Pessachim — Blatt 112a
1Wer sich zur Ader läßt und die Hände nicht wäscht, fürchtet sieben Tage. Wer sich das Haar schneidet und die Hände nicht wäscht, fürchtet drei Tage. Wer sich die Nägel schneidet und die Hände nicht wäscht, fürchtet einen Tag, ohne zu wissen, weshalb er sich fürchtet. Die Hand auf dem Munde ist eine Leiter zur Ängstigung. Die Hand auf der Stirn ist eine Leiter zum Schlafe.
2Es wird gelehrt: Auf Speisen und Getränken, die sich unter dem Bette befinden, selbst in einem eisernen Gefäße eingeschlossen, ruht ein böser Geist. Die Rabbanan lehrten: In den Nächten des Mittwochs und Šabbaths darf man kein Wasser trinken, wegen der Gefahr; hat man getrunken, so kommt sein Blut über sein eigenes Haupt. – Wegen welcher Gefahr? – Eines bösen Geistes. –
3Was mache man, wenn man Durst hat? – Man spreche die sieben ‘Stimmen’, die David über das Wasser gesprochen hat, und trinke nachher. Denn es heißt:Die Stimme des Herrn [erschallt] über dem Wasser; der Gott der Herrlichkeit donnert über großen Wassern. Die Stimme des Herrn [erschallt] mit Macht, die Stimme des Herrn [erschallt] mit Majestät. Die Stimme des Herrn zerschmettert Zedern, der Herr zerschmettert die Zedern des Lebanon. Die Stimme des Herrn spaltet Feuerflammen. Die Stimme des Herrn macht die Wüste erzittern, der Herr macht erzittern die Wüste Qadeš. Die Stimme des Herrn macht Hirschkühe kreißen und schält die Wälder ab; und in seinem Pafoste ruft alles: Herrlichkeit.
4Wenn nicht dies, so spreche man wie folgt: Lui, Šaphan, Anigron und Anirdaphon, ich sitze zwischen den Sternen, ich wandle zwischen Mageren und Fetten. Wenn nicht dies, so wecke man jemand, falls jemand anwesend ist, und spreche zu ihm: N., Sohn der N., ich habe Durst. Alsdann trinke man. Wenn nicht dies, klappere man mit dem Deckel auf die Mündung des Kruges und trinke dann. Wenn nicht dies, werfe man etwas hinein und trinke dann.
5Die Rabbanan lehrten: Man darf nachts kein Wasser aus Flüssen und Teichen trinken; hat man getrunken, so kommt sein Blut über sein eigenes Haupt, wegen der Gefahr. – Wegen welcher Gefahr? – Wegen der Gefahr der Blendung. – Was mache man, wenn man Durst hat? – Ist jemand anwesend, so spreche man: N., Sohn der N., ich habe Durst. Wenn aber nicht, so spreche man zu sich selbst: Meine Mutter sagte mir: Hüte dich vor Blendung (Šabriri); ŠABRIRI, BRIRI, RIRI, IRI, RI; (ich habe Durst,) in weißen Bechern.
6SELBST AUS DER ARMENSCHÜSSEL. Selbstverständlich!? –
7Dies ist nach R. A͑qiba nötig, welcher sagt, man mache lieber den Šabbath alltäglich, nur nicht der Mitmenschen bedürftig sein; hier pflichtet er bei, wegen der Bekanntmachung des Wunders.
8In der Schule des Elijahu wurde gelehrt: Obgleich R. A͑qiba gesagt hat, man mache lieber den Šabbath all-täglich, nur nicht der Mitmenschen bedürftig sein, dennoch besorge man in seinem Hause eine Kleinigkeit. – Was ist dies? R. Papa erwiderte: Eine Fischspeise. So haben wir gelernt: R. Jehuda b. Tema sagte: Sei mutig wie ein Leopard, behend wie ein Adler, laufe wie ein Hirsch und sei kühn wie ein Löwe, den Willen deines Herrn im Himmel zu vollbringen.
9Die Rabbanan lehrten: Sieben Dinge gebot R. A͑qiba seinem Sohne R. Jehošua͑: Wohne nicht in der Höhe der Stadt, wegen des Studiums. Wohne nicht in einer Stadt, deren Führer Schriftgelehrtesind.
10Tritt nicht plötzlich in dein Haus ein, und um so weniger in das Haus deines Nächsten. Unterlasse es nicht, Schuhe auf deinen Füßen anzuhaben. Iß morgens ganz früh, im Sommer wegen der Hitze und im Winter wegen der Kälte. Mache deinen Šabbath alltäglich, nur nicht der Mitmenschen bedürftig sein. Schlage dich zu einem Menschen, dem die Stunde lächelt.
11R. Papa sagte: Nicht etwa, daß man mit ihm Geschäftemache, sondern daß man sich mit ihm assoziiere. Da aber R. Šemuél b. Jiçḥaq gesagt hat, der Schriftvers : seiner Hände Arbeit hast du gesegnet, deute darauf, daß, wer eine Peruṭa von Ijob erhielt, gesegnet wurde, ist es auch tunlich, mit ihm Geschäfte zu machen.
12Fünf Dinge gebot R. A͑qiba, als er im Gefängnis eingesperrt war, R. Šimo͑n b.Joḥaj. Dieser sprach nämlich zu ihm: Meister, lehre mich die Tora. Jener erwiderte: Ich lehredich nicht. Dieser sprach: Wenn du mich nicht lehrst, erzähle ich dies meinem Vater Joḥaj, und er liefert dich der Regierung aus. Jener erwiderte: Mein Sohn, mehr als das Kalb saugen will, will die Kuh säugen. Dieser sprach: Das Kalb ist es ja, das sich der Gefahr aussetzt.
13Hierauf sprach jener: Willst du dich aufhängen, so hänge dich an einen großen Baum. Wenn du deinen Sohn unterrichtest, unterrichte ihn aus einem korrekten Buche. – Weshalb dies? Raba, nach anderen R. Mešaršeja, erwiderte: Beim Beginn, denn ein Fehler, der sich einschleicht, bleibt bestehen.
14Koche nicht in einem Topfe, in dem dein Genösse gekocht hat. – Was heißt dies? – Eine Geschiedene bei Lebzeiten ihres Mannes heiraten. Der Meister sagte nämlich: Wenn ein Geschiedener eine Geschiedene heiratet, so sind vier Sinne im Bette. Wenn du willst sage ich, dies gelte auch von einer Witwe,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.