Pessachim — Blatt 20b
1so heißt es:alles, was sich darin befindet, werde unrein, und darauf folgt: von jeder Art Speise; nur Speisen werden durch die Luft eines [unreinen] Tongerätes unrein, nicht aber werden Geräte durch die Luft des [unreinen] Tongefäßes unrein.
2R. Ḥisda wies auf einen Widerspruch beim Pesaḥfeste hin und erklärte ihn auch. Kann R. Jehošua͑ denn gesagt haben, [man verbrenne] beidezusammen,
3dem widersprechend wird ja gelehrt: R. Jose sagte: Das worüber sie verhandeln, gleicht dem Beweise nicht. Worüber bekundeten unsere Meister: wenn über das Fleisch, daß an einer erstgradigen Unreinheit unrein wurde, daß man es zusammen mit Fleisch, das an einer Urunreinheit unrein wurde, verbrennen dürfe, so ist ja das eine wie das andere unrein;
4und wenn über Öl, das [durch Berührung] mit einem, der am selben Tage untergetaucht ist, untauglich wurde, daß man es in einer Leuchte, die an einem Leichenunreinen unrein wurde, brennen dürfe, so ist ja das eine untauglich und das andere unrein. Auch wir geben zu, daß man Hebe, die an einer erstgradigen Unreinheit unrein wurde, zusammen mit Hebe, die an einer Urunreinheit unrein wurde, verbrennen dürfe; wie sollte man aber zweifelhafte zusammen mit unreiner verbrennen, Elijahu könnte ja kommen und sie als rein erklären!?
5Er selbst erklärte es: Eines [lehrte] R. Šimo͑n nach R. Jehošua͑, und eines [lehrte] R. Jose nach R. Jehošua͑.
6Es wird nämlich gelehrt: Fällt der vierzehnte auf einen Šabbath, so schaffe man alles vor dem Šabbath fort. Man verbrenne dann unreine, zweifelhafte und reine Hebe – so R. Meír; R. Jose sagt, reine besonders, zweifelhafte besonders und unreine besonders.
7R. Šimo͑n sagte: R. Elie͑zer und R. Jehošuastimmen überein, daß man nicht reine zusammen mit unreiner verbrennen dürfe, ebenso auch, daß man zweifelhafte zusammen mit reiner verbrennen dürfe, sie streiten nur über zweifelhafte mit unreiner: R. Elie͑zer sagt, man verbrenne diese besonders und jene besonders, und R. Jehošua͑ sagt, auch beide zusammen. –
8Aber unsre Mišna lehrt ja ebenfalls die Ansicht R. Joses!? – R. Jose spricht zu R. Meír wie folgt: selbst R. Šimo͑n, der nach R. Jehošua͑ erleichternder Ansicht ist, ist es nur bei zweifelhafter mit unreiner, nicht aber bei reiner mit unreiner.
9R. Jose b. R. Ḥanina wies auf einen Widerspruch bei der Hebe und bei dem Pesaḥfeste hin und erklärte ihn auch. Kann R. Jehošua͑ denn gesagt haben, [man verbrenne] beides zusammen,
10dem widersprechend wird ja gelehrt: Wenn über ein Faß mit Hebe ein Zweifel der Unreinheit entsteht, so stelle man es, wie R. Elie͑zer sagt, falls es auf einer freien Stelle steht, in eine geborgene Stelle, und falls es offen ist, decke man es zu; R. Jehošua͑ sagt, steht es in einer geborgenen Stelle, so stelle man es auf eine freieSteile, und ist es zugedeckt, so decke man esauf.
11Nur eine Herbeiführung [der Unreinheit ist erlaubt], nicht aber direkt mit den Händen unrein machen!? Er selbst erklärte es: Eines [lehrte] R. Šimo͑n nach R. Jehošua͑, und eines [lehrte] R. Jose nach R. Jehošua͑.
12R. Elea͑zar wies auf einen Widerspruch bei der Hebe hin und erklärte ihn auch. Kann R. Jehošua͑ denn gesagt haben, [man dürfe es nur der Unreinheit] aussetzen, nicht aber direkt mit den Händen unrein machen,
13dem widersprechend wird ja gelehrt: Wenn ein Faß mit Hebe in der oberen Kelter zerbricht und unten sich profaner unreiner [Wein] befindet,
14so muß man, wie R. Elie͑zer und R. Jehošua͑ übereinstimmen, wenn es möglich ist, ein Viertellog in Reinheit zu retten, es retten, wenn aber nicht, so lasse man [die Hebe], wie R. Elie͑zer sagt, auslaufen und unrein werden, nur nicht mit den Händen unrein machen;
15R. Jehošua͑ sagt, man dürfe sie auch mit den Händen unrein machen!?
16Er selbst erklärte es: Anders ist es hierbei, wo eine Schädigung des Profanen vorliegt.
17Raba wandte ein: Auch in unsrer Mišna liegt ja eine Schädigung des Holzesvor!? Abajje erwiderte ihm: Einen großen Schaden berücksichtigten sie, einen kleinen Schaden berücksichtigten sie nicht. –
18Woher entnimmst du, daß sie einen großen Schaden berücksichtigten und einen kleinen Schaden nicht berücksichtigten? – Es wird gelehrt: Wenn ein Faß mit Öl von Hebe in der oberen Kelter zerbricht und in der unteren unreines Profanes sich befindet, so muß man, wie R. Elie͑zer und R. Jehošua͑ übereinstimmen, wenn es möglich ist, ein Viertellog in Reinheit zu retten, es retten, wenn aber nicht, so lasse man es auslaufen und unrein werden, nur nicht direkt mit den Händen unrein machen. –
19Beim Öl ist es wohl deshalb anders, weil es zum Brennen verwendbar ist, und auch der [unreine] Wein ist ja zum Sprengen verwendbar!?
20Wolltest du erwidern, das Sprengen sei bedeutungslos, so sagte ja Šemuél im Namen R. Ḥijas, man trinke [Wein] um eine Sela͑ das Logund sprenge ihn um zwei Sela͑ das Log!? – Wenn er neuist. –
21Man kann ihn ja alt werden lassen!? – Man könnte zu einem Verstoßekommen. – Auch beim Öl kann man ja zu einem Verstoße kommen!? –
22Man gieße es in ein schmutziges Gefäß. – Auch Wein kann man ja in ein schmutziges Gefäß gießen!? – Man will ihn zum Sprengen verwenden und sollte ihn in ein schmutziges Gefäß gießen!?
23Über den Verstoß selbst [streiten] Tannaím, denn es wird ja gelehrt: Wenn ein Faß Wein von Hebe unrein wird, so gieße man ihn, wie die Schule Šammajs sagt, ganz fort; die Schule Hillels sagt, man verwende ihn zum Sprengen.
24R. Jišma͑él b. R. Jose sprach: Ich werde ausgleichen: auf dem Felde gieße man ihn ganz fort, im Hause verwende man ihn zum Sprengen. Manche lesen: Neuen gieße man ganz fort, alten verwende man zum Sprengen. Man entgegnete ihm:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.