Pessachim — Blatt 52a
1dennoch verrichte ich [am zweiten Festtage] in bewohnten Orten keine Arbeit, um Zwietracht zu vermeiden; wie ist es aber in der Wüste? Dieser erwiderte: So sagte R. Ami: in bewohnten Orten ist es verboten, in der Wüste ist es erlaubt.
2R. Nathan b. Asja ging am zweiten Tage des Wochenfestes aus dem Lehrhause nach Pumbeditha, und R. Joseph tat ihn in den Bann. Da sprach Abajje zu ihm: Der Meister sollte ihn geißeln lassen! Dieser erwiderte: Ich bestrafte ihn noch mehr. Im Westen pflegen sie nämlich über die Geißelung eines Schülers des Lehrhauses abzustimmen, nicht aber über den Bannsteines solchen.
3Manche sagen, R. Joseph ließ ihn geißeln, und Abajje sprach zu ihm: Der Meister sollte ihn in den Bann tun, denn Rabh und Šemuél sagten beide, daß man wegen [der Entweihung] der beiden Festtage der Diaspora in den Bann tue. Dieser erwiderte: Dies gilt nur von einem einfachen Menschen, dieser aber ist ein Schüler des Lehrhauses, und ich bestrafte ihn mit dem, was für ihn leichter ist. Im Westen pflegen sie nämlich über die Geißelung eines Schülers des Lehrhauses abzustimmen, nicht aber über den Bann eines solchen.
4DESGLEICHEN MUSS, WER SIEBENTJAHRSFRÜCHTE BRINGT &C. Hält denn R. Jehuda nichts von dem, was wir gelernt haben, man lege ihm die Erschwerungen des Ortes auf, den er verlassen hat, und die Erschwerungen des Ortes, in den er gekommen ist!?
5R. Šiša, Sohn des R. Idi, erwiderte: R. Jehuda lehrt ganz was anderes, (und zwar meint er es wie folgt:) Oder aus einem Orte, da sie noch nicht zuende sind, nach einem Orte, da sie noch nicht zuende sind, und hört, daß sie in seinem Orte zuende sind, so muß er sie fortschaffen. Hierzu sagte R. Jehuda: Gehauch du hin und hole sie von da, wo sie noch vorhanden und noch nicht zuende sind. –
6Demnach wäre R. Jehuda erleichternd, aber R. Elea͑zar sagte ja, R. Jehuda lehre dies erschwerend!? – Wende es vielmehr um: so braucht eres nicht fortzuschaffen. Hierzu sagte R. Jehuda: Gehauch du und hole sie von da, woher du sie gebracht hast, und da sind sie nicht mehr vorhanden.
7Abajje erwiderte: Tatsächlich, wie er zuerst lehrte, nur meint er es wie folgt: oder aus einem Orte, da sie noch nicht zuende sind, nach einem Orte, da sie zuende sind, und er sie zurück nach dem früheren Orte bringt und sie noch nicht zuende sind, so braucht er es nicht fortzuschaffen. Hierzu sagte R. Jehuda: Geh auch du und hole sie von da, woher du sie [jetzt] gebracht hast, und da sind sie zuende.
8R. Aši wandte ein: Hat sie nach R. Jehuda denn der Rücken des Esels aufgenommen!? Vielmehr, erklärte R. Aši, führen sie den Streit der Tannaím der folgenden Lehre: Wenn jemand dreierlei Kräuter in ein Faß eingelegt hat, so darf er [im Siebentjahre], wie R. Elie͑zer sagt, davon essen, solange noch die erste Art,
9und wie R. Jehošua͑ sagt, auch solange noch die letzte Art [auf dem Felde] vorhanden ist; R. Gamliél sagt, sobald eine Art nicht mehr auf dem Felde ist, schaffe er sie auch aus dem Fasse fort. Die Halakha ist wie seine Ansicht.
10Rabina erklärte: Sie führen den Streit der Tannaím der folgenden Lehre: Man darf solange Datteln essen, bis die letzte in Çoa͑rzuende ist; R. Šimo͑n b. Gamliél sagt,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.