Nidda — Blatt 22b

1löst es sich auf, so ist sie unrein. — Demnach sollte sie [unrein sein], auch wenn es sich nicht auflöst!? Raba erwiderte: Wenn es sich nicht auflöst, ist es ein besonderes Geschöpf. —

2Gibt es denn solches? — Freilich, es wird auch gelehrt: R. Elea͑zar b. R. Çadoq sagte: Zwei Berichte brachte mein Vater von Ṭabu͑n nach Jabne.

3Einst ereignete es sich, daß eine Frau eine Art rote Schelfe ausstieß, und sie kamen und fragten meinen Vater, und mein Vater fragte die Weisen, und die Weisen fragten die Ärzte, und diese sagten, die Frau habe ein Geschwür in ihrem Eingeweide, von dem aus sie Schelfenartiges ausstößt. Sollsie es in Wasser tun, und wenn es sich auflöst, ist sie unrein.

4Ferner ereignete es sich einst, daß eine Frau etwas Rothaariges ausstieß, und sie kam und fragte meinen Vater, und mein Vater fragte die Weisen, und die Weisen fragten die Ärzte, und diese sagten, die Frau habe eine Warze in ihrem Eingeweide, von der aus sie etwas Rothaariges ausstößt. SO TUE SIE ES IN WASSER, LÖST ES SICH AUF, SO IST SIE UNREIN.

5Reš Laqiš sagte: In heißes. Ebenso wird auch gelehrt: Sie tue es ins Wasser, und in heißes. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, sie zerreibe es mit Speichel auf dem Nagel. Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? Rabina erwiderte: Ein Unterschied besteht zwischen ihnen, wenn es sich durch Zerreiben auflöst. —

6Dort haben wir gelernt: Wie lange müssen siein heißem Wasser weichen? Einen Stundentag; wie ist es nun hierbei: ist ein Stundentag erforderlich oder nicht?

7Ist nur bei Kriechtier und Aas ein Stundentag erforderlich, weil sie hart sind, nicht aber beim Blute, das weich ist, oder gibt es hierbei keinen Unterschied. — Dies bleibt unentschieden.

8WENN EINE FRAU FISCHARTIGES AUSSTÖSST. Sollte R. Jehuda auch hierüber streiten!?

9Reš Laqiš erwiderte: Auch hierüber besteht der Streit, und dies [ist die Ansicht] der Rabbanan. R. Joḥanan aber sagte: Du kannst auch sagen, die des R. Jehuda, denn R. Jehuda sagt dies nur vom Blute, weil es gerinnt und ein Klumpen wird, ein Geschöpf aber wird es nicht. —

10Nach der Lesart aber, nach der R. Joḥanan sagte, sie streiten, ob eine Öffnung der Gebärmutter ohne Blutung möglichist, sollte R. Jehuda auch hierüber streiten!?

11Wer jene Fassung lehrte, lehrt hier wie folgt: R. Joḥanan und Reš Laqiš sagen beide, auch hierüber besteht der Streit, und dies [ist die Ansicht] der Rabbanan.

12WENN EINE FRAU EINE ART VIEH &C. AUSSTÖSST.

13R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Folgendes ist der Grund R. Meírs: auch von diesen wird [der Ausdruck] ‘bilden’ gebraucht, wie vom Menschen. —

14Demnach sollte, wenn eine Frau das Gebilde eines Seetieres ausstößt, (die Mutter) geburtsunrein sein, denn auch von diesem wird [der Ausdruck] ‘bilden’ gebraucht, wie vom Menschen, denn es heißt:und der Herr erschuf die großen Seetiere!? —

15Ich will dir sagen, man folgere durch [eine Vergleichung] von bilden mit bilden, nicht aber folgere man durch [eine Vergleichung] von erschaffen mit bilden. —

16Welchen Unterschied gibt es denn dabei, in der Schule R. Jišma͑éls wurde ja gelehrt:Wenn der Priester wieder kommt,wenn der Priester hineingeht, kommen und gehen sinddasselbe!?

17Und ferner ist ja durch [den Ausdruck] ‘erschaffen’ zu folgern, denn [auch vom Menschen] heißt es:und Gott erschuf den Menschen in seinem Ebenbilde!? —

18Ich will dir sagen, [das Wort] erschuf ist an sich nötig, und [das Wort] bildete ist entbehrlich, und man folgere durch das bei beiden gebrauchte [Wort] bildete. —

19Im Gegenteil, [das Wort] bildete ist an sich nötig und [das Wort] erschuf ist entbehrlich, und man folgere durch das bei beiden gebrauchte [Wort] erschuf!? —

20Vielmehr, [das Wort] bildete ist an beiden Stellen entbehrlich, es ist beim Menschen entbehrlich und es ist beim Vieh entbehrlich, [das Wort] erschuf aber ist nur beim Menschen entbehrlich, bei den Seetieren aber ist es nicht entbehrlich. —

21Wieso ist es beim Vieh entbehrlich: wollte man sagen, weil es heißt:er machte das Getier der Erde, und es heißt:Gott der Herr bildete aus der Erde alles Getier des Feldes, so ist es ja auch bei den Seetieren entbehrlich, denn es heißt:alles Kriechtier des Erdbodens, und es heißt: und der Herr erschuf die großen Seetiere!? —

22Unter Kriechtier in jenem Schriftverse sind die des Festlandes zu verstehen. — Welchen Unterschied gibt es zwischen entbehrlich an einer Stelle und entbehrlich an beiden Stellen? —

23Der Unterschied besteht in dem, was R. Jehuda im Namen Šemuéls im Namen R. Jišma͑éls gesagt hat: Ist die Wortanalogie überhaupt nicht entbehrlich, so ist durch diese nichts zu folgern; ist sie an einer Stelle entbehrlich, so ist nach R. Jišma͑él durch diese zu folgern und nicht zu widerlegen, nach den Rabbanan aber zu folgern, jedoch auchzu widerlegen; und ist sie an beiden Stellen entbehrlich, so ist nach aller Ansicht durch diese zu folgern und nicht zu widerlegen. —

24Welchen Unterschied gibt es nach R. Jišma͑él zwischen entbehrlich an einer Stelle und entbehrlich an beiden Stellen? — Der Unterschied besteht darin: ist eine an einer Stelle entbehrlich und eine an beiden Stellen entbehrlich, so lasse man die an einer Stelle entbehrliche

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.