Pessachim — Blatt 110b
1verfliegen mögen eure Gewürze, und der Wind trage den frischen Safran fort, den ihr haltet, ihr zauberischen Weiber! Solange man mir gnädig und ich vorsichtig war, kam ich nicht in euere Mitte; jetzt bin ich in euere Mitte gekommen, und man ist mir nicht hold, doch bin ich vorsichtig.
2Im Westen achten sie nicht auf [die Gefahr der] Paare. R. Dimi aus Nehardea͑ achtete sogar auf die Zeichenkerbe des Fasses. Einst ereignete es sich, daß ihm ein Faß platzte. Die Sache verhält sich so: wer darauf achtet, auf den achten sie, wer darauf nicht achtet, auf den achten sie nicht; jedoch ist es angebracht, darauf Rücksicht zu nehmen,
3Als R. Dimi kam, sagte er: Moše wurde esam Sinaj von zwei Eiern, zwei Nüssen, zwei Gurken und noch etwas überliefert, und da es den Weisen unbekannt war, was dieses ‘noch etwas’ sei, so haben sie bei allen Paaren mit Rücksicht auf dieses ‘noch etwas’ Verbot angeordnet.
4Das, was wir sagen: bei zehn, acht, sechs oder vier sei [die Gefahr der] Paare nicht zu befürchten, bezieht sich nur auf die Dämonengefahr, Zauberei aber ist auch bei einer großen Zahl zu befürchten.
5So geschah es einst, daß jemand sich von seiner Frau scheiden ließ und diese einen Krämer heiratete. Jeden Tag versuchte sie, wenn jener Wein trinken ging, ihn zu verhexen, jedoch gelang es ihr nicht, weil er hinsichtlich der Paare vorsichtig war.
6Eines Tages trank er viel und wußte nicht wieviel; bis zum sechzehnten [Becher] war er noch bei klarem Sinne und war vorsichtig, von diesem ab war er nicht mehr bei klarem Sinne und war nicht vorsichtig, und sie ließ ihn bei einer paarigen Zahl fortgehen. Als er ging, begegnete ihm ein Araber und sprach zu ihm: Hier geht ein toter Mann! Da klammerte er sich an eine Palme, worauf die Palme verdorrte und er barst.
7R. A͑wira sagte: Bei Schüsseln und Broten ist [die Gefahr der] Paare nicht zu befürchten. Die Regel hierbei ist: bei dem, was durch Menschenhände fertig wird, sind Paare nicht zu befürchten, bei dem, was durch den Himmelfertig wird, sind Paare (bei Speisen) zu befürchten.
8In einer Schänkesind Paare nicht zu befürchten. Überlegt mansich, so sind Paare nicht zu befürchten. Ein Gastbraucht Paare nicht zu befürchten. Eine Frau braucht Paare nicht zu befürchten; eine vornehme Frau hat sie jedoch zu befürchten.
9R. Ḥenana, Sohn des R. Jehošua͑, sagte: Der Spargeltrank wird nur zum Guten mitgezählt und nicht zum Bösen.
10Rabina sagte im Namen Rabas: Bei den Paaren verfahre man erschwerend, und wie manche sagen, er-leichternd. R. Joseph sagte: Zwei [Becher] Wein und ein [Becher] Met zählen nicht zusammen; zwei [Becher] Met und ein [Becher] Wein zählen zusammen.
11Als Merkzeichen [diene dir folgende Lehre] : Die Regel hierbei ist: ergänzt manvom Strengeren, so ist es verunreinigungsfähig, wenn vom Leichteren, so ist es rein.
12R. Naḥman sagte im Namen Rabhs: [Trinkt man] zwei vor Tisch und einen bei Tisch, so werden sie zusammengezählt, wenn aber einen vor Tisch und zwei bei Tisch, so werden sie nicht zusammengezählt.
13R. Mešaršeja wandte ein: Brauchen wir denn ein Mittel für den Tisch, wir brauchen ja ein Mittel für die Person, und diese hat es ja!?
14Vielmehr, sagte R. Mešaršeja, stimmen alle darin überein, daß zwei bei Tisch und einer nach Tisch nicht zusammengezählt werden, wegen jenes Ereignisses mit Rabba b. Naḥmani.
15R. Jehuda sagte im Namen Šemuéls: Alle Mischungen werden mitgezählt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.