Pessachim — Blatt 15a
1und mit ‘aus ihren Worten’ meint er die Worte R. Ḥaninas des Priesterpräses.
2Reš Laqiš entgegnete im Namen Bar Qapparas: Unsere Mišna spricht von einer Urunreinheit der Tora und einer erstgradigen Unreinheit der Tora, und mit ‘aus ihren Worten’ meint er die Worte des R. Elie͑zer und des R. Jehošua͑. –
3Welche [Worte] R. Jehošua͑s: wollte man sagen, der folgenden Lehre R. Jehošua͑s: Wenn über ein Faß mit Hebe ein Zweifel der Unreinheit entsteht, so stelle man es, wie R. Elie͑zer sagt, falls es auf einer freien Stelle steht, in eine geborgene Stelle, und falls es offen ist, decke man es zu;
4R. Jehošua͑ sagt, steht es in einer geborgenen Stelle, so stelle man es in eine freieStelle, und ist es zugedeckt, so decke man esauf.
5Es ist ja aber nicht gleich, da ist es nur eine Herbeiführung [der Unreinheit], hierbei aber erfolgt es mit den Händen!? –
6Vielmehr der folgenden Lehre R. Jehošua͑s: Wenn ein Faß mit Hebe in der oberen Kelter zerbricht und unten sich profaner unreiner [Wein] befindet,
7so muß man, wie R. Elie͑zer und R. Jehošua͑ übereinstimmen, wenn es möglich ist, ein Viertellog in Reinheit zu retten, es retten, wenn aber nicht, so lasse man [die Hebe], wie R. Elie͑zer sagt, auslaufen und unrein werden, nur nicht mit den Händen unreinmachen; R. Jehošua͑ sagt, man dürfe sie auch mit den Händen unrein machen. –
8Wieso heißt es demnach ‘aus ihren Worten’, es sollte ja ‘aus seinen Worten’ heißen!? –
9Er meint es wie folgt: aus dem Streite zwischen R. Elie͑zer und R. Jehošua͑ lernenwir. Dies ist auch zu beweisen, denn es heißt: R. Elie͑zer und R. Jehošua͑ stimmenüberein. Schließe hieraus.
10Ebenso erklärte auch R. Naḥman im Namen des Rabba b.Abuha, unsere Mišna spreche von einer Urunreinheit der Tora und einer erstgradigen Unreinheit der Tora, und er entnimmt es aus den Worten R. Elie͑zers und R. Jehošua͑s.
11Raba wandte gegen R. Naḥman ein: R. Jose sagte: Das, worüber sie verhandeln, gleicht dem Beweise nicht. Worüber bekundeten unsere Meister: wenn über das Fleisch, das an einer erstgradigen Unreinheit unrein wurde, daß man es zusammen mit Fleisch, das an einer Urunreinheit unrein wurde, verbrennen dürfe, so ist ja das eine wie das andere unrein;
12und wenn über das Öl, das [durch Berührung] mit einem, der am selben Tage untergetaucht ist, untauglich wurde, daß man es in einer Leuchte, die an einem Leichenunreinen unrein wurde, brennen dürfe, so ist ja das eine untauglich und das andere unrein. Auch wir geben zu, daß man Hebe, die an einer erstgradigen Unreinheit unrein wurde, zusammen mit Hebe, die an einer Urunreinheit unrein wurde, verbrennen dürfe;
13wie sollte man aber zweifelhafte zusammen mit unreiner verbrennen, Elijahu könnte ja kommen und sie als rein erklären!?
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.