vom roten und vom schwarzen:

17wollte man sagen, nach R. Jehuda, so ist sie ja nach ihm sogar bei gelbem und bei weißem unrein, und um so mehr bei rotem und schwarzem. Doch wohl nach den Rabbanan, und sie streiten dagegen!?

18Vielmehr, erwiderte R. Naḥman b. Jiçḥaq, sie streiten, ob eine Öffnung der Gebärmutter ohne Blutung möglich ist. Sie führen denselben Streit, wie die Tannaím der folgenden Lehre: Wenn sie zwei Tage Geburtswehen hatte und am dritten abortiert hat, und nicht weiß, was sie abortiert hat,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.