Pessachim — Blatt 49b

1und nicht begreiflich.

2Die Rabbanan lehrten : Stets verkaufe ein Mensch alles, was er besitzt, und heirate die Tochter eines Schriftgelehrten, denn er ist sicher, daß, wenn er stirbt oder in die Verbannung gerät, seine Söhne Schriftgelehrte sein werden; er heirate aber nicht die Tochter einer Mannes aus dem gemeinen Volke, denn wenn er stirbt oder in die Verbannung gerät, sind seine Söhne Leute aus dem gemeinen Volke. Findet er keine Tochter eines Schriftgelehrten, so heirate er die Tochter eines bedeutenden Mannes; findet er keine Tochter eines bedeutenden Mannes, so heirate er die Tochter eines Synagogenvorstehers; findet er keine Tochter eines Synagogenvorstehers, so heirate er die Tochter eines Almosenverwalters; findet er keine Tochter eines Almosenverwalters, so heirate er die Tochter eines Kinderlehrers. Nur heirate er nicht die Tochter eines Mannes aus dem gemeinen Volke, denn sie sind ein Greuel und ihre Frauen sind ein Greuel, und von ihren Töchtern heißt es:verflucht sei, wer mit einem Tiere schläft.

3Es wird gelehrt: Rabbi sagte: Ein Mann aus dem gemeinen Volke darf kein Fleisch essen, denn es heißt:das ist die Lehre inbetreff das Viehs und des Geflügels; wer sich mit der Tora [Lehre] befaßt, darf Fleisch von Vieh und Geflügel essen, wer sich mit der Tora nicht befaßt, darf kein Fleisch von Vieh und Geflügel essen.

4R. Elea͑zar sagte: Einen Mann aus dem gemeinen Volke darf man metzeln an einem Versöhnungstage, der auf einen Šabbath fällt. Seine Schüler sprachen zu ihm: Meister, sage doch: schlachten! Dieser erwiderte: Dies erfordert einen Segensspruch, jenes erfordert keinen Segensspruch.

5R. Elea͑zar sagte: Es ist verboten, sich einem Manne aus dem gemeinen Volke auf der Reise anzuschließen, denn es heißt:denn sieist dein Leben und die Verlängerung deiner Tage; und wenn er sein eigenes Leben nicht schont, um wieviel weniger das Leben seines Nächsten.

6R. Šemuél b.Naḥmani sagte im Namen R. Joḥanans: Einen Mann aus dem gemeinen Volke darf man wie einen Fisch zerreißen. R. Šemuél b. Jiçḥaq sagte: Vom Rücken aus.

7Es wird gelehrt: R. A͑qiba erzählte: Als ich noch ein Mann aus dem gemeinen Volke war, sprach ich: Wer gibt mir einen Schriftgelehrten her, ich würde ihn wie ein Esel beißen. Seine Schüler sprachen zu ihm: Meister, sage doch: wie ein Hund. Dieser erwiderte: Jener beißt und zerbricht auch den Knochen, dieser beißt und zerbricht den Knochen nicht.

8Es wird gelehrt: R. Meír sagte: Wenn jemand seine Tochter an einen Mann aus dem gemeinen Volke verheiratet, so ist es ebenso, als würde er sie binden und vor einen Löwen legen; wie der Löwe [auf sein Opfer] tritt und frißt, ohne Scham zu haben, ebenso verfährt ein Mann aus dem gemeinen Volke; er schlägt sie und vollzieht den Beischlaf, ohne Scham zu haben.

9Es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Brauchten sie uns nicht geschäftlich, so würden sie uns erschlagen haben.

10R. Ḥija lehrte: Wenn jemand in Gegenwart eines Mannes aus dem gemeinen Volke sich mit der Tora befaßt, so ist es ebenso, als würde er seiner Verlobten in seiner Gegenwart beiwohnen, denn es heißt:die Tora hat uns Moše anbefohlen, ein Erbteil, und man lese nicht moraša [Erbteil], sondern meórasa [Verlobte].

11Größer ist der Haß der Leute aus dem gemeinen Volke gegen einen Schriftgelehrten, als der Haß der weltlichen Völker gegen Jisraél, und noch größer als ihrer ist der ihrer Frauen. Es wird gelehrt: Schlimmer ist als jene, wer [die Tora] studiert und sich von ihr zurückgezogen hat.

12Die Rabbanan lehrten: Sechserlei sagten sie von den Leuten aus dem gemeinen Volke: man vertraue ihm keine Zeugenaussage an, man nehme von ihm keine Zeugenaussage entgegen, man vertraue ihm kein Geheimnis an, man wähle ihn nicht zum Vormunde für Waisen, man wähle ihn nicht zum Vorsteher einer Almosenkasse und man schließe sich ihm nicht auf der Reise an; manche sagen, man mache auch einen ihm gehörenden Fundnicht bekannt. –

13Und der erste Tanna!?–Es kann vorkommen, daß von ihm geratene Kinder hervorgehen, die davon genießen würden, wie es heißt :der Frevler speichert auf, aber der Fromme kleidet sich.

14DESGLEICHEN MUSS, WER VERLASSEN HAT &C.

15Demnach ist R. Meír der Ansicht, [ein Quantum von] Eigröße sei von Bedeutung, und R. Jehuda ist der Ansicht, auch eines von Olivengröße sei von Bedeutung. Ich will auf einen Widerspruch hinweisen: Wieviel muß man gegessen haben, um zum gemeinsamen Tischsegenmitgezählt zu werden? Bis zum Quantum einer Olive; R. Jehuda sagt, bis zum Quantum eines Eies!?

16R. Joḥanan erwiderte: Die Ansichten sind zu vertauschen.

17Abajje erwiderte: Tatsächlich brauchst du sie nicht zu vertauschen. Da streiten sie über [den Sinn] des Schriftverses, hier aber streiten sie über eine Auffassung. Da streiten sie über [den Sinn] des Schriftverses: R. Meír erklärt:wenn du gegessen, dies beziehe sich auf das Essen,und dich gesättigt, dies beziehe sich auf das Trinken, und Essen heißt es beim Quantum einer Olive, und R. Jehuda erklärt: wenn du gegessen und dich gesättigt hast, ein Essen, das sättigend ist, und dies ist es erst beim Quantum eines Eies.

18Hier streiten sie über eine Auffassung: R. Meír ist der Ansicht, [das Quantum] zur Rückkehr gleiche [dem Quantum] zur Verunreinigung; wie zur Verunreinigungsfähigkeit Eigröße erforderlich ist, ebenso ist zur Rückkehr Eigröße erforderlich, und R. Jehuda ist der Ansicht, [das Quantum] zur Rückkehr gleiche

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.