Nidda — Blatt 43b

1und sie hinabgestiegen und untergetauchtist.

2Wenn du entscheidest, daß man sich nach dem Abgange richte, auch wenn man es zurückhalten kann, so gilt dies vielleicht nur von einer Jisraélitin, die nach der Tora unrein ist, nicht aber von einer flußbehaftetenNichtjüdin, die nur rabbanitisch unrein ist, oder gibt es hierbei keinen Unterschied. – Dies bleibt unentschieden.

3UND SIE VERUNREINIGEN BEIM KLEINSTEN QUANTUM. Šemuél sagte: Beim Flußbehafteten muß es soviel sein, wie zum Schließen der Öffnung des Gliedes erforderlich ist, denn es heißt:oder sein Glied verstopft wird von seinem Flusse. –

4Wir haben ja aber gelernt, sie seien verunreinigend beim kleinsten Quantum!? – Er ist der Ansicht R. Nathans, denn es wird gelehrt: R. Nathan sagte im Namen R. Jišma͑éls: Beim Flußbehafteten muß es soviel sein, wie zum Schließen der Öffnung des Gliedes erforderlich ist. Sie pflichten ihm aber nicht bei. –

5Was ist der Grund R. Jišma͑éls? – Die Schrift sagt: oder sein Glied verstopft wird von seinem Flusse. –

6Und die Rabbanan!? – Dies deutet darauf, daß es nur feucht und nicht trocken verunreinige. –

7Und R. Jišma͑él!? – Dies geht aus [dem Worte]trieft hervor. –

8Und die Rabbanan!? – Dies deutet auf did Anzahl: sein Fluß, einmal, trieft aus seinem Gliede, zweimal, sein Fluß, dreimal; dies lehrt, daß ein Flußbehafteter bei dreimaliger Wahrnehmung zu einem Opfer verpflichtet ist.

9Oder sein Glied verstopft wird von seinem Flusse, so ist er unrein, wenn ein Teilvon seinem Flusse, so ist er unrein; dies lehrt, daß ein Flußbehafteter bei zwei Wahrnehmungen Lager und Sitz verunreinige. – Woher entnimmt R. Jišma͑él die Anzahl? –

10Er entnimmt dies aus einer Lehre des R. Simaj, denn es wird gelehrt: R. Simaj sagte: Die Schrift zählt zweimal, und nennt ihn unrein, dreimal, und nennt ihn unrein, wie ist dies zu erklären? Zweimal hinsichtlich der Unreinheit und dreimal hinsichtlich des Opfers. –

11Wofür verwendet derjenige, der beides entnimmt aus [dem Verse:]dies ist seine Unreinheit durch seinen Fluß, [den Vers:]wenn jemand flüssig ist an seinem Gliede? – Hieraus entnimmt er, daß er es erst dann ist, wenn es aus seinem Gliede gekommen ist. –

12Wozu heißt es:so ist er unrein an seinem Flusse? – Dies lehrt, daß der Fluß selbst unrein ist.

13R. Ḥanilaj sagte im Namen des R. Elie͑zer b. R. Šimo͑n: Die Wahrnehmung des Samenergusses bei einem Minimum, die Berührung bei Linsengröße. – Wir haben ja aber gelernt, sie verunreinigen beim kleinsten Quantum; doch wohl durch Berührung!? – Nein, durch Wahrnehmung. –

14Komm und höre: Strenger ist es beim Samenergusse als beim Kriechtiere und strenger ist es beim Kriechtiere als beim Samenergusse. Strenger ist es beim Kriechtiere, denn bei der Unreinheit des Kriechtieres wird nicht unterschieden, was aber beim Samenergusse nicht der Fallist. Strenger ist es beim Samenergusse, denn der Samenerguß ist in jedem Quantum verunreinigend, was aber beim Kriechtiere nicht der Fall ist.

15Doch wohl durch Berührung!? – Nein, durch Wahrnehmung. –

16Er lehrt es ja aber gleichlautend wie vom Kriechtiere, und wie das Kriechtier durch Berührung, ebenso der Samenerguß durch Berührung!? R. Ada b. Ahaba erwiderte: Er lehrt von der Möglichkeit beim Kriechtiere, und er lehrt von der Möglichkeit beim Samenergusse. –

17Ist denn das Kriechtier nicht bei einem Minimum verunreinigend, wir haben ja gelernt: Bei [ganzen] Gliedern gibt eskein bestimmtes Quantum, auch weniger als eine Olive vom Fleische eines Toten, weniger als eine Olive vom Fleische eines Aases und weniger als eine Linse von einem Kriechtiere!? –

18Anders verhält es sich bei einem Gliede, das ganz anstelle von Linsengröße tritt; macht etwa das Glied unrein, wenn davon etwas fehlt!? –

19Welches Bewenden hat es mit der Unterscheidung bei der Unreinheit des Samenergusses: wollte man sagen zwischen Jisraéliten und Nichtjuden, so wird ja auch zwischen einer Seemausund einer Landmaus unterschieden!? –

20Vielmehr, zwischen einem Minderjährigen und einem Erwachsenen.

21R. Papa sagte; Hierüber [streiten] Tannaím: Woher, daß beim Samenergusse die Berührung einbegriffenist? Es heißt:oder ein Mann.

22Und auch sonst streiten darüber Tannaím. Manche sagen, man folgere eine Sache in jederBeziehung, und manche sagen, man folgere und belasse sie bei ihrerBestimmung.

23Nach demjenigen, welcher sagt, man folgere in jeder Beziehung: wie das Kriechtierdurch Berührung, ebenso der Samenerguß [auch] durch Berührung, und zwar: wie das Kriechtier in Linsengröße, ebenso auch der Samenerguß in Linsengröße.

24Und nach demjenigen, welcher sagt, man folgere und belasse sie bei ihrer Bestimmung: wie das Kriechtier durch Berührung, ebenso der Samenerguß [auch] durch Berührung; man lasse sie aber bei ihrer Bestimmung: wie der Samenerguß durch Wahrnehmung bei einem Minimum, ebenso durch Berührung bei einem Minimum.

25R. Hona, Sohn des R. Nathan, sprach zu R. Papa: Woher, daß er es einschließt durch [die Worte] oder ein Mann, die beim Kriechtiere gebraucht werden, vielleicht schließt er es ein durch [die Worte]:oder ein Mann, dem Samenerguß abgeht, und alle sind der Ansicht, man folgere in jeder Hinsicht!?

26Sie fragten es die Lehrer; manche lehrten es wie R. Papa, und manche lehrten es wie R. Hona, der Sohn R. Nathans.

27EIN EINEN TAG ALTES MÄDCHEN KANN ALS MENSTRUIERENDE UNREIN SEIN, EIN ZEHN TAGE ALTES KANN ALS FLUSSBEHAFTETE UNREIN SEIN.

28EIN EINEN TAG ALTER KNABE KANN DURCH FLUSS UNREIN SEIN, DURCH AUSSATZ UNREIN SEIN, UND LEICHENUNREIN SEIN; ER VERPFLICHTETZUR SCHWAGEREHE, BEFREITVON DER SCHWAGEREHE, BERECHTIGTZUM ESSEN VON HEBE, MACHT FÜR DIE HEBEUNFÄHIG,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.