Pessachim — Blatt 75b

1an dem Orte, wo man die Asche hinschüttet, soll er verbrannt werden!? — Ich will dir sagen: dieses verbrennen ist für folgende Lehre nötig: Soll er verbrannt werden, auch wenn da keine Asche vorhanden ist; soll er verbrannt werden, auch wenn der größere Teil vom Feuer erfaßt worden ist.

2Rabina erklärte: Liesbeidein Verbindung: Am Feuer verbrannt; ich. weiß dies nur von dem Falle, wenn am Feuer oder an einer Kohle verbrannt, woher dies von dem Falle, wenn an heißer Asche, brennendem Kalk, brennendem Gips und jeder anderen vom Feuer kommenden Sache, was auch am Feuer erhitztes Wasser einschließt? Es heißt zweimal verbrannt, einschließend.

3Raba wies auf einen Widerspruch hin: Kann Rabbi denn gesagt haben, Kohlen gelten als Feuer, ich will auf einen Widerspruch hinweisen:Kohlen, man könnte glauben, verglimmende, so heißt esFeuer; unter Feuer könnte man eine Feuerflamme verstehen, so heißt es Kohlen; wie ist dies zu erklären? Er hole von den glühenden. Kohlen gelten also nicht als Feuer!? —

4Ich will dir sagen: diese Lehre widerspricht sich ja selbst: zuerst heißt es, unter Kohlen könnte man verglimmende verstehen, wonach glühende Kohlen als Feuer gelten, dagegen heißt es im Schlußsatze: unter Feuer könnte man eine Feuerflamme verstehen, so heißt es Kohlen, wonach auch glühende nicht als Feuer gelten!?

5R. Šešeth erwiderte: Er meint es wie folgt: Kohlen, man könnte glauben, sowohl verglimmende als auch glühende, so heißt es Feuer; unter Feuer könnte man eine Feuerflamme verstehen, so heißt es Kohlen; wie ist dies zu erklären? Er hole von den glühenden. Immerhin gelten Kohlen nicht als Feuer, somit widerspricht dies ja der Ansicht Rabbis!?

6Abajje erwiderte: Erkläre es wie folgt: Kohlen, man könnte glauben verglimmende und nicht glühende, so heißt es Feuer; unter Feuer könnte man verstehen, er dürfe entweder eine Feuerflamme oder Kohlen holen, so heißt es Kohlen; wie ist dies zu erklären? Er hole von den glühenden.

7Raba sprach: Wieso kann man entweder Kohlen oder eine Feuerflamme holen, ist denn eine Feuerflamme ohne Kohlen möglich!? — Wenn man eine Sache mit Öl bestreicht und sie anzündet. — Wozu ist denn wegen eines solchen Falles ein Schriftvers nötig, wenn man solches nicht einmal für einen König aus Fleisch und Blut tut, um wieviel weniger für den König der Könige, den Heiligen, gepriesen sei er!?

8Vielmehr, sagte Raba, erkläre man es wie folgt: Kohlen, man könnte glauben verglimmende und nicht glühende, so heißt es Feuer; unter Feuer könnte man verstehen, die Hälfte Kohle und die Hälfte Feuerflamme, sodaß es, bis er [in das Allerheiligste] kommt, ganz Kohle ist, so heißt es:er nehme eine Pfanne voll Feuerkohlen vom Altar, schon beim Nehmen müssen es Kohlen sein.

9Sie fragten: Heißt es Omemothoder O͑memoth? R. Jiçḥaq erwiderte:Zedern verdunkeln [a͑memahu] ihn nicht im Garten Gottes.

10BERÜHRTE [DAS PESAḤOPFER] DEN TONDES OFENS, SO KRATZE MAN DIESE STELLE AB; TROPFTE VON SEINEM SAFTE AUF DEN TON UND VON DIESEM ZURÜCK [AUF DAS PESAḤOPFER], SO ENTFERNE MAN DIESE STELLE; TROPFTE ETWAS VON SEINEM SAFTE AUF MEHL, SO HEBE MAN DIESE STELLE AB.

11HAT MAN ES MIT ÖL VON HEBE BESTRICHEN, SO DÜRFEN SIE, WENN ES EINE GESELLSCHAFT VON PRIESTERN IST, ES ESSEN, WENN ABER VON JISRAÉLITEN, SO MUSS MAN, WENN ES ROH IST, ES ABSPÜLEN, UND WENN SCHON GEBRATEN, DAS ÄUSSERE WEGSCHÄLEN. HAT MAN ES MIT ÖL VOM ZWEITEN ZEHNTEN BESTRICHEN, SO KANN MAN VON DEN MITGLIEDERN DER GESELLSCHAFT KEINEN ERSATZ VERLANGEN, WEIL MAN IN JERUŠALEM DEN ZWEITEN ZEHNTEN NICHT AUSLÖSEN DARF.

12GEMARA. Es wurde gelehrt: Heißes in Heißesist nach aller Ansicht

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.