Nidda — Blatt 23a

1und folgere durch die an beiden Stellen entbehrliche. Der Allbarmherzige machte sie daher beim Vieh an beiden Stellen entbehrlich, damit man nicht durch die an einer Stelle entbehrliche folgere.

2R. Aḥa, der Sohn Rabas, lehrte es im Namen R. Elea͑zars erleichternd. Ist die Wortanalogie überhaupt nicht entbehrlich, so ist durch diese zu folgern und zu widerlegen; ist sie an einer Stelle entbehrlich, so ist nach R. Jišma͑él durch diese zu folgern und nicht zu widerlegen, nach den Rabbanan aber zu folgern und zu widerlegen; und ist sie an beiden Stellen entbehrlich, so ist nach aller Ansicht durch diese zu folgern und nicht zu widerlegen. —

3Welchen Unterschied gibt es nach den Rabbanan zwischen entbehrlich an einer Stelle und überhaupt nicht entbehrlich? —

4Der Unterschied besteht darin: ist eine an einer Stelle entbehrlich und eine überhaupt nicht entbehrlich, und die eine nicht zu widerlegen und die andere nicht zu widerlegen, so lasse man die überhaupt nicht entbehrliche und folgere durch die an einer Stelle entbehrliche. —

5Welche Widerlegung gibt es hierbei? — Es ist zu widerlegen: wohl gilt dies vom Menschen, der auch lebend verunreinigungsfähig ist.

6Ebenso sagte auch R. Ḥija b. Abba im Namen R. Joḥanans: Folgendes ist der Grund R. Meírs: weil auch von diesen [der Ausdruck] ‘bilden’ gebraucht wird, wie vom Menschen.

7R. Ami sprach zu ihm: Demnach sollte eine Frau, wenn sie das Gebilde eines Berges ausstößt, geburtsunrein sein, denn es heißt:denn siehe, er bildet die Berge und schafft den Wind!? Dieser erwiderte: Kann sie etwa einen Berg ausstoßen!? Sie kann nur etwas wie einen Stein ausstoßen, und solches heißt Scholle. —

8Aber eine Frau sollte demnach, wenn sie etwas Windartiges ausstößt, geburtsunrein sein, denn von diesem wird [der Ausdruck] ‘erschaffen’ gebraucht, wie vom Menschen, denn es heißt: und erschafft den Wind!? Wolltest du sagen, es sei nicht entbehrlich, so ist es ja wohl entbehrlich, denn es könnte heißen: er bildet die Berge und den Wind, und es heißt: und erschafft den Wind!?

9Dieser erwiderte: Man folgere [durch Wortanalogie, wenn beide Worte sich] in der Tora befinden, nicht aber wenn eines in der Tora und eines in den Propheten sich befindet.

10Rabba b. Bar Ḥana sagte im Namen R. Joḥanans: Folgendes ist der Grund R. Meírs: weil ihre Augen denen eines Menschen gleichen. —

11Demnach sollte eine Frau, wenn sie das Gebilde einer Schlange ausstößt, geburtsunrein sein, weil ihr Augensternrund ist, wie der eines Menschen!? Wolltest du sagen, dem sei auch so, so sollte er es von einer Schlange lehren!? —

12Würde er es von einer Schlange gelehrt haben, so könnte man glauben, die Rabbanan streiten gegen R. Meír nur über eine Schlange, von der [der Ausdruck] ‘bilden’ nicht gebraucht wird, nicht aber über ein Tier oder ein Wild, von denen [der Ausdruck] ‘bilden’ gebraucht wird. —

13Dieszählt er ja unter den Leibesfehlern: dessen Augenstern rund ist, wie der eines Menschen!? — Das ist kein Einwand; eines gilt vom Schwarzen und eines gilt vom Weißen.

14R. Jannaj sagte: Folgendes ist der Grund R. Meírs: weil ihre Augen nach vorn gerichtet sind, wie die eines Menschen. — Bei einem Vogel sind ja die Augen nicht nach vorn gerichtet, und R. Meír sagt, sie sei unrein!? Abajje erwiderte: Dies gilt von Kauz und Eule. — Etwa nicht von anderen Vögeln,

15man wandte ein: R. Ḥanina b. Antigonos sagte: Die Worte R. Meírs sind einleuchtend bei Vieh und Wild, und die Worte der Weisen bei Vögeln.

16Bei welchen Vögeln: wollte man sagen, bei Kauz und Eule, so gilt dies wohl von Vieh und Wild deshalb, weil ihre Augen nach vorn gerichtet sind, wie bei einem Menschen, und dies ist ja auch bei Kauz und Eule der Fall;

17doch wohl von anderen Vögeln, demnach streitet R. Meír auch über andere Vögel!? —

18[Die Lehre] ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: R. Ḥanina b. Antigonos sagte: Die Worte R. Meírs sind einleuchtend bei Vieh und Wild, und ebenso auch bei Kauz und Eule, und die Worte der Weisen bei anderen Vögeln; auch R. Meír streitet nämlich gegen sie nur über Kauz und Eule, bei anderen Vögeln aber pflichtet er ihnen bei. —

19Es wird auch gelehrt: R. Elea͑zar b. R. Çadoq sagte: Wenn eine Frau eine Art Vieh oder Wild ausstößt, so ist dies nach R. Meír eine Geburt und nach den Weisen keine Geburt. Wenn eine Art Vogel, so ist es zu untersuchen.

20Zu untersuchen ist es wohl nach R. Meír, welcher sagt, nur Kauz und Eule, andere Vögel aber nicht.

21R. Aḥa, Sohn des R. Iqa, erwiderte: Nein, zu untersuchen nach den Rabbanan, welche sagen, nur Kauz und Eule, andere Vögel aber nicht. —

22Wodurch unterscheiden sich Kauz und Eulevon Vieh und Wild? — Sie haben Backen wie ein Mensch.

23R. Jirmeja fragte R. Zera: Wie ist es nach R. Meír, welcher sagt, ein Vieh im Leibe der Mutter sei eine richtige Geburt, wenn der Vaterfür sie die Antrauung in Empfang genommen hat? — In welcher Hinsichtist dies von Bedeutung? — Die Schwester verbotenzu machen. —

24Demnach ist ein solcheslebensfähig, aber R. Jehuda sagte ja im Namen Rabhs, R. Meír sage es nur deshalb, weil ein solches bei seiner Art lebensfähig ist!? R. Aḥa b. Ja͑qob sagte: Soweitsuchte R. Jirmeja, R. Zera zum Lachen zu bringen, er lachte aber nicht.

25Der Text. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: R. Meír sagte es nur deshalb, weil ein solches bei seiner Art lebensfähig ist. R. Jirmeja aus Diphte sagte:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.