Nidda — Blatt 56a

1der aus einer unreinen Stelle kommt. Aber vom Blute, das aus der Öffnung des Gliedes kommt, ist [das Entgegengesetzte] zu beweisen: es kommt aus einer unreinen Stelle und ist rein. Somit soll es dich auch nicht wundern, wenn dieser, obgleich er aus einer unreinen Stelle kommt, rein ist. Daher heißt es: sein Fluß ist unrein, und dies, dies schließt seinen Urin hinsichtlich der Unreinheit ein. –

2Woher, daß das aus der Öffnung des Gliedes kommende Blut rein ist? – Es wird gelehrt: Man könnte glauben, das aus seinem Munde und das aus der Öffnung seines Gliedes kommende Blut sei unrein, so heißt es: sein Fluß ist unrein, dieser ist unrein, nicht aber ist das aus seinem Munde und das aus der Öffnung seines Gliedes kommende Blut unrein, sondern rein. –

3Vielleicht umgekehrt!? R. Joḥanan erwiderte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Gleich dem Speichel: wie der Speichel strahlenartigherauskommt, ebenso alles, was strahlenartig herauskommt, ausgenommen das Blut, das nicht strahlenartig herauskommt. –

4Auch Frauenmilch kommt ja strahlenartig heraus, dennoch sagte der Meister, Frauenmilch sei als Flüssigkeit verunreinigend; nur als Flüssigkeit verunreinigend, nicht aber schwer verunreinigend!?

5Vielmehr, erwiderte B. Joḥanan im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj, gleich dem Speichel: wie der Speichel strahlenartig herauskommt und wieder aufgesogenewird, ebenso alles andere, was strahlenartig herauskommt und wieder aufgesogen wird, ausgenommen das Blut, das nicht strahlenartig herauskommt, und ausgenommen die Frauenmilch, die, wenn sie auch strahlenartig herauskommt, nicht wieder aufgesogen wird. –

6Sollte es doch vom Flusse gefolgert werden: wie der Fluß nicht strahlenartig herauskommt, und verunreinigend ist, ebenso alles andere!? Raba erwiderte: Vom Flusse ist nicht zu folgern, denn er voranlaßt Unreinheit für andere.

7DAS KRIECHTIER. Reš Laqiš sagte: Wenn ein Kriechtier eingetrocknet und sein Gerippe erhalten ist, so ist es unrein. – Wir haben ja aber gelernt, sie verunreinigen feucht und verunreinigen nicht trocken!? R. Zera erwiderte: Das ist kein Einwand; eines gilt von einem ganzen und eines gilt von einem Teile.

8Es wird nämlich gelehrt: R. Jiçḥaq b. Bisna sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj:An ihnen, man könnte glauben, nur an ganzen, so heißt es:von ihnen;

9wenn von ihnen, so könnte man glauben, auch an einem Teile, so heißt es an ihnen. Wie ist dies zu erklären? Eines, wenn feucht, und eines, wenn vertrocknet.

10Raba sagte: Die Kröten von Maḥoza sind, wenn das Gerippe erhalten ist, unrein. Ferner sagte Reš Laqiš: Wenn ein Kriechtier verbrannt und sein Gerippe erhalten ist, so ist es unrein.

11Man wandte ein: Findet man auf den Oliven ein verbranntes Kriechtier, desgleichen einen zerfetzten Lappen, so sind sie rein, weil man sich bei allen Unreinheiten nach der Zeit ihrer Auffindung richte!? R. Zera erwiderte: Das ist kein Einwand; eines gilt von einem ganzen und eines gilt von einem Teile.

12Es wird nämlich gelehrt: R. Jiçḥaq b. Bisna sagte im Namen des R. Šimo͑n b. Joḥaj: Man könnte glauben, nur an ganzen, so heißt es von ihnen;

13wenn von ihnen, so könnte man glauben, auch an einem Teile, so heißt es an ihnen. Wie ist dies zu erklären? Eines, wenn verbrannt, und eines, wenn nicht verbrannt.

14SIE VERUNREINIGEN FEUCHT. Sein Fluß, denn es heißt:von seinem Fleische fließt. Sein Schleim, sein Geifer und sein Speichel, denn es heißt:wenn der Flußbehaftete ausspuckt, wie der Speichel.

15Das Kriechtier, denn der Allbarmherzige sagt:wenn sie verendet sind wie beim Verenden. Der Samenerguß, der zum Sämen geeignet ist. Das Aas, denn es heißt:wenn verenden wird, wie beim Verenden.

16KANN MAN SIE ABER EINWEICHEN. R. Jirmeja fragte: Von Anfang bis Ende warm, oder nur von Anfang, auch wenn es später nicht mehr [warm] ist? –

17Komm und höre: Es wird gelehrt: Wie lange darf das Aufweichen in warmem Wasser dauern? – Jehuda b. Naqosa sagt, einen Stundentag, am Anfang, auch wenn nicht am Ende. R. Šimo͑n b. Gamliél sagt, es müsse von Anfang bis Ende warm sein.

18R. JOSE SAGT, [VENTROCKNETES] FLEISCH VON EINEM TOTEN &C. Šemuél sagte: Es ist insofern rein, als es in Olivengröße nicht unrein macht, wohl aber macht es als Moderunrein. Ebenso wird auch gelehrt: R. Jose sagte: Vertrocknetes Fleisch von einem Toten, das nicht mehr aufgeweicht und in seinen früheren Zustand gebracht werden kann, ist nicht in Olivengröße verunreinigend, wohl aber ist es als Moder verunreinigend.

19DAS IN EINER DURCHGANGSGASSE GEFUNDENE KRIECHTIER IST RÜCKWIRKEND VERUNREINIGEND, ES SEI DENN, ER SAGT, ER HABE DIE GANZE DURCHGANGSGASSE UNTERSUCHT, UND DA WAR KEIN KRIECHTIER, ODER BIS ZUM [LETZTEN] FEGEN.

20EBENSO IST EIN BLUTFLECK, DER AN EINEM HEMDE GEFUNDEN WIRD, RÜCKWIRKEND UNREIN, ES SEI DENN, ER SAGT, ER HABE DAS HEMD UNTERSUCHT, UND ES WAR DARAN KEIN BLUTFLECK, ODER BIS ZUR [LETZTEN] WÄSCHE.

21ES VERUNREINIGT FEUCHT UND TROCKEN. R. ŠIMO͑N SAGT, TROCKEN VERUNREINIGE ES RÜCKWIRKEND, FEUCHT VERUNREINIGE ES NUR VON DER ZEIT AN, VON DER HER ES NOCH FEUCHT SEIN KANN.

22GEMARA. Sie fragten: Befindet sich [die Durchgangsgasse] bis zum [letzten] Fegen in der Annahme, untersucht worden zu sein, oder in der Annahme, gefegt worden zu sein? –

23In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Wenn er sagt: gefegt und nicht untersucht. Wenn du sagst, in der Annahme, untersucht worden zu sein, so hat er sie ja nicht untersucht, und wenn du sagst, in der Annahme, gefegt worden zu sein, so hat er sie ja gefegt,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.