Pessachim — Blatt 20a

1der Unreinheit befragenmüsse, und daß selbst ein auf der Erde liegendes Gerät als lebendes Wesen gelte, das man befragen kann.

2«Das Fleisch aber unrein.» Wodurch ist das Fleisch [für die Unreinheit] befähigt worden:

3wollte man sagen, es sei durch das Blut befähigt, so sagte ja R. Ḥija b.Abba im Namen R. Joḥanans: Woher, daß das Blut die heiligen [Opfer] nicht verunreinigungsfähig mache? Es heißt:du darfst es nicht essen, auf die Erde gieße es, wie Wasser; Blut, das wie Wasser fortgegossen wird, macht verunreinigungsfähig, und das nicht wie Wasser fortgegossen wird, macht nicht verunreinigungsfähig.

4Und sollte es durch die Flüssigkeiten des Schlachthauses befähigt werden, so sagte ja R. Jose b.R. Ḥanina: Flüssigkeiten des Schlachthauses sind nicht nur rein, sondern machen auch nicht verunreinigungsfähig.

5Und sollte es durch die Bevorzugung des Geheiligten befähigt werden, so bewirkt allerdings die Bevorzugung des Geheiligten die Untauglichkeit der Sache, wenn aber auch erstgradige und zweitgradige [Unreinheit],

6so sollte hieraus die Frage des Reš Laqiš entschieden werden, ob es bei der trocknen Stelle des Speisopferserstgradige und zweitgradige Unreinheit gebe oder nicht!?

7R. Jehuda erwiderte im Namen Šemuéls: Wenn man die zum Heilsopfer bestimmte Kuh über einen Fluß geführt und sie, während ihr die Flüssigkeit noch anhaftete, geschlachtet hat.

8«Und daß, wenn sie im Mist gefunden wird, alles rein sei.» Sollte doch der Mist das Fleisch unrein machen!? R. Ada b.Ahaba erwiderte: Wenn er sehr dick ist. R. Aši erwiderte: Du kannst auch sagen, wenn er dünn ist, denn er ist eine stinkige Flüssigkeit.

9Ein Jünger rezitierte vor R. Šešeth: Das Kriechtier macht die Flüssigkeit unrein, die Flüssigkeit macht das Gefäß unrein, das Gefäß macht die Speise unrein, und die Speise macht die Flüssigkeit unrein. Wir lernen also, daß es beim Kriechtiere drei Unreinheiten gebe. – Das sind ja vier!? – Streiche die erste Flüssigkeit. –

10Im Gegenteil, zu streichen wäre ja die letzte Flüssigkeit!? – Wir finden außer R. Jehuda keinen Autor, der der Ansicht wäre, Flüssigkeiten machen das Gefäß unrein, und auch er ist davon abgekommen. Als Merkmal diene dir die Brauerei.

11Dort haben wir gelernt: Wenn im Ofen ein Kriechtier gefunden wird, so ist das in diesem befindliche Brot zweitgradig unrein, weil der Ofen erstgradig ist.

12R. Ada b.Ahaba sprach zu Raba: Sollte doch der Ofen als mit Unreinheit ausgefüllt betrachtet werden und das Brot erstgradig sein!?

13Dieser erwiderte: Dies ist nicht einleuchtend, denn es wird gelehrt: Man könnte glauben, jedes Gerät werde durch die Luft eines [unreinen] Tongefäßes unrein,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.