Pessachim — Blatt 50a

1[dem Quantum] des Verbotenen; wie esbei Olivengröße verboten ist, ebenso ist zur Rückkehr das Quantum einer Olive erforderlich.

2Es wird gelehrt: R. Nathan sagte, dieses und jenes [im Quantum von] zwei Eiern; die Weisen stimmten ihm aber nicht bei.

3An jenem Tage wird es kein Licht geben; gewichtig und schwebend. Was heißt gewichtig und schwebend?

4R. Elea͑zar erklärte: Das ist das Licht, das auf dieser Welt gewichtig ist, in der zukünftigen Welt aber schwebend sein wird.

5R. Joḥanan erklärte: Das sind die [Gesetze über] Aussatz und Bezeltung, die in dieser Welt gewichtig sind, in der zukünftigen Welt aber schwebendsein werden.

6R. Jehošua͑ b.Levi erklärte: Das sind die Leute, die in dieser Welt gewichtig sind, in der zukünftigen Welt aber schwebend sein werden. So erkrankte einst R. Joseph, Sohn des R. Jehošua͑ b. Levi, und verfiel in eine Lethargie. Als er zu sich kam, fragte ihn sein Vater, was er gesehen habe, und dieser erwiderte: Ich habe eine verkehrte Welt gesehen; die oberen unten und die unteren oben. Jener entgegnete: Mein Sohn, du hast eine lautere Welt gesehen. Wie sind wirdort? – Wir sind dort, wie wir hier sind.–Was hörtest du da sagen? –

7Ich hörte sie sagen: Heil dem, der hier mit seinem Studium in der Hand ankommt. Ferner hörte ich sie sagen: Niemand vermag in die Einfriedung der Hingerichteten der Regierung zu gelangen. –

8Wer ist es, wollte man sagen, R. A͑qibaund seine Genossen, so haben sie ja noch [andere Verdienste], als Hingerichtete der Regierung zu sein!? – Vielmehr, es sind die Märtyrervon Lud.

9Jenes Tages wird auf den Schellen der Rosse [stehen:] heilig dem Herrn. Was bedeutet ‘Schellen der Rosse’?

10R. Jehošua͑ b. Levi erwiderte: Dereinst wird der Heilige, gepriesen sei er, zu Jerušalem soviel hinzufügen, als daß ein Roß läuft und seinen Schattenwirft.

11R. Elea͑zar erklärte: Die Schellen, die man dem Rosse zwischen die Augen hängt, werden dem Herrn geheiligt sein.

12R. Joḥanan erklärte: Die ganze Beute, die Jisraél erbeuten wird, bis zur Zeit, da das Roß läuft und seinen Schattenwirft, wird dem Herrn geheiligt sein. –

13Einleuchtend ist es nach demjenigen, der es auf die von Jisraél gemachte Beute bezieht, daß es heißt:und die Kochtöpfe im Hause des Herrn werden wie die Opferbecken vor dem Altar sein, wie sind aber [die Worte:] die Kochtöpfe werden im Hause des Herrn sein, nach den beiden anderen Auslegungen zu erklären!? – Er sagte etwas anderes: die Jisraéliten werden reich sein und Spenden bringen. –

14Einleuchtend ist es nach demjenigen, der es auf die Beute bezieht, daß es heißt: und es wird keinen Krämer mehr im Tempel des Herrn der Heerscharen geben; wie sind aber [die Worte:] es wird keinen Krämer mehr geben, nach den beiden anderen Auslegungen zu erklären!? R. Jirmeja erwiderte: Es wird keinen Armengeben. –

15Woher, daß Kenaa͑ni ‘Krämer’ heißt? – Es heißt:da sah Jehuda die Tochter eines Kenaa͑ni. Was ist nun unter Kenaa͑ni zu verstehen: wollte man sagen, ein wirklicher Kenaa͑nite, so ist es ja nicht möglich, daß Jehuda, nachdem Abraham es Jiçḥaq verboten hatte und Jiçḥaq es Ja͑qob verboten hatte, eine [Kenaa͑nitin] heiraten sollte; vielmehr ist mit R. Šimo͑n b.Laqiá zu erklären: die Tochter eines Krämers. So heißt es auch:Kenaa͑n hat eine falsche Wage in der Hand. Wenn du willst, entnehme ich es hieraus: deren Kaufleute Fürsten, deren Krämer [kenaa͑neha] die Geehrtesten auf Erden waren.

16Der Herr wird dann über das ganze Land König sein; an diesem Tage wird der Herr einer sein und sein Name einzig. Ist er denn jetzt nicht einer?

17R. Aḥa b.Ḥanina erklärte: Die zukünftige Welt gleicht dieser Welt nicht; in dieser Welt spricht man über gute Nachrichten: ‘Gepriesen sei der Gute und Gütige’ und über schlechte Nachrichten: ‘Gepriesen sei der Richter der Wahrheit’, in der zukünftigen Welt aber wird er ganz der Gute und Gütigesein.

18Und sein Name einzig. Ist er denn jetzt nicht einzig!?

19R. Naḥman b. Jiçḥaq erwiderte: Die zukünftige Welt gleicht dieser Welt nicht; in dieser Welt wird er Jod He geschrieben und Aleph Dalethgesprochen, in der zukünftigen Welt aber wird er ganz einzig sein, Jod He geschrieben und Jod He gesprochen.

20Raba wollte es im Kolleg vortragen, da sprach ein Greis zu ihm: Es heißt: leo͑lam[ewig].

21R. Abina wies auf einen Widerspruch hin. Es heißt: dies ist mein Name auf ewig, [dagegen heißt es:]dies ist meine Nennung auf Geschlecht und Geschlecht!? Der Heilige, gepriesen sei er, sprach: Nicht wie ich geschrieben werde, werde ich genannt; Jod He werde ich geschrieben und genannt Aleph Daleth.

22WO ES ÜBLICH IST, AM VORABEND DES PESAḤFESTES BIS MITTAG ARBEIT ZU VERRICHTEN, VERRICHTE MAN, UND WO ES ÜBLICH IST, KEINE ZU VERRICHTEN, DARF MAN KEINE VERRICHTEN. WENN JEMAND AUS EINEM ORTE GEHT, DA MAN ARBEIT VERRICHTET, NACH EINEM ORTE, DA MAN KEINE ARBEIT VERRICHTET, ODER AUS EINEM ORTE, DA MAN KEINE ARBEIT VERRICHTET, NACH EINEM ORTE, DA MAN ARBEIT VERRICHTET, SO LEGT MAN IHM DIE ERSCHWERUNGEN DES ORTES AUF, DEN ER VERLASSEN HAT, UND DIE ERSCHWERUNGEN DES ORTES, IN DEN ER GEKOMMEN IST.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.