Pessachim — Blatt 112b

1denn nicht alle Fingersind gleich.

2Eine gottgefällige Handlung bei gesundem Körper ist es, wenn man von den Früchten genießt und kein Entgeltverlangt. Eine gottgefällige Handlung bei reinem Körper ist es, wenn man eine Frau nimmt, obgleich man Kinder hat.

3Vier Dinge gebot unser heiliger Meisterseinem Sohne : Wohne nicht in Šekançib, denn [die Leute] sind da Spötter und würden dich zur Spötterei verführen.

4Setze dich nicht auf das Lager einer Aramäerin. Manche erklären, man gehe nicht schlafen, ohne vorher das Šema͑ gelesen zu haben, manche erklären, man heirate keine Proselytin,

5und manche erklären, er meinte wirklich das Lager einer Aramäerin, wegen des Ereignissesmit R. Papa.

6Begehe keine Zollhinterziehung, denn man kann dich erwischen und dir alles abnehmen, was du besitzest. Stehe nicht vor einem Ochsen, wenn er von der Weide kommt, weil der Satan zwischen seinen Hörnern umherspringt. R. Šemuél sagte: Dies gilt von einem schwarzen Ochsen in den Tagen des Nisan.

7R. Oša͑ja lehrte: Man entferne sich von einem unschädlichen Ochsen fünfzig Ellen und von einem stößigenso weit, als die Augen ihn erreichen.

8Im Namen R. Meírs wird gelehrt: Selbst wenn der Ochs den Kopf im Futterkorbe hält, steige aufs Dach und wirf die Leiter unter dir um. Rabh sagte: Das Anschreien eines Ochsen lautet hn, hn! das Anschreien eines Löwen lautet: zh, zh! das Anschreien eines Kamels lautet: da, da! die Interjektion der Schifferlautet: helna, heja, hella, hilluk, holja!

9Abajje sagte: Haut, Fische, Fischspeise, heißes Wasser, Eier und weiße Läuse sind wegen jener Sacheschädlich. Haut, wenn man auf einer in Bearbeitung befindlichen Haut schläft. Fische, die Meerbutte in den Tagen des Nisan. Die Fischspeise, das Zurückbleibende der Fischspeise. Heißes Wasser, wenn man sich mit sehr heißem Wasser zu begießen pflegt. Eier, wenn man auf Eierschalen tritt. Weiße Läuse, wenn man sein Gewand wäscht und ohne acht Tage abzuwarten es wieder anzieht, so entstehen diese Läuse, die jene Sache herbeiführen.

10R. Papa sagte: In ein Haus, in dem eine Katze sich befindet, darf man nicht ohne Schuhe eintreten, weil die Katze die Schlange, die kleine Knochen hat, tötet und frißt, und wenn einer von den Schlangenknochen in den Fuß dringt, kann man ihn nicht herausziehen, und man gerät da-durch in Gefahr. Manche sagen: Man trete nicht im Finstern in ein Haus, in dem keine Katze sich befindet, weil unbemerkt eine Schlange an einem hängen bleiben und man in Gefahr geraten kann.

11Drei Dinge gebot R. Jišma͑él b. R. Jose dem Rabbi: Bringe dir selbst keinen Fehler bei. – Was heißt dies? – Führe keinen Prozeß gegen drei Personen, denn es könnte einer dein Gegner sein und zwei als Zeugen auftreten. Schicke dich nicht zum Kaufen an, wenn du kein Geld hast

12Hat deine Frau ein Tauchbad genommen, so wohne ihr nicht gleich in der ersten Nacht bei. Rabh sagte: Dies gilt nur von einer nach der Tora menstruierenden, weil die Quelle offen ist und die Menstruation sich hinziehen kann.

13Drei Dinge gebot R. Jose b. R. Jehuda dem Rabh: Gehe nachts nicht allein aus. Stehe nicht nackt vor einer Leuchte. Gehe nicht in ein neues Badehaus, weil es zusammenbrechen kann. Wie lange? R. Jehošua͑ b.Levi erwiderte: Zwölf Monate. Stehe nicht nackt vor einer Leuchte, denn es wird gelehrt, wer nackt vor einer Leuchte steht, werde epileptisch, und wer beim Lichte einer Leuchte den Beischlaf ausübt, bekomme epileptische Kinder.

14Die Rabbanan lehrten: Wenn jemand den Beischlaf ausübt in einem Bette, in dem ein Kind schläft, so wird es epileptisch. Dies jedoch nur, wenn es kein Jahr alt ist, ist es aber ein Jahr alt, so ist nichts dabei. Auch nur in dem Falle, wenn es auf der Fußseite schläft, wenn aber auf der Kopfseite, so ist nichts dabei. Auch nur in dem Falle, wenn man nicht die Hand auf dieses legt, wenn man aber die Hand auf dieses legt, so ist nichts dabei.

15«Gehe nicht nachts allein aus.» Es wird nämlich gelehrt: In den Nächten des Mittwochs und des Šabbaths gehe man nicht allein aus, weil dann Agrath, die Tochter der Mahlath, mit achtzehn Myriaden Würgeengeln umherstreift, von denen jeder einzelne besonders die Befugnis zum Würgen hat.

16Früher pflegte sie an jedem Tage umherzustreifen. Einst begegnete sie R. Ḥanina b. Dosa und sprach zu ihm: Hätte man im Himmel über dich nicht ausgerufen, mit Ḥanina und seiner Gesetzeskunde vorsichtig zu sein, so würde ich dich in Gefahr gebracht haben. Da sprach er zu ihr: Wenn ich im Himmel so angesehen bin, so befehle ich dir, nimmermehr in bewohnten Orten umherzustreifen. Darauf sprach sie: Ich bitte dich, mir eine bestimmte Zeit zu gewähren. Da ließ er ihr die Nächte des Šabbaths und des Mittwochs.

17Ferner begegnete sie einst Abajje und sprach zu ihm: Hätte man über dich im Himmel nicht ausgerufen, mit Naḥmani und seiner Gesetzeskunde vorsichtig zu sein, so würde ich dich in Gefahr gebracht haben. Da sprach er zu ihr: Wenn ich im Himmel so angesehen bin, so befehle ich dir, nimmermehr in bewohnten Orten umherzustreifen. – Wir sehen ja aber, daß sie umherstreift!? – Ich will dir sagen,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.