Pessachim — Blatt 110a

1ein Gebot für sich ist. –

2Weshalb seine Bedürfnisse nicht zweimal, man hat sich ja erst später dazu entschlossen!? Abajje erwiderte: Er meint es wie folgt: Man darf nicht je zwei essen, zwei trinken und darauf seine Bedürfnisse verrichten, auch nicht einmal, da man schwach werden und Unglück habenkann.

3Die Rabbanan lehrten: Wer paarig trinkt, dem kommt sein Blut über sein eigenes Haupt. R. Jehuda sagte: Nur dann, wenn er [inzwischen] die Straße nicht angeschaut hat, wenn er aber die Straße angeschaut hat, darf er es. R. Aši erzählte: Ich sah, wie R. Ḥananja b. Bebaj bei jedem Becher hinausging und auf die Straße schaute.

4Auch gilt dies nur von dem Falle, wenn er sich auf den Weg begibt, nicht aber, wenn er zuhause bleibt. R. Zera sagte: Geht man schlafen, so ist es ebenso, als begebe man sich auf den Weg. R. Papa sagte: Geht man auf den Abort, so ist es ebenso, als begebe man sich auf den Weg. – Etwa nicht, wenn man zuhause bleibt, Raba zählte ja die Balken,

5und wenn Abajje einen Becher trank, hielt ihm seine Mutter zwei Becher in beiden Händen, und wenn R. Naḥman b. Jiçḥaq zwei Becher trank, hielt ihm sein Diener einen Becher, und wenn er einen Becher trank, hielt ihm dieser zwei Becher in beiden Händen!? – Anders ist es bei einem bedeutenden Manne.

6U͑la sagte: Bei zehn Bechern ist [die Gefahr der] Paare nicht zu befürchten. U͑la vertritt hierbei seine Ansicht. U͑la sagte nämlich, und wie manche sagen, wurde es in einer Barajtha gelehrt, daß die Weisen angeordnet haben, im Hause des Leidtragenden zehn Becher zu trinken ; wieso würden die Rabbanan, wenn du sagen wolltest, bei zehn Bechern sei [die Gefahr der] Paare zu befürchten, etwas angeordnet haben, wodurch man in Gefahr geraten kann!? Bei acht aber ist [die Gefahr der] Paare zu befürchten.

7R. Ḥisda und Rabba b. R. Hona sagten beide : ‘Friede’zählt zum Guten mit und nicht zum Bösen. Bei sechs ist [die Gefahr der] Paare wohl zu befürchten.

8Rabba und R. Joseph sagten beide: ‘Gnadenverleihung’zählt zum Guten mit und nicht zum Bösen. Bei vier ist [die Gefahr der] Paare zu befürchten.

9Abajje und Raba sagten beide: ‘Bewachung’ zählt zum Guten mit und nicht zum Bösen.

10Raba vertritt hierbei seine Ansicht, denn Raba pflegte die Jünger auch [beim Trinken] von vier Bechern zu entlassen. Und obgleich Raba b. Levaj einst zu Schaden kam, beachtete er dies nicht, denn er sagte, dies geschah deswegen, weil er ihn beim Vortrage zu widerlegen pflegte.

11R. Joseph sagte: Der Dämon Joseph sagte mir, Ašmodaj, der König der Dämonen, sei über die Paare gesetzt, und ein König ist kein Übeltäter. Manche erklären es entgegengesetzt: Ein König macht, was er will; ein König reißt Zäune nieder, ohne daß jemand es ihm wehrt.

12R. Papa sagte: Der Dämon Joseph sagte mir: Bei zwei töten wir; bei vier töten wir nicht, sondern bringen nur zu Schaden. Bei zwei, ob fahrlässig oder absichtlich; bei vier, nur wenn absichtlich, jedoch nicht, wenn fahrlässig. –

13Was tue man, wenn man vergessen hat und hinausgegangen ist? Man nehme den Daumen der rechten Hand in die linke und den Daumen der linken Hand in die rechte und spreche wie folgt: Ihr und ich sind drei. Wenn man aber sagen hört: ihr und ich sind vier, so spreche man zu ihm: Ihr und ich sind fünf. Wenn man aber sagen hört: ihr und ich sind sechs, so spreche man zu ihm: Ihr und ich sind sieben. Einst ereignete sich ein solcher Fall bis hundertundeins, und der Dämon barst.

14Amemar sagte: Die Oberin der Zauberfrauen sagte mir: Wenn man Zauberfrauen begegnet, so spreche man wie folgt: Heißer Kot in durchlöcherten Körben euerem Munde, ihr zauberischen Weiber! Euere Glatze möge noch kahler werden und euere Brotkrumen fortgeweht;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.