Nidda — Blatt 44a

1ERBT UND VERERBT, WER IHN TÖTET, IST SCHULDIG, UND ER GILT FÜR SEINEN VATER, SEINE MUTTER UND ALL SEINE VERWANDTEN ALS REIFER MANN.

2GEMARA. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten:Ein Weib, ich weiß dies von einem Weibe, woher dies von einem einen Tag alten Mädchen hinsichtlich der Menstruation? Es heißt: und ein Weib.

3EIN ZEHN TAGE ALTES KANN FLUSSBEHAFTETE SEIN. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten: Ein Weib, ich weiß dies von einem Weibe, woher dies von einem zehn Tage alten Mädchen hinsichtlich des Flusses? Es heißt: und ein Weib.

4EIN EINEN TAG ALTER KNABE &C. Woher dies? – Die Rabbanan lehrten:Jeder Mann, wozu heißt es jeder Mann? Dies schließt einen einen Tag alten Knaben ein, daß er durch Fluß unrein ist – so R. Jehuda.

5R. Jišma͑él, Sohn des R. Joḥanan b. Beroqa, sagt, dies sei nicht nötig; es heißt:und der den Fluß hat, für den Mann und für das Weib; für den Mann, wie er auch ist, ob erwachsen oder minderjährig; für das Weib, wie es auch ist, ob erwachsen oder minderjährig. Wozu heißt es demnach jeder Mann? Die Schrift gebraucht die Redewendung der Menschen.

6DURCH AUSSATZ UNREIN SEIN. Denn es heißt:wenn ein Mensch an der Haut seines Leibes hat, irgend ein Mensch.

7UND LEICHENUNREIN SEIN. Denn es heißt:und auf die Personen, die dort waren, irgend eine Person.

8ER VERPFLICHTET ZUR SCHWAGEREHE. Denn es heißt:wenn Brüder beisammen weilen, Brüder, die beisammen auf der Welt geweilt haben.

9BEFREIT VON DER SCHWAGEREHE. Der Allbarmherzige sagt:und keinen Sohn hat, und dieser hat einen.

10BERECHTIGT ZUM ESSEN VON HEBE. Denn es heißt:und die Geborenen seines Hauses, sie dürfen von seinem Brote essen; man lese: machen von seinem Brote essen.

11MACHT FÜR DIE HEBE UNFÄHIG. Der Allbannherzige sagt:und Kinder hat sie nicht, und diese hat ja. –

12Wieso gerade Kinder, dies gilt ja auch von einem Fötus, denn es heißt:wie in ihrer Mädchenzeit, ausgenommen die Schwangere!? –

13Dies ist nötig. Würde der Allbarmherzige nur geschrieben haben: und Kinder hat sie nicht, so könnte man glauben, weil es vorher ein Körper war, jetzt aber zwei Körper sind, da aber, wo es vorher ein Körper war und jetzt ein Körper ist, dürfe sie essen; daher schrieb der Allbarmherzige: wie in ihrer Mädchenzeit.

14Und würde der Allbarmherzige nur geschrieben haben: wie in ihrer Mädchenzeit, so könnte man glauben, weil sie vorher ein leerer Körper war, jetzt aber ein voller Körper ist, da aber, wo sie vorher ein leerer Körper war und jetzt ein leerer Körper ist, dürfe sie essen. Daher ist beides nötig. –

15Die Schriftverse sind erklärt, gegen unsere Mišna aber ist ja einzuwenden, wieso gerade einen Tag alt, dies gilt ja auch von einem Fötus!? R. Šešeth erwiderte: Hier handelt es sich um einen Priester mit zwei Frauen, einer geschiedenenund einer nicht geschiedenen, der Söhne hat von der nicht geschiedenen, und einen einen Tag alten Sohn hat von der geschiedenen;

16dieser macht die Sklaven seines Vatersunfähig, Hebe zu essen. Dies schließt die Ansicht R. Joses aus, welcher sagt, auch ein Fötus mache unfähig; er lehrt uns daher, nur ein einen Tag alter Knabe, ein Fötus aber nicht.

17ERBT UND VERERBT. Er erbt wohl von seinem Vater und vererbt seinem Bruder väterlicherseits, aber dieser kann ja, wenn er will, von seinem Vatererben, und wenn er will, von ihm erben!?

18R. Šešeth erwiderte: Er erbt das Vermögen seiner Mutter, um es seinem Bruder väterlicherseits zu vererben. Nur einen Tag alt, ein Fötus aber nicht, denn er stirbt zuerstund der Sohn beerbt seine Mutter

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.