Nidda — Blatt 33a
1wollte man sagen, unter dem Flußbehafteten, so geht dies ja hervor schon aus [den Worten:]wer sein Lager berührt; vielmehr, wer etwas berührt, was sich unter dem Flußbehafteten befindet, nämlich die Ober[decke] des Flußbehafteten.
2Und wer es trägt, auch das ist unrein, nämlich das, was getragen wird, denn die Schreibweise ist getragenwird.
3Die Schrift hat es somitder schweren Unreinheitentzogen und zur leichteren Unreinheit gebracht, um dir zu sagen, daß es nur Speisen und Getränke unrein mache. —
4Vielleicht hat die Schrift es der schweren Unreinheit entzogen nur insofern, als es nicht Menschen samt den Kleidern unrein macht, wohl aber macht es Menschen oder Kleiderunrein!? — Die Schrift sagt:soll unrein werden, und darunter ist eine leichte Unreinheitzu verstehen. —
5Woher dies vom Unterpolster des einer Menstruierenden Beiwohnenden? — Es wird gelehrt:So komme ihre Menstruationsunreinheit auf ihn;
6man könnte glauben, er folge ihr auf dem Fuße, so heißt es:er soll sieben Tage unrein sein.
7Wieso heißt es nun: so komme ihre Menstruationsunreinheit auf ihn? Man könnte glauben, er mache Menschen und Tongefäße nicht unrein, so heißt es: so komme ihre Menstruationsanreinheit auf ihn, wie sie Menschen und Tongefäße unrein macht, ebenso macht er Menschen und Tongefäße unrein.
8Demnach sollte, wie sie Lager und Sitz [unrein] macht, um Menschen samt den Kleidern unrein zu machen, auch er Lager und Sitz [unrein] machen, um Menschen samt den Kleidern unrein zu machen!? Es heißt:und auch jedes Lager, auf dem er liegt, werde unrein;
9und durch die Worte jedes Lager, auf dem er liegt &c., hat es die Schrift der schweren Unreinheit entzogen und zur leichteren Unreinheit gebracht, um dir zu sagen, daß es nur Speisen und Getränke unrein mache.
10R. Aḥaj wandte ein: Vielleicht hat die Schrift es der schweren Unreinheit entzogen und zur leichteren Unreinheit gebracht nur insofern, als es nicht Menschen samt den Kleidern unrein macht, wohl aber macht es Menschen oder Kleiderunrein!? R. Asi erwiderte: Soll unrein werden, darunter ist eine leichte Unreinheit zu verstehen. —
11Vielleicht aber: so komme ihre Menstruationsunreinheit auf ihn, generell, und jedes Lager, speziell, und wenn auf eine Generalisierung eine Spezialisierung folgt, so umfaßt die Generalisierung das nur, was die Spezialisierung nennt; nur Lager und Sitz, anderes aber nicht!?
12Abajje erwiderte: Soll sieben Tage unrein sein, dies unterbricht den Zusammenhang. Es ist also eine Generalisierung und eine Spezialisierung, die von einander entfernt sind, und wenn die. Generalisierung und die Spezialisierung von einander entfernt sind, wende man dabei [die Regel von der] Generalisierung und Spezialisierung nicht an.
13Raba erwiderte: Tatsächlich wende man sie wohl an, nur ist [das Wort] jedes einschließend.
14R. Ja͑qob wandte ein: Vielleicht wie sie selbst: wie du bei ihr hinsichtlich der Verunreinigung von Menschen samt den Kleidern zwischen Berührung und Lager erschwerend nicht unterscheidest, ebenso ist bei ihm hinsichtlich der Verunreinigung von Menschen samt den Kleidern zwischen Berührung und Lager erleichternd nicht zu unterscheiden!? —
15Die Schrift sagt: auf ihn, dies heißt: ihn belastend.
16WEIL SIE MENSTRUIERENDEN BEI WOHNEN.Wohnen denn alleMenstruierenden bei!? R. Jiçḥaq aus Magdala erwiderte: Sie lehrten es von Verheirateten.
17DENN SIE VERWEILEN BEI JEDER BLUTART &C. Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Wenn sie bei jeder Blutart [in Unreinheit] verweilen, so ist es ja für sie eine große Vorsorge!?
18Vielmehr, wenn sie rotes Blut wahrnehmen, ergänzen sie es mit gelbem Blute.
19Eine andere Erklärung. Den Tag, an dem [die Blutung] aufhört, zählt sie mit zu den sieben.
20Rami b. Ḥama wandte ein: Mag sie ihn doch mitzählen, und auch wir sollten ihn mitzählen, denn es ist uns ja bekannt, daß ein Teil des Tages als ganzer gilt!?
21Rabba erwiderte: Wie könnte es demnachvorkommen, daß der Samenergußbeim Blutflusse [die Reinheitstage] hinfällig macht, ein Teil des Tages gilt ja als ganzer!? —
22Hat er um die Mitte des Tages wahrgenommen, so ist dem auch so, dies gilt aber von dem Falle, wenn er kurz vor Sonnenuntergang wahrgenommen hat. —
23Sollte denn der Schriftvers durchaus auf den Fall bezogen werden, wenn es kurz vor Sonnenuntergang erfolgt ist!? — Allerdings, der Schriftvers selbst zwingt, ihn auf einen solchen Fall zu beziehen.
24Rami b. Ḥama fragte: Wird esbei der Flußbehafteten umgestoßen, wenn sie Samenergußausgestoßen hat? Gilt sie als Wahrnehmende, und eswird umgestoßen,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.