Pessachim — Blatt 102b

1und wenn sie sie beendet haben, spreche man über den ersten Becher den Tischsegen und über den zweiten den Segen zur Weihe des Tages. – Weshalb denn, sollte man beide über einen Becher sprechen!?

2R. Hona erwiderte im Namen R. Šešeths: Man spricht nicht zwei Segenssprücheüber einen Becher. – Weshalb? R. Naḥman b.Jiçḥaq erwiderte: Weil man die Gebote nicht bündelweise ausübt. –

3Etwa nicht, es wird ja gelehrt: Wer am Šabbathausgang sein Haus betritt, spreche über einen Becher den Segen über den Wein, über das Licht und über die Wohlgerüche, und nachher spreche er den Unterscheidungssegen; hat er nur einen Becher, so lasse er ihn bis nach der Mahlzeit und nachher reihe er alle an!? – Anders ist es, wenn man keinen [zweiten] hat. –

4Aber Rabh sagte ja, daß, wenn ein Fest am Ausgang des Šabbaths beginnt, wo man ja [genügend Wein]hat, man ‘Wein, Weihsegen, Licht, Unterscheidungssegen’ [spreche]!? –

5Ich will dir sagen, da man den Zeitsegennicht spricht, so handelt es sich wohl um den siebenten Tag des Pesaḥfestes, wo man alles, was man hatte, verzehrt hat und nichts mehr hat. –

6Aber am ersten Festtage hat man ja [genügend Wein], dennoch [spricht man dann], wie Abajje sagt, ‘Wein, Weihsegen, Zeitsegen, Licht, Unterscheidungssegen’,

7und wie Raba sagt, ‘Wein, Weihsegen, Licht, Unterscheidungssegen, Zeitsegen’!? – Vielmehr, der Unterscheidungssegen und der Weihsegengehören zusammen, der Tischsegenaber und der Weihsegen sind zwei verschiedene Dinge.

8Der Text. Wenn ein Fest am Ausgang eines Šabbaths beginnt, so spreche man, wie Rabh sagt: Wein, Weihsegen, Licht, Unterscheidungssegen, wie Šemuél sagt: Wein, Licht, Unterscheidungssegen, Weihsegen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.