Pessachim — Blatt 100a

1vielleicht ist sie korrupt!?

2Meremar, nach anderen R. Jemar, entgegnete ihm: Ich war einst beim Vortrage des R. Pinḥas, des Sohnes R. Amis, und als ein Jünger [diese Lehre] rezitierte, ließ er siegelten. – Demnach ist dies ja ein Einwand!? – Am richtigsten ist es vielmehr, wie R. Hona [erklärt hat]. –

3Stimmt es denn nach R. Hona, R. Jirmeja sagte ja im Namen R. Joḥanans, nach anderen R. Abahu im Namen des R. Jose b.R. Ḥanina, die Halakha sei bezüglich des Vorabends des Pesaḥfestes wie R. Jehuda und bezüglich des Vorabends des Šabbaths wie R. Jose; wenn nun bezüglich des Pesaḥfestes

4die Halakha wie R. Jehuda ist, wahrscheinlich streitet ja R. Jose bezüglich beider!? –

5Nein, die Halakha ist wie er, denn sie streiten über die Abbrechung.

6Es wird nämlich gelehrt: Man breche die Mahlzeit am Vorabend der Šabbathe ab – so R. Jehuda; R. Jose sagt, man unterbreche sie nicht.

7Einst saßen R. Šimo͑n b. Gamliél, R. Jehuda und R. Jose in A͑kko bei Tisch, und die Heiligkeit des Tages begann; da sprach R. Šimo͑n b.Gamliél zu R. Jose (Berabbi): Meister, ist es dir recht, daß wir abbrechen und die Ansicht unseres Genossen R. Jehuda berücksichtigen?

8Dieser erwiderte: Stets bevorzugtest du meine Ansicht vor der Ansicht R. Jehudas, und nun bevorzugst du in meiner Gegenwart die Ansicht R. Jehudas. Soll etwa gar der Königin bei mir im Hause Gewalt angetan werden!?

9Jener entgegnete: Demnach wollen wir nicht abbrechen, denn die Schüler könnten es sehen und so die Halakha für immer festsetzen. Man erzählt, daß sie von dort nicht eher wichen, als bis sie die Halakha wie R. Jose festsetzten.

10R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Die Halakha ist weder wie R. Jehuda noch wie R. Jose, vielmehr breite man eine Tischdecke aus und spreche den Weihsegen. – Dem ist ja aber nicht so, R. Taḥlipha b.Evdämi sagte ja im Namen Šemuéls, daß man wegen des

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.