Pessachim — Blatt 103a

1wie Rabba sagt: Weihsegen, Licht, Wein, Unterscheidungssegen, wie Levi sagt: Wein, Unterscheidungssegen, Licht, Weihsegen, wie die Rabbanan sagen: Weihsegen, Wein, Licht, Unterscheidungssegen, wie Mar, der Sohn Rabanas, sagt: Licht, Weihsegen, Wein, Unterscheidungssegen, und wie Martha, im Namen R. Jehošua͑s sagt: Licht, Unterscheidungssegen, Wein, Weihsegen.

2Der Vater Šemuéls sandte an Rabbi: Möge uns der Meister die Reihenfolge der Segenssprüche lehren. Dieser ließ ihm erwidern : R. Jišma͑él b. R. Jose sagte im Namen seines Vaters und dieser im Namen des R. Jehošua͑ b. Ḥananja wie folgt: Licht, Unterscheidungssegen, Wein, Weihsegen.

3R. Ḥanina sagte: Ein Gleichnis, womit [die Reihenfolge] des R. Jehošua͑ b.Ḥananja zu vergleichen ist: wenn ein König fortgeht und ein Eparch ankommt, so begleitet man zuerst den König und nachher empfängt man den Eparchen. –

4Wie bleibt es damit? Abajje sagt: Wein, Weihsegen, Zeitsegen, Licht, Unterscheidungssegen; Raba sagt: Wein, Weihsegen, Licht, Unterscheidungssegen, Zeitsegen. Die Halakha ist wie Raba.

5R. Hona b. Jehuda war bei Raba eingekehrt, und als man ihnen Licht und Wohlgerüche brachte, sprach dieser zuerst den Segen über die Wohlgerüche und nachher über das Licht. Da sprach jener: Merke, die Schule Šammajs und die Schule Hillels [stimmen ja überein], daß man [den Segen] zuerst über das Licht und nachher über die Wohlgerüche spreche!? –

6Welches Bewenden hat es damit? – Wir haben gelernt: Die Schule Šammajs sagt: Licht, Speise, Wohlgerüche, Unterscheidungssegen; die Schule Hillels sagt: Licht, Wohlgerüche, Speise, Unterscheidungssegen.

7Da fuhr Raba fort: Das sind die Worte R. Meírs, R. Jehuda aber sagte: Die Schule Šammajs und die Schule Hillels sind einig, daß man den Segen über die Speise zuerst und den Unterscheidungssegen zuletzt spreche;

8sie streiten nur über das Licht und die Wohlgerüche: die Schule Šammajs sagt, zuerst über das Licht und nachher über die Wohlgerüche, und die Schule Hillels sagt, zuerst über die Wohlgerüche und nachher über das Licht. Hierzu sagte R. Joḥanan: Das Volk verfährt nach der Schule Hillels, und zwar nach der Ansicht R. Jehudas.

9Einst kehrte R. Ja͑qob b. Abba bei Raba ein, und als er sah, daß dieser über den ersten Becher den Segen ‘Der die Rebenfrucht erschafft’ und wiederum einen Segen über den Becher des Tischsegens sprach und ihn trank, sprach er zu ihm: Wozu dies, der Meister sprach ja bereits einmal den Segen!? Dieser erwiderte: Als wir beim Exilarchen waren, pflegten wir so zu verfahren.

10Jener entgegnete: Allerdings seid ihr beim Exilarchen so verfahren, weil ihr nicht wissen konntet, ob man euch einen zweiten Becher reichen werde oder nicht, hier aber steht ja der Becher vor uns, und wir rechneten auf ihn!? Dieser erwiderte: Ich verfahre nach den Schülern Rabhs. R. Beruna und R. Ḥenanél, Schüler Rabhs, saßen einst bei Tisch

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.