Pessachim — Blatt 107b
1und die Herrichtung des Pesaḥopfers unterlassen könnte, oder haben wir es vom kleinen Vespergebete gelernt, wegen des Ungesäuerten, weil man es übersättigtessen würde?
2Rabina erwiderte: Komm und höre: Selbst König Agrippa, der in der neunten Stunde zu speisen pflegte, durfte an diesem Tage vor Dunkelheit nicht essen. Erklärlich ist die Großtat Agrippas,
3wenn du sagst, wir haben es vom kleinen Vespergebetegelernt, worin aber liegt die Großtat Agrippas, wenn du sagst, wir haben es vom großen Vespergebete gelernt, das Verbot [des Essens] war ja bereits eingetreten!? –
4Worin bestand die Großtat Agrippas, auch wenn du vom kleinen Vespergebete sagst, die Zeit des Verbotes reichte ja bereits heran!? – Man könnte glauben, die neunte Stunde sei für Agrippa, was die vierte für uns, so lehrt er uns.
5R. Jose sagte: Jedoch darf man Leckereien eintauchen und essen. R. Jiçḥaq pflegte Grünkraut einzutauchen. Ebenso wird gelehrt: Der Tischdiener darf vom Geschlingeeintauchen und den Gästen vorsetzen.
6Und obgleich es dafürkeinen direkten Beweis gibt, so gibt es eine Andeutung, denn es heißt : brecht euch einen Neubruch und säet nicht in Dornen hinein.
7Raba pflegte am ganzen Vorabend des Pesaḥfestes Wein zu trinken, damit er Appetit bekomme und abends den Geschmack des Ungesäuerten empfinde. Raba sagte: Woher entnehme ich es, daß der Wein Appetit mache? Wir haben gelernt:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.