Nidda — Blatt 55a
1Demnach sollte doch, wie sie einen Blockstein verunreinigt, auch ihr Fluß einen Blockstein verunreinigen!? –
2R. Aši erwiderte: Die Schrift sagt:was sie trägt, [das Wort] sie ist eine Einschränkung.
3DAS FLEISCH VON EINEM TOTEN. Woher dies? Reš Laqiš erwiderte: Die Schrift sagt:durch irgend welche Unreinheit, durch jede Unreinheit, die von ihm herrührt.
4R. Joḥanan erwiderte:Oder einen Knochen eines Menschen oder ein Grab, gleich einem Knochen, wie ein Knochen trocken ist, ebenso hierbei, wenn es trocken ist. –
5Welchen Unterschied gibt es zwischen ihnen? – Einen Unterschied gibt es zwischen ihnen in dem Falle, wenn es zerbröckeltist.
6Man wandte ein: Wenn Fleisch von einem Toten zerbröckelt ist, so ist es rein!? – Dies in dem Falle, wenn es ganz zerfallen und Staub geworden ist.
7Man wandte ein: Vom Toten ist alles verunreinigend, ausgenommen die Zähne, die Haare und die Nägel; haften sie an ihm, so sind sie alle unrein!?
8R. Ada b. Ahaba erwiderte: Gleich einem Knochen: wie der Knochen mit ihm erschaffen worden ist, ebenso alles andere, was mit ihm erschaffen worden ist. – Das Haar und die Nägel sind ja mit ihm erschaffen worden, und sie sind rein!?
9Vielmehr, erwiderte R. Ada b. Ahaba, gleich einem Knochen: wie der Knochen mit ihm erschaffen worden ist und nicht nachwächst, ebenso alles andere, was mit ihm erschaffen worden ist und nicht nachwächst, ausgenommen sind die Zähne, die nicht mit ihm erschaffen worden sind, und ausgenommen sind das Haar und die Nägel, die, wenn sie auch mit ihm erschaffen worden sind, nachwachsen. –
10Auch die Haut wächst ja nach, denn wir haben gelernt, [ein Vieh], dem die Haut abgeschält ist, sei nach R. Meír tauglichund nach den Weisen untauglich, und auch nach den Weisen ist es nur deshalb untauglich, weil bis dahindie Luft ihm schaden und es verenden kann, [die Haut] aber wächst nach; dennoch haben wir gelernt: bei folgenden gleicht die Haut dem Fleische: die Haut des Menschen!? –
11Hierzu wurde ja gelehrt: U͑la sagte: Nach der Tora ist die Haut eines Menschen rein, und nur deshalb sagten sie, sie sei unrein, weil zu berücksichtigen ist, jemand könnte aus der Haut seines Vaters oder seiner Mutter Decken für einen Esel machen.
12Manche lesen: Die Haut wächst ja nicht nach, denn wir haben gelernt, nach den Weisen sei es untauglich, und auch nach R. Meír ist es nur deshalb tauglich, weil das Fleisch einen Überzug bekommt und es leben bleibt, [die Haut] aber wächst nicht nach, dennoch sagte U͑la, die Haut eines Menschen sei rein!? –
13Die Lehre U͑las bezieht sich auf den Schlußsatz: sie alle sind rein, wenn man sie gegerbt oder zur Gerbung genügend darauf getreten hat, ausgenommen die Haut eines Menschen. Hierzu sagte U͑la: Nach der Tora ist die Haut eines Menschen, wenn man sie gegerbt hat, rein, und nur deshalb sagten sie, sie sei unrein, weil zu berücksichtigen ist, jemand könnte aus der Haut seines Vaters oder seiner Mutter eine Decke machen. –
14Das Fleisch wächst ja nach, und es ist unrein!? Mar, Sohn des R. Aši, erwiderte: Das Fleisch bekommt an der Stelle eine Narbe.
15FLUSS ABER. Woher dies vom Flusse? – Es wird gelehrt:Sein Fluß ist unrein, dies lehrt, daß der Fluß unrein ist.
16Dies wäre durch einen Schluß zu folgern: wenn er für andereUnreinheit veranlaßt, um wieviel mehr er selber. Aber vom fortzuschickenden [Sühne]bocke ist [das Entgegengesetzte] zu beweisen: er macht andereunrein, er selber aber ist rein. Du sollst dich daher auch über diesen nicht wundern, wenn er für andere Unreinheit veranlaßt, selber aber rein ist. Daher heißt es: sein Fluß ist unrein, und dies lehrt, daß der Fluß unrein ist. –
17Vielleicht aber nur durch Berührung, nicht aber durch Tragen, wie dies auch beim Kriechtiere der Fall ist!? R. Bebaj b. Abajje erwiderte: Hinsichtlich der Berührung ist kein Schriftvers nötig, denn er ist nicht weniger als der Samenerguß, nötig ist der Schriftvers nur wegen des Tragens. –
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.