Nidda — Blatt 34b

1auch im Leibe einer Nichtjüdin, und der eines Nichtjuden überall rein ist, auch im Leibe einer Jisraélitin, außer dem darin enthaltenen Urin.

2Wolltest du sagen, auch hierbei rein nach der Tora, rabbanitisch aber unrein: ist etwa ihr Urin unrein nach der Tora!? Hieraus ist vielmehr zu schließen, auch rabbanitisch rein. Schließe hieraus.

3Der Meister sagte: Daß der Samenerguß eines Jisraéliten überall unrein ist, auch im Leibe einer Nichtjüdin. Hieraus ist ja eine Frage R. Papas zu entscheiden, denn R. Papa fragte, wie es sich mit dem Samenergusse eines Jisraéliten im Leibe einer Nichtjüdin verhalte!? —

4Innerhalb [der ersten] drei Tagewar es R. Papa nicht fraglich, fraglich war es ihm nur nach dreiTagen.

5Wie ist es nun: wärmt und macht [den Samen] verwesen nur der Körper von Jisraéliten, die durch fromme Übung ekstatischsind, nicht aber wärmt, und macht ihn verwesen der Körper von Nichtjuden, die nicht durch fromme Übung ekstatisch sind, oder wärmt auch ihr Körper, weil sie Ekel- und Kriechtiere essen, und macht ihn verwesen? — Dies bleibt unentschieden.

6DAS REINE BLUT EINER AUSSÄTZIGEN IST NACH DER SCHULE ŠAMMAJS &C. Was ist der Grund der Schule Hillels? R. Jiçḥaq erwiderte:Für den Mann, dies schließt den Aussätzigen ein hinsichtlich seiner Quellen, und für das Weib, dies schließt die Aussätzige ein hinsichtlich ihrer Quellen.

7Was heißt Quellen, wollte man sagen, die anderenQuellen, so ist dies ja vom Mannezu folgern. Doch wohl ihr Blut, daß nämlich ihr Reinheitsblut unrein ist. —

8Und die Schule Šammajs!? — Vom Manne ist nicht auf das Weib zu folgern, denn es ist zu erwidern: wohl gilt dies vom Manne, bei demEntblößen des Hauptes und Einreißen der Kleider erforderlich ist, und dem der Geschlechtsverkehr verboten ist, was aber bei einem Weibe nicht der Fall ist. —

9Und die Schule Hillels!? — Der Allbarmherzige sollte es doch nur beim Weibe und nicht beim Manne geschrieben haben, und ich würde gefolgert haben: wenn der Allbarmherzige beim Weibe, bei dem das Entblößen des Hauptes und das Einreißen der Kleider nicht erforderlich ist, und dem der Geschlechtsverkehr nicht verboten ist, die Quellen einbegriffen hat, um wieviel mehr beim Manne.

10Da dies nun wegen des Mannes nicht nötig ist, so beziehe man es auf das Weib, und da dies wegen ihrer Quellen nicht nötig ist, so beziehe man es auf ihr Blut, daß nämlich ihr Reinheitsblut unrein ist. —

11Und die Schule Šammajs!? — Vom Weibe ist nicht auf den Mann zu folgern, denn es ist zu erwidern: wohl gilt dies vom Weibe, das auch bei einem Mißgeschick unrein ist, was aber beim Manne nicht der Fallist. —

12Und die Schule Hillels!? — Wieso sollten wir, wenn wir uns mit dem Aussätzigen befassen, einen Einwand von einen Flußbehafteten betreffenden Dingen erheben. — Und die Schule Šammajs!? — Der Einwand betrifft die Unreinheit allgemein.

13Wenn du aber willst, sage ich: die Schule Šammajs kann dir erwidern: [das Wort] für den Mann deutet darauf, daß dies von jedem gilt, der Mann ist, ob erwachsen oder minderjährig. — Und die Schule Hillels!? — Sie folgert dies aus [den Worten]:dies ist das Gesetz über den Flußbehafteten, ob erwachsen oder minderjährig.

14R. Joseph sagte: Wenn R. Šimo͑n b. Laqiš über den Flußbehafteten vortrug, fragte er folgendes: Verunreinigt die erste Wahrnehmung eines minderjährigen Flußbehafteten durch Berühren? Der Allbarmherzige sagt:

15dies ist das Gesetz über den Flußbehafteten, und über den, dem Samen abgeht; dessen Samenerguß verunreinigt, bei dem verunreinigt auch die erste Wahrnehmung, bei diesem aber, dessen Samenerguß nicht verunreinigt, verunreinigt auch nicht die erste Wahrnehmung, oder aber verunreinigt sie wohl, da, wenn er noch zweimal wahrnimmt, sievereinigt werden!?

16Raba erwiderte: Komm und höre: Dies ist das Gesetz über den Flußbehafteten, ob erwachsen oder minderjährig. Wie beim Erwachsenen die erste Wahrnehmung verunreinigt, ebenso verunreinigt die erste Wahrnehmung des Minderjährigen.

17R. Joseph fragte: Verunreinigt die erste Wahrnehmungeines Aussätzigen durch Tragen? Gilt die Flußstelle als Quelleund verunreinigt, oder gilt sie nicht als Quelle.

18Raba erwiderte: Komm und höre:Sein Fluß ist unrein, dies lehrt, daß der Fluß unreinist. Wessen, wollte man sagen, eines nur Flußbehafteten,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.