Nidda — Blatt 21b

1so ist sie zweifelhafte Wöchnerin und zweifelhafte Flußbehaftete; sie bringe das Opfer, und es werde nicht gegessen.

2R. Jehošua͑ sagt, sie bringe das Opfer, und es werde gegessen, denn eine Öffnung der Gebärmutter ohne Blutung ist nicht möglich.

3Manche lesen: R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Nach R. Jehuda ist sie unrein nur bei einem Klumpen mit Blut der vier Arten, wenn aber mit Blut der anderen Arten, so ist sie rein. —

4Dem ist ja aber nicht so, als R. Hoša͑ja aus Nehardea͑ kam, brachte er ja folgende Lehre mit: Wenn [eine Frau] einen roten, schwarzen, gelben oder weißen Klumpen ausstößt, so ist sie, wenn sie dabei Blutung hat, unrein, wenn aber nicht, rein. R. Jehuda sagt, sie sei ob so oder so unrein.

5Er lehrt von einem roten, schwarzen, gelben und weißen, und R. Jehuda streitet dagegen.

6Wolltest du sagen, R. Jehuda streite nur über das rote und das schwarze, nicht aber über das gelbe und das weiße, nach wem lehrt er es demnach vom gelben und vom weißen:

7wollte man sagen, nach den Rabbanan, so ist sie ja nach den Rabbanan sogar bei rotem und schwarzem rein, und um so mehr bei gelbem und weißem.

8Doch wohl nach R. Jehuda, und er streitet dagegen. Vielmehr, erwiderte R. Joḥanan, sie streiten, ob eine Öffnung der Gebärmutter ohne Blutung möglich ist. Sie führen denselben Streit wie die Tannaím der folgenden Lehre: Wenn sie zwei Tage Geburtswehen hatte und am dritten abortiert hat, und nicht weiß, was sie abortiert hat, so ist sie zweifelhafte Wöchnerin und zweifelhafte Flußbehaftete, sie bringe das Opfer, und es werde nicht gegessen.

9R. Jehošua͑ sagt, sie bringe das Opfer, und es werde gegessen, denn eine Öffnung der Gebärmutter ohne Blutung ist nicht möglich.

10Die Rabbanan lehrten: Wenn [eine Frau] einen Klumpen ausgestoßen hat, so reiße sie ihn, wie Symmachos im Namen R. Meírs sagt, und wie mit ihm übereinstimmend auch R. Šimo͑n b. Menasja sagt, auf; ist Blut darin, so ist sie unrein, wenn aber nicht, so ist sie rein.

11Wie die Rabbanan [sagen], und noch weitgehender als die Rabbanan. Wie die Rabbanan, [welche sagen,] eine Öffnung der Gebärmutter ohne Blutung sei möglich; und weitgehender als die Rabbanan, denn diese sind der Ansicht, nur wenn [Blut] damit, nicht aber, wenn darin, Symmachos aber ist der Ansicht, auch wenn darin.

12Ein Anderes lehrt: Wenn [eine Frau] einen Klumpen ausstößt, so reiße sie ihn, wie R. Aḥa sagt, auf; ist er innen rot, so ist sie unrein, wenn aber nicht, so ist sie rein.

13Wie Symmachos [sagt], und noch weitgehender als Symmachos.

14Ein Anderes lehrt: Wenn [eine Frau] einen Klumpen ausstößt, so reiße sie ihn, wie R. Binjamin sagt, auf; ist darin ein Knochen, so ist sie geburtsunrein. R. Ḥisda sagte: Dies gilt von einem weißen Klumpen. Ebenso brachte ein Gelehrtenpaar, das aus Adiabene kam, folgende Lehre mit: Wenn [eine Frau] einen weißen Klumpen ausstößt, so reiße sie ihn auf; ist darin ein Knochen, so ist sie (die Mutter) geburtsunrein.

15R. Joḥanan sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Wenn [eine Frau] einen Klumpen ausstößt, so reiße sie ihn auf; ist darin angesammeltes Blut, so ist sie unrein, wenn aber nicht, so ist sie rein. Wie Symmachos sagt, und erleichternder als alle.

16R. Jirmeja fragte R. Zera: Wie ist es, wenn [eine Frau] Blut an einem Röhrchenbeobachtet? Der Allbarmherzige sagt:an ihrem Leibe, nicht aber an einem Röhrchen, oder deutet [das Wort] an ihrem Leibe darauf, daß sie innen wie außenunrein ist?

17Dieser erwiderte: Die Schrift sagt: an ihrem Leibe, nicht aber an einem Röhrchen. Wollte man sagen, [das Wort] an ihrem Leibe deute darauf, daß sie innen wie außen unrein ist, so sollte doch die Schrift am Leibe sagen, wenn es aber an ihrem Leibe heißt, so ist beides zu entnehmen. —

18R. Joḥanan sagte ja aber im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj, wenn [eine Frau] einen Klumpen ausstößt, reiße sie ihn auf, und wenn darin angesammeltes Blut ist, sei sie unrein, wenn aber nicht, rein!? —

19Was soll dies: allerdings pflegt ein Weib Blut an einem Klumpen wahrzunehmen, nicht aber pflegt ein Weib Blut an einem Röhrchen wahrzunehmen.

20Es wäre anzunehmen, daß über das Röhrchen Tannaím streiten. Es wird nämlich gelehrt: Wenn [eine Frau] einen Klumpen ausstößt, auch wenn er voll Blut ist, so ist sie, wenn sie dabei Blutung hat, unrein, wenn aber nicht, rein. R. Elie͑zer sagte: An ihrem Leibe, nicht aber in der Eihaut und nicht in einem Klumpen.

21R. Elie͑zer sagt ja dasselbe, was die Weisen!? Vielmehr lese man: Denn R. Elie͑zer sagt: an ihrem Leibe, nicht aber in der Eihaut und nicht in einem Klumpen.

22Die Weisen sagen: Dies ist kein Menstruationsblut, sondern Blut von einem Klumpen. Aber auch nach dem ersten Autor sind sie ja rein!? Vielmehr besteht zwischen ihnen ein Unterschied in dem Falle, wenn er faltigist;

23der erste Autor ist der Ansicht: an ihrem Leibe, nicht aber an einer Eihaut oder an einem Klumpen, und dasselbe gilt auch von einem Röhrchen, jedoch nur dann, wenn er glattist, wenn aber faltig, so ist sie unrein, denn dies heißt: an ihrem Leibe,

24und hierzu sagen die Rabbanan, auch wenn faltig, sei dies nicht Menstruationsblut, sondern Blut von einem Klumpen. Ist es aber Menstruationsblut, so ist sie entschieden unrein, auch an einem Röhrchen.

25Abajje erwiderte: Wenn an einem Röhrchen, stimmen alle überein, daß sie rein ist,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.