Pessachim — Blatt 107a

1Raba sagte : Die Halakha ist: wer etwas gekostet hat, darf den Weihsegen sprechen, wer etwas gekostet hat, darf den Unterscheidungssegen sprechen. Wer den Weihsegen am Vorabend nicht gesprochen hat, spreche ihn während des ganzen Tages bis zum Šabbathausgang; wer den Unterscheidungssegen am Šabbathausgang nicht gesprochen hat, spreche ihn während der ganzen Woche.

2Amemar trug die Lehre Rabas in folgender Fassung vor: Raba sagte: Die Halakha ist: wer etwas gekostet hat, darf den Weihsegen sprechen, wer etwas gekostet hat, darf den Unterscheidungssegen sprechen. Wer den Weihsegen am Vorabend nicht gesprochen hat, spreche ihn während des ganzen Tages, wer den Unterscheidungssegen am Šabbathausgang nicht gesprochen hat, spreche ihn während des ganzen Tages.

3Mar Januqa und Mar Qašiša, die Söhne R. Ḥisdas, erzählten R. Aši: Einst kehrte Rabin in unserer Ortschaft ein, und da wir keinen Wein hatten, brachten wir ihm Met; er aber sprach darüber nicht den Unterscheidungssegen und übernachtete nüchtern. Am folgenden Tage bemühten wir uns und besorgten ihm Wein; da sprach er den Unterscheidungssegen und aß etwas. Ein Jahr darauf kehrte er abermals in unserer Ortschaft ein, und da wir keinen Wein hatten, besorgten wir ihm Met. Da sprach er: Demnach ist dies Landestrunk. Hierauf sprach er darüber den Unterscheidungssegen und aß etwas.

4Hieraus ist dreierlei zu entnehmen: es ist zu entnehmen, daß, obgleich man den Unterscheidungssegen im Gebete gesprochen hat, man ihn auch über den Becher sprechen müsse; es ist zu entnehmen, daß man nichts essen dürfe, bevor man den Unterscheidungssegen gesprochen hat; und es ist zu entnehmen, daß, wenn man den Unterscheidungssegen am Šabbathausgang nicht gesprochen hat, man ihn während der ganzen Woche spreche.

5R. Hona fragte R. Ḥisda: Darf man den Weihsegen über Met sprechen? Dieser erwiderte: Ich fragte Rabh, Rabh den R. Ḥija, R. Ḥija den Rabbi inbetreff des Gerstentrankes, des Feigentrankes und des Maulbeertrankes, und dieser entschied es nicht, um wieviel weniger über Met,

6Er glaubte hieraus zu entnehmen, daß man darüber nur den Weihsegen nicht sprechen dürfe, wohl aber den Unterscheidungssegen, da sprach R. Ḥisda: Folgendes sagte Rabh: wie man darüber den Weihsegen nicht sprechen darf, ebenso darf man darüber den Unterscheidungssegen nicht sprechen. Ebenso wird gelehrt: R. Taḥlipha b.Abimi sagte im Namen Šemuéls: Wie man darüber den Weihsegen nicht sprechen darf, ebenso darf man darüber den Unterscheidungssegen nicht sprechen.

7Levi sandte an Rabbi Met aus dreizehn Mischungen, der sehr schmackhaft war. Da sprach er: Ein solcher ist wert, daß man darüber den Weihsegen und alle Lieder und Lobpreisungen der Welt spreche. Als er aber nachts davon Leibschmerzen bekam, sprach er: Er straft, aber er befriedigt auch.

8R. Joseph sagte: Ich will öffentlich geloben, keinen Met zu trinken. Raba sagte: Lieber trinke ich Flachsspülicht, nur keinen Met.

9Ferner sagte Raba: Wer über Met den Weihsegen spricht, dessen Getränk soll Met sein. R. Hona bemerkte, wie Rabh den Weihsegen über Met sprach, da sprach er zu ihm: Abba hat wohl begonnen, sein Gewerbemit Met zu betreiben.

10Die Rabbanan lehrten: Man spreche den Weihsegen nur über Wein, und man spreche den Segen nur über Wein. – Spricht man etwa auch über Met und Wasser nicht den Segen ‘Alles entsteht durch sein Wort’!? Abajje erwiderte: Er meint es wie folgt: man spreche (: Gib her den Becher für) den Tischsegen, nur über Wein. Die Rabbanan lehrten: Man spreche den Weihsegen nicht über Met; im Namen des R. Elea͑zar b. R. Šimo͑n sagten sie, man spreche ihn wohl.

11Zum Kostengenügt irgend wieviel. R. Jose b. R. Jehuda sagt, ein Mundvoll. R. Hona sagte im Namen Rabhs, und ebenso lehrte R. Gidel aus Nereš: Wer den Weihsegen spricht und einen Mundvoll kostet, genügt seiner Pflicht, sonst aber nicht.

12R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Ich lehrte es, aber weder [im Namen] des Gidel b. Menasja, noch des Gidel b. Minjomi, sondern schlechthin Gidel. – Was kommt darauf an!? –Wenn er sich etwa in einem Widerspruche befinden sollte.

13KURZ VOR DEM VESPERGEBETE. Sie fragten: Haben wir es vom großen Vespergebete gelernt, oder haben wir es vom kleinen Vespergebete gelernt?

14Haben wir es vom großen Vespergebete gelernt, wegen des Pesaḥopfers, weil man [die Mahlzeit] ausdehnen

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.