Nidda — Blatt 33b
1oder als Berührende, und es wird nicht umgestoßen?
2Raba erwiderte: Entsprechend dem Scharfsinne der Fehler. Angenommen, daß er umstößt: wieviel sollte er umstoßen: wenn sieben [Tage], so genügt es ja, daß sie dem ihr Beiwohnendengleiche,
3und wenn nur einen Tag, so sagt ja der Allbarmherzige:und nachher ist sie rein, das ‘nachher’ bezieht sich auf alle, siedürfen nicht durch eine Unreinheit getrennt sein. —
4Wie erfolgt das Umstoßen, auch nach deiner Auffassung, beim Flußbehafteten selbst, der Allbarmherzige sagt ja:zu seiner Reinigung, siedürfen nicht durch eine Unreinheit unterbrochen sein!?
5Du mußt also sagen, sie dürfen nicht durch eine Flußunreinheit unterbrochen sein, ebenso dürfen sie auch hierbei nicht durch eine Flußunreinheit unterbrochen sein.
6MAN IST ABER IHRETWEGEN NICHT SCHULDIG WEGEN BETRETENS DES HEILIGTUMS &C. Als R. Papa einst in Tavakh eintraf, fragte er: Ist hier ein Gelehrter anwesend, ich will gehen und ihm meine Aufwartung machen. Da sprach eine Greisin zu ihm: Hier ist ein Gelehrter anwesend, sein Name ist R. Šemuél, und er trägt Lehren vor; möge es [Gottes] Wille sein, daß du ihm gleichest.
7Da sagte er: Wenn sie mich mit ihm segnet, so ist er wohl ein gottesfürchtiger Mann. Hierauf ging er zu ihm hin, und dieser ließ für ihn ein Rind werfen. Alsdann wies er ihn auf einen Widerspruch zwischen zwei Lehren hin. Wir haben gelernt, man sei ihretwegen nicht schuldig wegen Betretens des Heiligtums und man verbrenne ihretwegen keine Hebe, weil ihre Unreinheit zweifelhaft ist, wonach man wegen eines Zweifels keine Hebe verbrenne,
8und dem widersprechend [haben wir gelernt], daß man wegen sechs Zweifel Hebe verbrenne, wegen eines Zweifels über Kleider eines Menschen aus dem gemeinen Volke!?
9Da sprach R. Papa: Möge es [Gottes] Wille sein, daß dieses Rind als Friedens[mahl]verzehrt werde. Hier handelt es sich um einen Samaritaner, der Genosse ist. —
10Hältst du denn einen Samaritaner, der Genosse ist, für einen, der Menstruierenden beiwohnt!?
11Als er ihn verlassen hatte und zu R, Šimi b. Aši kam, sprach dieser zu ihm: Weshalb erwidertest du ihm nicht, dies gelte von dem Falle, wenn ein Samaritaner ein Tauchbad genommen hat, heraufgestiegen ist, und auf die Kleider eines Genossen getreten ist, und die Kleider des Genossen Hebe berührt haben.
12Wenn etwawegen der Unreinheit des Menschen aus dem gemeinen Volke, so hat er ja ein Tauchbad genommen, wenn etwa wegen Beiwohnung einer Menstruierenden, so ist es zweifelhaft, ob die Beiwohnung kurz vorher oder nicht kurz vorher erfolgt ist,
13und wenn du auch sagst, die Beiwohnung sei kurz vorher erfolgt, so ist es noch zweifelhaft, ob gelbes [Blut] sieergänzt hat oder nicht ergänzt hat, somit besteht hier ein doppelter Zweifel, und wegen eines doppelten Zweifels verbrennen wir keine Hebe. —
14Sollte doch schon der Umstand genügen, daß es Kleider eines Menschen aus dem gemeinen Volke sind, und der Meister sagte, Kleider eines Menschen aus dem gemeinen Volke gelten für Gelehrteals [verunreinigend durch] Auftreten!? Dieser erwiderte: Dies gilt von einem nackten Samaritaner.
15DIE SADÜZÄERINNEN GLEICHEN, WENN SIE DEN WEG IHRER VÄTER GEHEN, DEN SAMARITANERINNEN; ZIEHEN SIE SICH ZURÜCK UND GEHEN DEN WEG JISRAÉLS, SO GLEICHEN SIE DEN JISRAÉLITINNEN. R. JOSE SAGT, SIE GLEICHEN IMMER DEN JISRAÉLITINNEN, BIS SIE SICH ZURÜCKZIEHEN UND DEN WEG IHRER VÄTER GEHEN.
16GEMARA. Sie fragten: Wie istes, wenn unbestimmt? — Komm und höre: Die Sadüzäerinnen gleichen, wenn sie den Weg ihrer Väter gehen, den Samaritanerinnen. Demnach gleichen sie, wenn unbestimmt, den Jisraélitinnen. — Wie ist demnach der Schlußsatz zu erklären: Ziehen sie sich zurück und gehen den Weg Jisraéls, so gleichen sie den Jisraélitinnen. Demnach gleichen sie, wenn unbestimmt, den Samaritanerinnen. Vielmehr ist hieraus nichts zu entnehmen. —
17Komm und höre: R. Jose sagt, sie gleichen immer den Jisraélitinnen, bis sie sich zurückziehen und den Weg ihrer Väter gehen. Demnach ist der erste Autor der Ansicht, sie gleichen den Samaritanerinnen. Schließe hieraus.
18Die Rabbanan lehrten: Einst unterhielt sich ein Saduzäer mit dem Hochpriester auf der Straße, und ein Spritzer kam aus seinem Munde und fiel dem Hochpriester auf die Kleider. Da verfärbte sich das Gesicht des Hochpriesters und er eilte vor jenem zu dessenFrau.
19Da sprach diese zu ihm: Sind sie auch Frauen der Saduzäer, so fürchten sie dennoch die Pharisäer und zeigen ihr Blut den Weisen.
20R. Jose sagte: Wir kennen siebesser als jeder andere; sie zeigen ihr Blut den Weisen. Ausnahmsweise war in unserer Nachbarschaft eine Frau, die nicht das Blut den Weisen zeigte, und sie starb. —
21Es sollte doch schon der Umstand ausreichen, daß es ein Spritzer eines Menschen aus dem gemeinen Volke war!? Abajje erwiderte: Es war ein Saduzäer, der Genosse war. Raba entgegnete: Hältst du denn einen Saduzäer, der Genosse ist, für einen der Menstruierenden beiwohnt!? Vielmehr, erwiderte Raba,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.