Pessachim — Blatt 16a

1Flüssigkeiten sind im Zweifelverunreinigungsfähig, um unrein zu sein, um aber anderes unrein zu machen, sind sie rein – so R. Meír, und ebenso pflichtet auch R. Elea͑zar seinen Worten bei. R. Jehuda sagt, sie seien in jeder Hinsicht unrein;

2R. Jose und R. Šimo͑n sagten, sie seien für Speisenunrein und für Geräterein. –

3Ist R. Elea͑zar denn der Ansicht, Flüssigkeiten seien verunreinigungsfähig, es wird ja gelehrt: R. Elea͑zar sagt, für die Unreinheit von Flüssigkeiten gebe es [in der Tora] keinen Anhalt. Dies ist auch zu beweisen, denn Joseph b. Joe͑zer aus Çereda bekundete, daß die Widder-Heuschreckerein sei, und daß die Flüssigkeiten des Schlachthausesrein seien.

4Allerdings stimmt dies nach Šemuél, welcher erklärt, sie seien rein, indem sie anderes nicht unrein machen, sie selbst aber seien verunreinigungsfähig, wie ist es aber nach Rabh zu erklären, welcher sagt, sie seien an sich rein!?

5R. Naḥman b.Jiçḥaq erwiderte: Dies bezieht sich auf nur einenFall. –

6Es heißt ja aber ‘seinen Worten’, in der Mehrzahl, und ferner heißt es auch ‘ebenso’!? – Dies ist ein Einwand.

7Der Text. Rabh erklärte: rein, an sich rein, und Šemuél erklärte: rein, indem sie anderes nicht unrein machen, sie selbst aber sind verunreinigungsfähig. Rabh sagt, sie seien an sich rein, denn er ist der Ansicht, die Verunreinigungsfähigkeit der Flüssigkeiten sei rabbanitisch, und die Rabbanan bestimmten dies nur bei sonstigen Flüssigkeiten, nicht aber bestimmten sie dies bei Flüssigkeiten des Schlachthauses.

8Šemuél sagt, sie seien rein, indem sie anderes nicht unrein machen, sie selbst aber seien verunreinigungsfähig, denn er ist der Ansicht, die Verunreinigungsfähigkeit der Flüssigkeiten sei aus der Tora, und [ihre Übertragung] der Unreinheit auf anderes rabbanitisch, und die Rabbanan bestimmten dies nur bei sonstigen Flüssigkeiten, nicht aber bestimmten sie dies bei Flüssigkeiten des Schlachthauses. Auch ordneten die Rabbanan dies nicht an, nur hinsichtlich der Verunreinigung von anderem, sie selbst aber sind verunreinigungsfähig.

9R. Hona b.Ḥenana sprach zu seinem Sohne: Wenn du zu R. Papa gehst, trage ihm folgenden Einwand vor: Kann Šemuél denn erklärt haben, sie seien rein, indem sie anderes nicht unrein machen, sie selbst aber seien verunreinigungsfähig, hierauf ist ja zu beziehen: Fleisch, das mit irgend etwas Unreinem in Berührung gekommen ist, darf nicht gegessen werden!?

10R. Šiša, Sohn des R. Idi, erwiderte: Dies gilt ja vom Viertgradigenbei Geheiligtem. R. Aši wandte ein: Das Viertgradige bei Geheiligtem heißt ja nicht unrein, während diese unrein heißen!? – Dies ist ein Einwand. –

11Komm und höre: Jedes Getränk, das getrunken wird, in jederlei Gefäß, ist unrein!? – Unter ‘unrein’ ist zu verstehen, es mache anderes verunreinigungsfähig. –

12Daß es anderes verunreinigungsfähig mache, geht ja hervor aus dem Anfang des Schriftverses: jede Art Speise, die gegessen wird &c.!? – Eines spricht von losem [Wasser] und eines von haftendem.

13Und beides ist nötig. Würde er es uns nur vom losen gelehrt haben, [so könnte man glauben,] weil man ihm einen Wert beigelegthat, nicht aber gilt dies vom haftenden.

14Und würde er es nur vom haftenden gelehrt haben, [so könnte man glauben,] dieses sei bedeutender, weil es sich an seinem Orte befindet, nicht aber gilt dies vom losen. Daher ist beides nötig. –

15Komm und höre:Nur Quellen, Brunnen und Wasserbehälter bleiben rein!? – Unter ‘rein’ ist zu verstehen, sie entfernen die Unreinheit. –

16Macht denn das lose verunreinigungsfähig, R. Jose b. R. Ḥanina sagte ja, die Flüssigkeiten im Schlachthause seien nicht nur selbst rein, sondern machen auch nicht verunreinigungsfähig!? –

17Dies ist auf das Blut zu beziehen. R. Ḥija b. Abba sagte nämlich im Namen R. Joḥanans: Woher, daß das Blut der heiligen [Opfer] nicht verunreinigungsfähig mache? Es heißt:auf die Erde gieße es, wie Wasser; Blut, das wie Wasser fortgegossen wird, macht verunreinigungsfähig,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.