Nidda — Blatt 59b
1WENN EINE FRAU IHRE [KLEINE] NOTDURFT VERRICHTET UND BLUT WAHRGENOMMEN HAT, SO IST SIE, WIE R. MEÍR SAGT, WENN STEHEND, UNREIN, UND WENN SITZEND, REIN; R. JOSE SAGT, OB SO ODER SO REIN.
2WENN EIN MANN UND EIN WEIB IHRE [KLEINE] NOTDURFT IN EIN BECKEN VERRICHTET HABEN UND BLUT SICH AUF DEM WASSER BEFINDET, SO IST ES NACH R. JOSE REIN, NACH R. ŠIMO͑N ABER UNREIN, WEIL EIN MANN KEIN BLUT ZU LASSEN PFLEGT, VIELMEHR BESTEHT DIE ANNAHME, DASS DAS BLUT VOM WEIBE KOMMT.
3GEMARA. Wenn stehend, wohl deshalb, weil wir sagen, der Urin sei zur Quelle zurückgekehrt und Blut mitgekommen, somit sollte man doch, auch wenn sitzend, sagen, der Urin sei zur Quelle zurückgekehrt und Blut mitgekommen!?
4Šemuél erwiderte: Wenn sie den Strahl frei laufen ließ. – Auch wenn sie strahlt, kann ja, wenn das Wasser zuende ist, Blut kommen!?
5R. Abba erwiderte: Wenn sie am Rande des Beckens sitzend den Strahl in das Becken ließ; wollte man annehmen, nachdem der Urin zuende war, sei das Blut gekommen, so müßte es sich am Rande des Beckens befinden.
6Šemuél, manche sagten, R. Jehuda im Namen Šemuéls, sagte: Die Halakha ist wie R. Jose. Ebenso entschied R. Abba dem Qala, die Halakha sei wie R. Jose.
7EIN MANN UND EIN WEIB &C. Sie fragten: Welcher Ansicht ist R. Meír in dem Falle, wenn es beim Manne und beim Weibe stehend erfolgt ist?
8Sagt es R. Meír nur bei einem Zweifel und nicht bei einem doppelten Zweifel, oder gibt es hierbei keinen Unterschied.
9Reš Laqiš erwiderte: Es ist einerlei. – Woher dies? – Weil er nicht lehrt: nach R. Meír und R. Jose rein. –
10Wenn es nach R. Meír bei einem doppelten Zweifel unrein ist, so ist es ja bei einem Zweifel selbstverständlich!? – Um die Ansicht R. Joses hervorzuheben, daß es nach ihm auch bei einem Zweifel rein ist. –
11Weshalb streiten sie über einen Zweifel, um die Ansicht R. Joses hervorzuheben, sollten sie doch über einen doppelten Zweifel streiten, um die Ansicht R. Meírs hervorzuheben!? – Die erlaubende Ansicht ist bedeutender.
12R. Joḥanan aber sagte: R. Meír sagt es nur bei einem Zweifel, nicht aber sagt er es bei einem doppelten Zweifel. – Demnach sollte er doch lehren: nach R. Meír und R. Jose rein!? – Dem ist auch so, da er aber mit R. Jose schließt, beginnt er auch mit R. Jose. –
13Wenn es nach R. Jose bei einem Zweifel rein ist, um wieviel mehr bei einem doppelten Zweifel!? – Man könnte glauben, nur wenn es bereits erfolgt ist, nicht aber von vornherein, so lehrt er uns.
14Es gibt eine Lehre übereinstimmend mit R. Joḥanan: Wenn ein Mann und ein Weib ihre [kleine] Notdurft in ein Becken verrichtet haben und Blut sich auf dem Wasser befindet, so ist es nach R. Meír und R. Jose rein und nach R. Šimo͑n unrein.
15Sie fragten: Welcher Ansicht ist R. Šimo͑n in dem Falle, wenn das Weib gesessen hat: sagt es R. Šimo͑n nur von dem Falle, wenn stehend, sie sich also nicht mehr enthalten konnte, nicht aber, wenn sitzend, oder gibt es hierbei keinen Unterschied?
16Komm und höre, es wird gelehrt: Wenn sitzend, so führe sie es daraufzurück, wenn stehend, so führe sie es nicht darauf zurück – so R. Meír. R. Jose sagt, ob so oder so führe sie es darauf zurück. R. Šimo͑n sagt, ob so oder so führe sie es nicht darauf zurück.
17Sie fragten: Welcher Ansicht ist R. Šimo͑n in dem Falle, wenn der Mann und das Weib gesessen haben: sagt es R. Šimo͑n nur von dem Falle, wenn stehend, sie sich also nicht mehr enthalten konnte, und wenn sitzend, bei einem Zweifel, nicht aber sagt er es bei einem doppelten Zweifel, oder gibt es hierbei keinen Unterschied? –
18Komm und höre: da R. Šimo͑n sagt, es bestehe die Annahme, daß das Blut vom Weibe kommt, so ist es einerlei, ob stehend oder sitzend.
19HATTE SIE IHR HEMD EINER NICHTJÜDIN ODER EINER MEINSTRUIERENDEN GELIEHEN, SO FÜHRE SIE [DEN BLUTFLECK] DARAUF ZURÜCK.
20WENN DREI WEIBER EIN HEMD ANHATTEN ODER AUF EINER BANK SASSEN, UND BLUT DARAN GEFUNDEN WIRD, SO SIND SIE ALLE UNREIN.
21SASSEN SIE AUF EINER STEINERNEN BANK ODER AUF DEM VORSPRUNGEIM BADEHAUSE, SO SIND SIE NACH R. NEḤEMJA REIN. R. NEḤEMJA SAGT NÄMLICH, WAS FÜR DIE UNREINHEIT NICHT EMPFÄNGLICH IST, SEI AUCH FÜR BLUTFLECKE NICHT EMPFÄNGLICH.
22GEMARA. Rabh sagte: Einer Nichtjüdin,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.