Pessachim — Blatt 24a
1und da es nicht auf das Essen zu beziehenist, so beziehe man es auf das Verbot der Nutznießung. –
2Demnach sollten, wie dieses durch Verbrennen, auch alle in der Tora verbotenen Dinge durch Verbrennen [vernichtet werden]!? – Die Schrift sagt:im Heiligtum &c. soll im Feuer verbrannt werden; im Heiligtum durch Verbrennen, nicht aber alle anderen in der Tora verbotenen Dinge durch Verbrennen. –
3Ist denn [der Schriftvers:] im Heiligtum &c. soll im Feuer verbrannt werden hierfür zu verwenden, er ist ja für eine Lehre R. Šimo͑ns nötig!? Es wird nämlich gelehrt: R. Šimo͑n sagte: Im Heiligtum &c. soll im Feuer verbrannt werden; dies lehrt, daß man das Sündopfer innerhalb des Heiligtums verbrenne. Ich weiß dies nur von diesem, woher dies von den übrigen untauglichen hochheiligen [Opfern] und den Opferteilen minderheiliger [Opfer]? Es heißt: und jedes &c. im Heiligtum &c. soll im Feuer verbrannt werden.
4Jener erwiderte: Dein Lehrer R. Jonathan entnimmt dies aus folgendem Schriftverse:Und wenn vom Fleische des Einsetzungsopfers oder von dem Brote etwas übrig bleibt bis zum Morgen &c; wozu heißt es: soll nicht gegessen werden, [die Worte] soll nicht gegessen werden sind ja nicht nötig!? Da dies hierfür nicht nötig ist, denn es heißt:du sollst das Übriggebliebene im Feuer verbrennen, so beziehe man es auf alle übrigen in der Tora verbotenen Dinge; und da es nicht auf das Essen zu beziehenist, so beziehe man es auf das Verbot der Nutznießung. –
5Demnach sollten, wie dieses durch Verbrennen, auch alle in der Tora verbotenen Dinge durch Verbrennen [vernichtet werden]!? – Die Schrift sagt: du sollst das Übriggebliebene im Feuer verbrennen, das Übriggebliebene durch Verbrennen, nicht aber alle anderen in der Tora verbotenen Dinge durch Verbrennen. –
6Ist denn [der Schriftvers:] darf nicht gegessen werden hierfür zu verwenden, er ist ja für eine Lehre R. Elee͑zars nötig!? R. Elee͑zar sagte nämlich:Es darf nicht gegessen werden, denn es ist heilig; alles, was vom Heiligen untauglich ist; die Schrift belegt das Essen mit einem Verbote!?
7Abajje erwiderte: Tatsächlich ist es aus dem zuerst angezogenen Schriftversezu entnehmen, nur ist umgekehrt [zu deduzieren]: es sollte ja nur heißen: soll im Feuer verbrannt werden, und nicht: soll nicht gegessen werden, wozu heißt es: soll nicht gegessen werden!? Da dies hierfür nicht nötig ist, denn dies geht schon aus der Lehre R. Elea͑zars hervor, so beziehe man es auf alle übrigen in der Tora verbotenen Dinge; und da es nicht auf das Essen zu beziehenist, so beziehe man es auf das Verbot der Nutznießung. –
8Demnach sollten, wie dieses durch Verbrennen, auch alle in der Tora verbotenen Dinge durch Verbrennen [vernichtet werden]!? – Die Schrift sagt: das Übriggebliebene, das Übriggebliebene durch Verbrennen, nicht aber alle anderen in der Tora verbotenen Dinge durch Verbrennen.
9R. Papa sprach zu Abajje: Vielleicht ist dieses nur ein besonderes Verbot, denn wollte man es aus der Lehre R. Elee͑zars entnehmen, so erhält man ja wegen des allgemein Verbotenenkeine Geißelhiebe!?
10Vielmehr, erklärte R. Papa, ist dies aus folgendem zu entnehmen:Auch Fleisch, das mit irgend etwas Unreinem in Berührung gekommen ist, darf nicht gegessen werden, sondern soll im Feuer verbrannt werden; [die Worte] darf nicht gegessen werden sind ja nicht nötig, wozu heißt es: darf nicht gegessen werden!?
11Dies ist nämlich dafür selbst nicht nötig, da es [durch einen Schluß] vom Leichteren auf das Schwerere, vom leichteren Zehnten, zu folgern wäre: wenn die Tora vom leichteren Zehnten sagt:ich habe nichts davon in Unreinheit fortgeschafft, um wieviel mehr gilt dies vom schwereren heiligen Fleische.
12Wolltest du entgegnen, bei einem aus einem Schlusse gefolgerten [Verbote] gebe es keine Verwarnung, so ist es ja auch durch eine Vergleichung[zu folgern], denn es heißt:du darfst nicht in deinen Ortschaften den Zehnten deines Getreides, deines Mostes und deines Öls verzehren, noch die Erstgeburten deiner Rinder &c.
13Wozu heißt es nun: darf nicht gegessen werden!? Da dies hierfür nicht nötig ist, so beziehe man es auf alle übrigen in der Tora verbotenen Dinge; und da es nicht auf das Essen zu beziehenist, so beziehe man es auf die Nutznießung. –
14Demnach sollten, wie dies durch Verbrennen, auch alle in der Tora verbotenen Dinge durch Verbrennen [vernichtet] werden]!? – Die Schrift sagt: das Übriggebliebene, das Übriggebliebene durch Verbrennen, nicht aber alle anderen in der Tora verbotenen Dinge durch Verbrennen.
15Rabina sprach zu R. Aši: Vielleicht deshalb, weil man dabei zwei Verbote übertritt!? So sagte ja auch Abajje, wer eine Puṭithagegessen hat, erhalte viermal,
16wer eine Ameise, fünfmal
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.