Nidda — Blatt 42a
1Wolltest du sagen, es kann etwas zurückgeblieben sein, so sollte er sagen: weil zu berücksichtigen ist, etwas kann zurückgebliebensein!? –
2Vielmehr, auch Raba spricht von dem Falle, wenn man sie im Bette untertauchen ließ, dennoch besteht hier kein Widerspruch; eines, wenn sie sich umgedreht hat, und eines, wenn sie sich nicht umgedreht hat.
3Raba bezieht sich auf den Schriftvers und sagte folgendes: Was der Allbarmherzige geschrieben hat: sie sollen im Wasser baden und bis zum Abend unrein sein, gilt von dem Falle, wenn sie sich nicht umgedreht hat, hat sie sich aber umgedreht, so darf sie drei Tage keine Hebe essen, weil es nicht möglich ist, daß sie nicht etwas ausgestoßen hat.
4R. Šemuél b. Bisna fragte Abajje: Ist es, wenn sie Samenerguß ausgestoßen hat, eine Wahrnehmung oder eine Berührung?
5Dies ist von Bedeutung hinsichtlich der Hinfälligmachung, der Verunreinigung durch ein Minimumund der Verunreinigung innen wie außen. –
6Wie du es nimmst: hat er jene Lehregehört, so ist dies ja nach den Rabbanan eine Wahrnehmung und nach R. Šimo͑n eine Berührung,
7und hat er jene Lehre nicht gehört, so ist es ja einleuchtend, daß dies eine Berührung ist. –
8Tatsächlich hat er jene Lehre gehört, und er fragte nicht nach den Rabbanan, sondern nach R. Šimo͑n,
9und er fragte nicht hinsichtlich der Verunreinigung innen wie außen, sondern hinsichtlich der Hinfälligmachung und der Verunreinigung durch ein Minimum.
10Wie ist es nun: sagt R. Šimo͑n, es genüge, daß sie dem gleiche, der ihr beigewohnt hat, nur hinsichtlich der Verunreinigung innen wie außen, aber hinsichtlich der Hinfälligmachung und der Verunreinigung durch ein Minimum gilt dies als Beobachtung, oder aber gibt es hierbei keinen Unterschied!?
11Manche lesen: Tatsächlich hat er jene Lehre nicht gehört, und seine Frage lautet wie folgt: Gilt dies, da der Allbarmherzige beim Berge Sinaj es mit den Ergußbehafteten streng genommenhat, als Wahrnehmung,
12oder aber ist vom [Ereignisse beim] Berge Sinaj nichts zu folgern, weil es da ein Novum war, denn mit den Flußbehafteten und den Aussätzigen, die schwerer [unrein] sind, nahm es der Allbarmherzige nicht streng.
13Dieser erwiderte: Dies gilt als Wahrnehmung. Hierauf kam er zu Raba und fragte ihn, und dieser erwiderte ihm: Dies gilt als Wahrnehmung. Alsdann kam er zu R. Joseph und fragte ihn, und dieser erwiderte: Dies gilt als Wahrnehmung. Hierauf kam er wiederum zu Abaj je und sprach zu ihm: Ihr alle spuckt denselben Speichel.
14Dieser erwiderte: Sie haben dir richtig entschieden. R. Šimo͑n sagt, es genüge, daß sie dem gleiche, der ihr beigewohnt hat, nur hinsichtlich der Verunreinigung innen wie außen, hinsichtlich der Hinfälligmachung aber und der Verunreinigung durch ein Minimum gilt dies als Wahrnehmung.
15Die Rabbanan lehrten: Dia Menstruierende, die Flußbehaftete, die Flußverdächtige und die Wöchnerin sind alle unrein innen wie außen.
16Erklärlich ist es, daß er jene nennt, wieso aber die Wöchnerin, sie ist ja in ihren Menstruationstagen Menstruierende und in ihren Flußtagen Flußbehaftete!? –
17In dem Falle, wenn sie zum Untertauchen hinabgestiegen ist, um aus der Unreinheit in Reinheitzu gelangen.
18Dies nach R. Zera, der im Namen des R. Ḥjija b. Aši im Namen Rabhs sagte: Wenn eine Wöchnerin zum Untertauchen hinabgestiegen ist, um aus der Unreinheit in Reinheit zu gelangen, und in ihr Blut sich gelösthat, so ist sie, wenn beim Hinabsteigen, unrein, und wenn beim Heraufsteigen, rein.
19R. Jirmeja sprach zu R. Zera: Wieso ist sie unrein, wenn beim Hinabsteigen, es ist ja eine verschluckteUnreinheit!? Dieser erwiderte: Geh und frage dies R. Abin; ich habe es ihm im Lehrhause erklärt, und er nickte mir mit dem Kopfe zu.
20Da ging er und fragte es ihn, und dieser erwiderte: Sie haben dies dem Aase eines reinen Vogels gleichgestellt, das im Schlunde die Kleider unreinmacht. – Ist es denn gleich:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.