Pessachim — Blatt 22b
1Wegen welcher Lehre wird nach Ḥizqija das Blut mit dem Wasser verglichen? – Wegen der Lehre des R. Ḥija b.Abba, denn R. Ḥija b.Abba lehrte im Namen R. Joḥanans: Woher daß das Blut der heiligen [Opfer] nicht verunreinigungsfähigmacht? Es heißt: du darfst es nicht essen, auf die Erde gieße es, wie Wasser; Blut, das wie Wasser fortgegossen wird, macht verunreinigungsfähig, Blut, das nicht wie Wasser fortgegossen wird, macht nicht verunreinigungsfähig. –
2Aber auch vom von einem lebenden Tiere abgelösten Gliede heißt es ja:du darfst nicht das Leben mit dem Fleische essen, dennoch wird gelehrt: R. Nathan sagte: Woher, daß man einem Naziräerkeinen Becher Wein und einem Noaḥidenkein Glied von einem lebenden Tiere reichen dürfe? Es heißt:du darfst dem Blinden kein Hindernis in den Weg legen. Demnach ist es für Hunde erlaubt!? –
3Anders ist es beim Gliede von einem lebenden Tiere, das mit dem Blute verglichen wird, denn es heißt: nur sei fest, das Blut nicht zu essen, denn das Blut ist das Leben; du darfst nicht das Leben mit dem Fleische essen. –
4Wegen welcher Lehre wird nach Ḥizqija das Glied von einem lebenden Tiere mit dem Blute verglichen? – Er kann dir erwidern: das Blut ist es, das mit dem Gliede von einem lebenden Tiere verglichen wird; wie das Glied von einem lebenden Tiere verboten ist, ebenso ist das Blut von einem lebenden Tiere verboten, nämlich das beim Aderlaß abfließende Blut, mit dem auch das Leben abfließt. –
5Aber vom gesteinigten Ochsensagt ja der Allbarmherzige: sein Fleisch darf nicht gegessen werden, dennoch wird gelehrt: Wenn es heißt: der Ochs soll gesteinigt werden, so weiß ich ja, daß er Aas ist, und das Aas ist zum Essen verboten, wozu heißt es: darf nicht gegessen werden? Damit sagt dir die Schrift, daß, wenn man ihn nach der Aburteilung geschlachtet hat, dies dennoch verboten sei.
6Ich weiß dies nur vom Essen, woher dies von der Nutznießung? Es heißt: und der Besitzer des Ochsen ist frei. Wieso geht dies daraus hervor? Šimo͑n b. Zoma erklärte: Wie wenn jemand zu seinem Nächsten spricht: jener ist seines Vermögens frei, ohne davon irgend welchen Nutzen zu haben.
7Nur weil es heißt: der Besitzer des Ochsen ist frei, aus [den Worten] darf nicht gegessen werden aber würde nur das Verbot des Essens und nicht das Verbot der Nutznießung zu entnehmen sein!? –
8Tatsächlich ist aus [den Worten] darf nicht gegessen werden sowohl das Verbot des Essens als auch das Verbot der Nutznießung zu entnehmen, und [die Worte] der Besitzer des Ochsen ist frei beziehen sich auf die Nutznießung der Haut. Dies ist nötig; man könnte glauben, da es heißt: sein Fleisch darf nicht gegessen werden, so beziehe sich dies nur auf das Fleisch und nicht auf die Haut, so lehrt er uns. –
9Woher entnehmen jene Tannaím, die diesen Schriftvers für eine andere Auslegung verwenden, hinsichtlich des halben Lösegeldesund der Entschädigungfür die Kinder, [das Verbot] der Nutznießung der Haut? – Sie entnehmen es [aus den Worten] das[eth] Fleisch, das zum Fleische gehörige. –
10Und jener!? – Er verwendet das eth nicht zur Schriftforschung.
11Es wird nämlich gelehrt: Šimo͑n I͑msoni, manche sagen, Neḥemja I͑msoni, interpretierte sämtliche eth in der Tora, als er aber herankam [zum Schriftverse]den [eth] Herrn, deinen Gott sollst du fürchten, zog er sichzurück. Da sprachen seine Schüler zu ihm: Meister, was soll nun aus allen Forschungen werden, die du aus eth eruiert hast? Dieser erwiderte ihnen: Wie ich einen Lohn für die Forschung zu erwarten hätte, ebenso habe ich einen Lohn für die Zurückziehung zu erwarten. Als aber R. A͑qiba kam, legte er es aus: Den Herrn, deinen Gott, sollst du fürchten, dies schließt die Schriftgelehrten ein. –
12Aber vom Ungeweihten sagt ja der Allbarmherzige:ungeweiht, es darf nicht gegessen werden, dennoch wird gelehrt: Ungeweiht, es darf nicht gegessen werden; ich weiß dies vom Verbote des Essens, woher, daß man davon keine Nutznießung haben dürfe, daß man es nicht zum Färben oder zum Brennen in einer Leuchte verwenden dürfe? Es heißt:ihr sollt ihn Ungeweihtes sein lassen, ungeweiht, es darf nicht gegessen werden, dies schließt dies alles ein.
13Nur weil der Allbarmherzige geschrieben hat: ihr sollt ihn Ungeweihtes sein lassen, ungeweiht, sonst aber wäre daraus nur das Verbot des Essens und nicht das Verbot der Nutznießung zu entnehmen!? –
14Tatsächlich ist aus [den Worten] es darf nicht gegessen werden sowohl das Verbot des Essens als auch das Verbot der Nutznießung zu entnehmen, nur ist es hierbei anders, da es euch heißt. Dies ist nötig; man könnte glauben, da es euch heißt, gehöre es euch, so lehrt er uns. –
15Wozu ist nun, wo diese Verse geschrieben sind, das euch nötig? – Für folgende Lehre: Euch, dies schließt das ein, was für das Publikum gepflanzt ist;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.