Nidda — Blatt 6b

1daß man sich in einem Notfalle nach ihm richte. Hierzu fragten wir: was heißt ‘nachdem er sich erinnert hatte’, wollte man sagen, nachdem er sich erinnert hatte, daß die Halakha nicht wie R. Elie͑zer sei, sondern wie die Rabbanan, wieso entschied er nach ihm in einem Notfalle!?

2Vielmehr, die Halakha wurde nicht wie dieser und nicht wie jene gelehrt, und nachdem er sich erinnert hatte, daß nicht ein einzelner, sondern eine Gesamtheit gegen ihn streite, sagte er, R. Elie͑zer sei würdig, daß man sich in einem Notfalle nach ihm richte.

3Erklärlich ist es, wenn du hinsichtlich der Hebe sagst, denn in den Tagen Rabbis gab es Hebe, aber gab es denn, wenn du hinsichtlich des Heiligen sagst, Heiliges in den TagenRabbis!? —

4Dies nach U͑la, denn U͑la sagte, die Genossen in Galiläa verwahren [Heiliges]in Reinheit, ebenso auch in den Tagen Rabbis. —

5Komm und höre: Einst buk eine Magd R. Gamliéls Brotlaibe von Hebe, und zwischen dem einen und dem anderen spülte sie sich jedesmal die Hände mit Wasser und untersuchte sich, und als sie sich beim letzten untersuchte, fand sie sich unrein. Hierauf kam sie zu R. Gamliél und befragte ihn, und er entschied, sie seien alle unrein. Sie sprach zu ihm: Meister, ich habe mich jedesmal zwischen dem einen und dem anderen untersucht! Da sprach er zu ihr: Wenn dem so ist, so ist der letzte unrein und alle anderen sind rein.

6Hier lehrt er also von Brotlaiben von Hebe!? — Unter Hebe ist die Hebe von den Dankopferbroten zu verstehen. — Was hat die Hebe von den Dankopferbrotenmit dem Backen zu tun!? —

7Wenn man sie vom Teige abgesondert hat. So sagte R. Ṭobi b. R. Qaṭṭina, wenn man die Dankopferbrote in vier Kuchen gebacken hat, habe man seiner Pflicht genügt, und auf unseren Einwand, es seien ja vierzig erforderlich, wurde erwidert, nur als Gebot.

8Aber die Hebe ist ja von diesenabzusondern!? Wolltest du sagen, man breche ein Stück von jedem ab, so sagt ja der Allbarmherzigeeines, er darf kein Bruchstück nehmen!? Wir erklärten, wenn er sie vom Teige abgesondert hat, ebenso auch hierbei, wenn man sie vom Teige abgesondert hat. —

9Komm und höre: Ferner ereignete es sich, daß eine Magd Rabbis Weinfässer verpichte, und zwischen dem einen und dem anderen spülte sie sich jedesmal die Hände mit Wasser und untersuchte sich, und als sie sich beim letzten untersuchte, fand sie sich unrein. Hierauf kam sie zu R. Gamliél und befragte ihn, und er entschied, sie seien alle unrein. Sie sprach zu ihm: Ich habe mich ja jedesmal zwischen dem einen und dem anderen untersucht! Da sprach er zu ihr: Wenn dem so ist, so ist das letzte unrein und alle anderen sind rein.

10Erklärlich ist es, wenn du sagst, in einem [Falle handelt es sich um] Heiliges und im anderen um Hebe, daß sie abermals fragte, wozu aber fragte sie zweimal, wenn du sagst, in beiden um Heiliges!? — Es ereignete sich mit zwei verschiedenen Mägden.

11Manche haben eine andere Lesart: R. Hona sagte: Die Menstruierende ist während des Stundentages [rückwirkend] unrein sowohl hinsichtlich des Heiligen als auch hinsichtlich der Hebe. Woher dies? — Weil er es nicht unter den Gradenmitzählt. R. Naḥman sprach: Ein Jünger lehrte aber: hinsichtlich des Heiligen und nicht hinsichtlich der Hebe.

12R. Šemuél b. R. Jiçḥaq erkannte dies an, und [erklärte] hinsichtlich des Profanen, das in Reinheit des Heiligen zubereitet wird, und nicht hinsichtlich des Profanen, das in Reinheit der Hebe zubereitet wird.

13Dort haben wir gelernt: Entsteht daranein Zweifel wegen Unreinheit, so darf er, wenn vor dem Rollen, in Unreinheitzubereitet werden, und wenn nach dem Rollen, so ist er in Reinheit zuzubereiten.

14Wenn vor dem Rollen, darf er in Unreinheit zubereitet werden, denn er ist Profanes, und man darf im Jisraéllande Profanes der Unreinheit aussetzen; wenn nach dem Rollen, so ist er in Reinheit herzurichten, denn Profanes, von dem die Teighebe noch zu entrichten ist, gleicht der Teighebe, und man darf die Teighebe nicht der Unreinheit aussetzen.

15Es wird gelehrt:

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.