Nidda — Blatt 56b
1oder auch, wenn es in einer Spalte gefunden wird. Wenn du sagst, in der Annahme, untersucht worden zu sein, so untersuchte, der sie untersucht hat, auch die Spalte, und wenn du sagst, in der Annahme, gefegt worden zu sein, die Spalte aber wird nicht mitgefegt.
2EBENSO IST EIN BLUTFLECK &C. Sie fragten: Befindet sich [das Hemd] bis zur [letzten] Wäsche in der Annahme, untersucht worden zu sein, oder in der Annahme, gewaschen worden zu sein? –
3In welcher Hinsicht ist dies von Bedeutung? – Wenn er sagt: gewaschen und nicht untersucht. Wenn du sagst, in der Annahme, untersucht worden zu sein, so hat er es ja nicht untersucht, und wenn du sagst, in der Annahme, gewaschen worden zu sein, so hat er es ja gewaschen.
4Oder auch, wenn er sich an einer Seitenfalte befindet. Wenn du sagst, in der Annahme, untersucht worden zu sein, so untersuchte, der es untersucht hat, auch die Seitenfalte, und wenn du sagst, in der Annahme, gewaschen worden zu sein, so wird [der Fleck] in der Seitenfalte nicht mitgewaschen.
5Wie ist es nun? – Komm und höre: Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Sie sagten deshalb, das in einer Durchgangsgasse gefundene Kriechtier mache rückwirkend unrein, es sei denn, er sagt, er habe diese Durchgangsgasse untersucht, und da war kein Kriechtier, oder bis zum [letzten] Fegen, weil es als feststehend gilt, daß die Jisraéliten beim Fegen die Durchgangsgassen untersuchen, und wenn sie nicht untersucht haben, haben sie sie rückwirkend geschädigt.
6Und sie sagten deshalb, ein an einem Hemde befindlicher Blutfleck mache es rückwirkend unrein, es sei denn, er sagt, er habe das Hemd untersucht, und da war kein Blutfleck, oder bis zur [letzten] Wäsche, weil es als feststehend gilt, daß die Töchter Jisraéls ihre Hemden beim Waschen untersuchen, und wenn sie es nicht untersucht haben, haben sie es rückwirkend geschädigt.
7R. Aḥa sagte: Sie wasche es abermals; verblaßt das Aussehen, so ist es ersichtlich, daß er [aus der Zeit] nach dem Waschen ist, wenn aber nicht, so ist es ersichtlich, das er [aus der Zeit] vor dem Waschen ist
8Rabbi sagte: Der Blutfleck nach dem Waschen gleicht nicht dem Blutflecke vor dem Waschen; dieser ist eingedrungen, jener ist angetrocknet. Hieraus ist also zu entnehmen, daß es sich in der Annahme, untersucht worden zu sein, befindet. Schließe hieraus.
9ES VERUNREINIGT FEUCHT &C. R. Elea͑zar sagte: Sie lehrten es nur vom Kriechtiere, ein Blutfleck aber macht auch feucht rückwirkend unrein, denn es ist möglich, daß er trocken war und Wasser darauf gekommen ist. –
10Auch beim Kriechtiere ist es ja möglich, daß es trocken war und Wasser darauf gekommen ist!? – Wenn dem so wäre, so würde es zerfallen sein.
11ALLE BLUTFLECKE, DIE AUS REQEMKOMMEN, SIND REIN, NACH R. JEHUDA ABER UNREIN, WEIL SIEIRRENDE PROSELYTEN SIND. DIE AUS DER MITTE VON NICHTJUDEN KOMMEN, SIND REIN; AUS DER MITTE VON JISRAÉLITEN UND VON SAMARITANERN SIND SIE NACH R. MEÍR UNREIN, UND NACH DEN WEISEN REIN, WEIL SIE INBETREFF IHRER BLUTFLECKE NICHT VERDÄCHTIG SIND.
12GEMARA. Er lehrt dies allgemein, auch wenn sie aus Tarmudkommen. R. Joḥanan sagte: Dies besagt, daß man Proselyten aus Tarmud aufnehme. –
13Dem ist ja aber nicht so, R. Joḥanan und Sabja sagten ja beide, daß man keine Proselyten aus Tarmud aufnehme!?
14Wolltest du sagen, ‘dies besagt’, er sei aber nicht dieser Ansicht, so sagte ja R. Joḥanan, die Halakha sei wie die anonvme Mišna!? –
15Amoräer streiten über die Ansicht R. Joḥanans.
16AUS DER MITTE VON JISRAÉLITEN &C. Welche sind nach den Rabbanan unrein, wenn solche von Jisraéliten rein sind!? –
17Die Lehre ist lückenhaft und muß wie folgt lauten: aus der Mitte von Jisraéliten sind sie unrein, von Samaritanern sind sie nach R. Meír unrein, denn die Samaritaner sind wahrhafte Proselyten und nach den Weisen rein, denn die Samaritaner sind Löwenproselyten. –
18Wieso [begründet er] demnach: weil sie inbetreff ihrer Blutflecke nicht verdächtig sind, er sollte doch begründen: weil sie Löwenproselyten sind!? –
19Vielmehr, er meint es wie folgt: aus der Mitte von Jisraéliten und von Samaritanern sind sie unrein, weil die Samaritaner wahrhafte Proselyten sind; die in jisraélitischen Städten gefundenwerden, sind rein, weil sie inbetreff ihrer Blutflecke nicht verdächtig sind, denn sie verstecken sie;
20die in samaritanischen Städten gefunden werden, sind nach R. Meír unrein, weil sie inbetreff ihrer Blutflecke verdächtig sind, und nach den Weisen rein, weil sie inbetreff ihrer Blutflecke nicht verdächtig sind.
21ALLE BLUTFLECKE, DIE IRGENDWOGEFUNDEN WERDEN, SIND REIN, AUSGENOMMEN DIE IN KAMMERNODER IN DER UMGEBUNG VON UNREINEN RÄUMENGEFUNDEN WERDEN.
22DIE UNREINEN RÄUME DER SAMARITANER VERUNREINIGEN DURCH BEZELTUNG, WEIL SIE DA IHRE FEHLGEBURTEN BEGRABEN. R. JEHUDA SAGT, SIE BEGRABEN SOLCHE ÜBERHAUPT NICHT, VIELMEHR WERFEN SIE WEG UND LASSEN SIE VON EINEM TIERE FORTSCHLEPPEN.
23SIE SIND GLAUBWÜRDIG, WENN SIE SAGEN: WIR HABEN DA FEHLGEBURTEN BEGRABEN, ODER: WIR HABEN DA KEINE BEGRABEN. SIE SIND GLAUBWÜRDIG, WENN SIE VON EINEM VIEH SAGEN: ES HAT BEREITS ERSTGEBOREN, ODER: ES HAT NOCH NICHT ERSTGEBOREN.
24SIE SIND GLAUBWÜRDIG ÜBER GRÄBERZEICHEN [ZU BEKUNDEN], SIE SIND ABER NICHT GLAUBWÜRDIG BEI ÜBERHÄNGENDEN ZWEIGEN UND MAUERVORSPRÜNGEN, AUCH NICHT BEI EINEM GRÄBERPFLUGE.
25DIE REGEL HIERBEI IST: BEI EINER SACHE, HINSICHTLICH WELCHER SIE VERDÄCHTIG SIND, SIND SIE NICHT GLAUBWÜRDIG.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.