Nidda — Blatt 42b
1jenem haftet ja, wenn es außen ist, keine Unreinheit an, dieses aber ist, wenn es herauskommt, unrein!? – Auch hierbei, wenn es nach außen gekommen ist. –
2Von dem Falle, wenn es nach außen gekommen ist, braucht es ja nicht gelehrt zu werden!? – Man könnte glauben, wie das Tauchbad von Wirkung ist inbetreff des innen befindlichen Blutes, sei es auch inbetreff des [außen befindlichen] von Wirkung, so lehrt er uns. –
3Diese Lehre ist nun erklärt, aber hinsichtlich der Wöchnerin besteht ja der Einwand: sie ist ja in ihren Menstruationstagen Menstruierende, und in ihren Flußtagen Flußbehaftete!? –
4Hier handelt es sich um eine trockene Geburt. – Was heißt bei einer trockenen Geburt innen wie außen unrein!? –
5Wenn die Geburt den Kopf aus dem Vorraumeherausgesteckt hat. Dies nach R. Oša͑ja, denn R. Oša͑ja sagte, es seizu berücksichtigen, die Gehurt könnte den Kopf aus dem Vorraume herausstecken.
6So kam einst jemand vor Raba und fragte ihn, ob man am Šabbath die Beschneidung vollziehen dürfe, und dieser erwiderte ihm, es sei erlaubt. Nachdem jener hinausgegangen war, sagte Raba: Sollte denn dieser Mann nicht gewußt haben, daß die Beschneidung am Šabbath erlaubt ist!?
7Hierauf ging er ihm nach und sprach zu ihm: Erzähle mir doch, wie der Fall sich zugetragen hat. Jener erwiderte: Ich hörte am Vorabend des Šabbaths die Geburt wimmern, aber [das Kind] wurde erst am Šabbath geboren. Da sprach er zu ihm: Es hatte also den Kopf aus dem Vorraume herausgesteckt, somiterfolgt die Beschneidung außerhalb der festgesetzten Zeit, und wegen der Beschneidung außerhalb der festgesetzten Zeit darf man den Šabbath nicht entweihen.
8Sie fragten: Gilt es an dieser Stelle eines Weibes als verschlucktoder als intim? –
9In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Wenn eine Gefährtin ihr ein olivengroßes Stück Aas in die Stelle hineingesteckt hat; sagst du, es gelte als verschluckt, so ist dies eine verschluckte Unreinheit, die nicht unrein macht, und sagst du, es gelte als intim, so macht es allerdings durch die Berührung nicht unrein, aber immerhin macht es durch das Tragen unrein.
10Abajje sagte, es gelte als verschluckt, und Raba sagte, es gelte als intim. Raba sagte: Dies entnehme ich aus folgender Lehre: Weil es eine Unreinheit an einer intimen Stelle ist,
11und eine Unreinheit an einer intimen Stelle nicht unrein macht nur ist dieseine Bestimmung der Schrift. –
12Und Abajje!? – Er meint es erstens und zweitens: erstens ist es eine verschluckte Unreinheit, und wenn du sagst, es sei eine intime Unreinheit, macht es nicht unrein, nur ist dies eine Bestimmung der Schrift.
13Sie fragten: Gilt das Aas eines reinen Vogels an der Stelle, wo es [unrein]ist, als verschlucktOder als verborgen? –
14In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Wenn einem sein Gefährte ein olivengroßes Stück Aas in den Mund gesteckt hat; sagst du, es gelte als verschluckt, so macht es nicht unrein, und sagst du, es gelte als verborgen, so macht es allerdings nicht durch die Berührung unrein, aber immerhin macht es durch das Tragen unrein.
15Abajje sagte, es gelte als verschluckt, und Raba sagte, es gelte als verborgen. Abajje sagte: Dies entnehme ich aus folgender Lehre: Man könnte glauben, das Aas eines Viehs verunreinige im Schlunde die Kleider, so heißt es:Aas und Totverletztes darf er nicht essen, daß er dadurch unrein würde;
16nur dem vor dem Essen keine Unreinheit anhaftet, ausgenommen dieses, das schon vor dem Essen unrein, ist. –
17Es sollte doch [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere, vom Aas eines reinen Vogels gefolgert werden; wenn das Aas eines reinen Vogels, dem außen [befindlich] keine Unreinheit anhaftet, innen eine Unreinheit anhaftet, um wieviel mehr haftet diesem, dem außen [befindlich] eine Unreinheit anhaftet, innen eine Unreinheit an!? –
18Die Schrift sagt dadurch, nur dadurch und nicht durch anderes. –
19Wieso heißt es demnach:wer ißt!? –
20Um das Quantum beim Berühren und beim Tragen dem des Essens gleichzustellen: wie das Essen bei Olivengröße, ebenso auch das Berühren und das Tragen bei Olivengröße.
21Raba sagte: Hat jemand ein Kriechtier in einer Körperfalte, so ist er rein; wenn Aas in einer Körperfalte, so ist er unrein.
22Wenn ein Kriechtier in einer Körperfalte, so ist er rein, denn das Kriechtier macht durch Berühren unrein, und beim Verborgenen gibt es kein Berühren. Wenn Aas in einer Körperfalte, so ist er unrein, denn es ist allerdings nicht durch Berühren verunreinigend, aber immerhin ist es durch Tragen verunreinigend.
23Bringt man ein Kriechtier in einer Körperfalte in den Hohlraum eines Ofens, so ist der Ofen unrein. – Selbstverständlich!? Man könnte glauben, der Allbarmherzige sagt ja Inneres,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.