Pessachim — Blatt 116a
1ebenso auch hierbeiein angebrochenes Stück. Eine andere Erklärung: Wie es beim Armen üblich ist, daß er selber [den Ofen] heizt und die Frau bäckt, ebenso muß man auch hierbei selber heizenund die Frau backen.
2WIEWOHL DER FRUCHTBREI NICHT GEBOT IST. WOZU ist er, wenn er nicht Gebot ist, nötig? R. Ami erwiderte: Wegen der Giftigkeit [des Bitterkrautes]. R. Asi sagte: Gegen die Giftigkeit des Lattichs ist Rettich gut, gegen die Giftigkeit des Rettichs ist Lauch gut, gegen die Giftigkeit des Lauches ist warmes Wasser gut; gegen jede Giftigkeit ist warmes Wasser gut. Währenddessen spreche man: Gift, Gift, ich gedenke deiner, deiner sieben Töchter und deiner acht Schwiegertöchter.
3R. ELEA͑ZAR B. ÇADOQ SAGT, [AUCH DIESER] SEI GEBOT &C. Was ist dies für ein Gebot? R. Levi sagte: Zur Erinnerung an den Apfelbaum. R. Joḥanan sagte: Zur Erinnerung an den Lehm. Abajje sagte: Daher muß er herb und dick sein; herb, zur Erinnerung an den Apfelbaum, und dick, zur Erinnerung an den Lehm.
4Übereinstimmend mit R. Joḥanan wird gelehrt: Die Gewürze sind zur Erinnerung an das Stroh, und der Fruchtbrei ist zur Erinnerung an den Lehm. R. Elea͑zar b. R. Çadoq erzählte: Die Schalterhändler zu Jerušalem pflegten wie folgt zu rufen: Kommt heran, kauft Gewürze zu Gebotszwecken.
5MAN SCHENKE IHM DEN ZWEITEN BECHER EIN, UND NUN RICHTE DAS KIND AN SEINEN VATER DIE FOLGENDEN FRAGEN, DIE, WENN DAS KIND DAZU KEINEN VERSTAND HAT, SEIN VATER ES LEHRE:
6WARUM IST DIESE NACHT ANDERS ALS JEDE ANDERE NACHT : IN JEDER ANDEREN NACHT ESSEN WIR GESÄUERTES ODER UNGESÄUERTES, IN DIESER NACHT NUR UNGESÄUERTES; IN JEDER ANDEREN NACHT ESSEN WIR VERSCHIEDENE KRÄUTER, IN DIESER NACHT NUR BITTERKRAUT; IN JEDER ANDEREN NACHT ESSEN WIR GEBRATENES, GESCHMORTES ODER GEKOCHTES FLEISCH, IN DIESER NACHT NUR GEBRATENES ; IN JEDER ANDEREN NACHT TUNKEN WIR NUR EINMAL EIN, IN DIESER NACHT ZWEIMAL.
7NACH DEM VERSTÄNDNIS DES KINDES LEHRE ES SEIN VATER. MAN BEGINNE MIT DER SCHMACH UND SCHLIESSE MIT DEM RUHME, UND SO TRAGE MAN VOR VON:Ein verlorener Aramäer war mein Ahn, BIS ZUM SCHLUSSE DES GANZEN ABSCHNITTES.
8GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Ist das Kind verständig, so frage es, ist es nicht verständig, so frage die Frau, sonst frage er sich selbst. Selbst zwei Schriftgelehrte, die in den Satzungen des Pesaḥfestes kundig sind, fragen einander.
9WARUM IST DIESE NACHT ANDERS ALS JEDE ANDERE NACHT : IN JEDER ANDEREN NACHT TUNKEN WIR NUR EINMAL EIN, IN DIESER NACHT ZWEIMAL. Raba wandte ein: Ist es denn in jeder anderen Nacht nicht zulässig, auch nicht einmal einzutunken!? Vielmehr, sagte Raba, lautet es wie folgt: in jeder anderen Nacht sind wir auch nicht einmal einzutunken verpflichtet, in dieser Nacht zweimal.
10R. Saphra wandte ein: [Wissen denn] Kinder von einer Pflicht!? Vielmehr, sagte R. Saphra, lautet es wie folgt: wir tunken sonst auch nicht einmal ein, in dieser Nacht zweimal.
11MAN BEGINNE MIT DER SCHMACH UND SCHLIESSE MIT DEM RUHME. Welches ist die Schmach? – [Der Abschnitt] ‘Anfangs waren unsere Vorfahren Götzenanbeter’. Raba sagte: [Der Abschnitt] ‘Sklaven waren wir’.
12R. Naḥman sprach zu seinem Sklaven Daro: Was hat der Sklave, wenn ihn sein Herr freiläßt und ihm noch Silber und Gold schenkt, zu ihm zu sprechen? Dieser erwiderte: Er muß ihm Dank und Preis zollen. Da sprach jener: Du hast uns vom Hersagen des [Abschnittes] ‘Warum ist anders’ befreit. Darauf begann er [den Abschnitt] ‘Sklaven waren wir’ herzusagen.
13R.GAMLIÉL SAGTE:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.