Pessachim — Blatt 57a
1Demnach sind es drei Tannaím? – Nein, es sind nur zwei Tannaím; der erste Tanna gegen R. Šimo͑n ist R. Jose, und der erste Tanna gegen R. Jose ist R. Šimo͑n; das ‘auch’ bezieht sich auf das erstere.
2Die Rabbanan lehrten: Einst ließ Ben Bohajan den Eckenlaß von Grünkraut zurück; als aber sein Vater kam und die Armen am Eingang des Gartens mit Grünkraut beladen traf, sprach er zu ihnen: Kinder, werfet es fort, und ich werde euch doppelt soviel von Verzehntetem geben; nicht etwa, weil ich knauserig bin, sondern weil die Weisen gesagt haben, man lasse von Grünkraut keinen Eckenlaß zurück. –
3Wozu brauchte er ihnen zu sagen: nicht etwa, weil ich knauserig bin!? – Damit sie nicht glauben sollten, er wolle sie nur abweisen.
4Die Rabbanan lehrten: Früher ließ man die Felle der Opfer in der Parvakammerliegen, und abends verteilte man sie an die Mitglieder der Familienwache; da aber die Gewaltkräftigen sie mit Gewalt nahmen, ordnete man an, sie an jedem Vorabend des Šabbaths zu verteilen, wo alle Priesterwachen zusammen kamen und sie in Empfang nahmen.
5Aber noch waren es die Großen der Priesterschaft, die sie mit Gewalt nahmen, da taten sich die Eigentümerzusammen und weihten sie dem Himmel.
6Man erzählt, daß man nach Verlauf von wenigen Tagen den ganzen Tempel mit Goldplattenverkleidete, die eine Elle zu einer Elle groß und wie ein Golddenar dick waren. Am Feste pflegte man sie abzunehmen und auf Gestellen auf dem Tempelberge aufzustellen, damit die Wallfahrer sehen, wie schön und tadellos die Arbeit sei.
7Es wird gelehrt: Abba Šaúl erzählte: In Jeriḥo befanden sich Sykomorenstämme, und die Gewaltkräftigen pflegten sie mit Gewalt zu nehmen; da taten sich die Eigentümer zusammen und weihten sie dem Himmel.
8Über Leute ihresgleichen sprach Abba Šaúl b.Boṭnith im Namen des Abba Joseph b. Ḥanin: Wehe mir vor der Familie Boëthos, wehe mir vor ihren Knütteln; wehe mir vor der Familie Ḥanin, wehe mir vor ihrem Getuschel; wehe mir vor der Familie Kathros, wehe mir vor ihrem Schreibrohre; wehe mir vor der Familie Jišma͑él b.Phabi, wehe mir vor ihrer Faust. Sie selbst waren Hochpriester, ihre Söhne waren Schatzmeister, ihre Schwiegersöhne waren Tempelherren, und ihre Diener schlugen das Volk mit Stöcken.
9Die Rabbanan lehrten: Vier Schreie stieß der Tempelhof aus. Der erste [Schrei]: Hinaus von hier. Söhne E͑lis, die ihr den Tempel des Herrn verunreinigt habt! Ferner schrie er: Hinaus von hier, Jissakhar aus Kephar Barqaj, der du dich selbst ehrst und die Heiligtümer des Himmels entweihest! Er pflegte nämlich seine Hände in Seide zu wickeln und den Tempeldienst zu verrichten.
10Femer schrie der Tempelhof: Erhebt, ihr Tore, euere Häupter, damit Jišma͑él b. Phabi, Schüler des Pinḥas, eintrete und ab Hochpriester fungiere! Ferner schrie der Tempelhof: Erhebt, ihr Tore, euere Häupter, damit Joḥanan b.Narbaj, Schüler des Panqaj, eintrete und seinen Bauch mit den Heiligtümern des Himmels fülle!
11Man erzählt von Joḥanan b.Narbaj, daß er zum Essen dreihundert Kälber, zum Trinken dreihundert Krüge Wem und zum Nachtisch vierzig Seá junger Tauben verbrauchte. Man erzählt [ferner], daß während aller Tage des Joḥanan b. Narbaj kein Übriggebliebenes sich im Tempel befand. – Was geschah dem Jissakhar aus Kephar Barqaj? – Man erzählt folgendes. Der König und die Königin saßen [und stritten]: der König sagte, ein Böckchen sei besser, und die Königin sagte, ein Lämmchen sei besser. Alsdann sagten sie, der Hochpriester möge entscheiden, denn er bringt jeden Tag Opfer dar. Als er kam,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.