Pessachim — Blatt 76a
1verboten, Kaltes in Kaltes ist nach aller Ansicht erlaubt, [kommt aber] Heißes in Kaltes oder Kaltes in Heißes, so hat, wie Rabh sagt, das Obere, und wie Šemuél sagt, das Untere gesiegt. —
2Wir haben gelernt: Tropfte von seinem Safte auf den Ton und von diesem zurück [auf das Pesaḥopfer], so entferne man diese Stelle. Der Fragende glaubte, auf den kalten Ton. Allerdings muß man nach Rabh, welcher sagt, das Obere siege, diese Stelle entfernen, denn der Saft erhitzt den Ton, dann erhitzt der Ton den Saft, und wenn der Saft auf das Pesaḥopfer kommt, wird es durch die Hitze des Tones gebraten, und der Allbarmherzige sagt:am Feuer gebraten, nicht aber an etwas anderem gebraten;
3weshalb aber braucht man nach Šemuél, welcher sagt, das Untere siege, diese Stelle zu entfernen, wenn der Ton kalt ist, kühlt er ja den Saft ab!? — Wie R. Jirmeja im Namen Šemuéls erklärt hat, wenn das Mehl heiß ist, ebenso auch hierbei, wenn der Ton heiß ist. —
4Wir haben gelernt: Tropfte etwas von seinem Safte auf Mehl, so hebe man diese Stelle ab. Der Fragende glaubte, auf kaltes Mehl. Allerdings muß man nach Rabh, welcher sagt, das Obere siege, diese Stelle abheben, denn [der Saft] erhitzt das Mehl ringsum, dann erhitzt das Mehl [den Saft], somit wird der Saft durch die Hitze des Mehls gebraten, und der Allbarmherzige sagt: am Feuer gebraten, nicht aber an etwas anderem gebraten;
5weshalb aber braucht man nach Šemuél, welcher sagt, das Untere siege, diese Stelle abzuheben, wenn das Mehl kalt ist, kühlt es ja!? R. Jirmeja erwiderte im Namen Šemuéls: Wenn das Mehl heiß ist. —
6Wir haben gelernt: Hat man es mit öl von Hebe bestrichen, so dürfen sie, wenn es eine Gesellschaft von Priestern ist, es essen, wenn aber von Jisraéliten, so muß man, wenn es roh ist, es abspülen, und wenn schon gebraten, das Äußere wegschälen. Allerdings genügt nach Rabh, welcher sagt, das Obere siege, das Wegschälen, weil das obere [Öl] kalt ist;
7wieso aber genügt nach Šemuél, welcher sagt, das Untere siege, das Wegschälen, [das Opfer] ist ja heiß und saugt [das Öl] ein, und es sollte ganz verboten sein!? — Anders ist das Bestreichen, es wirkt nur minimal.
8Übereinstimmend mit Šemuél wird gelehrt: Heißes in Heißes ist verboten, ebenso ist es verboten, wenn man Kaltes in Heißes tut; tut man Heißes in Kaltes oder Kaltes in Kaltes, so spüle man es ab. —
9Wieso genügt, wenn Heißes in Kaltes, das Abspülen: da es vor dem Abkühlen warm ist, so ist es ja nicht möglich, daß es nicht etwas einsaugt, somit sollte man es doch wenigstens abschälen müssen!? — Lies vielmehr: wenn Heißes in Kaltes, so schäle man es ab, wenn Kaltes in Kaltes, so spüle man es ab. —
10Ein Anderes lehrt: Wenn kochendes Fleisch in kochende Milch kommt, oder wenn kaltes in heiße kommt, so ist es verboten; wenn aber heißes in kalte oder kaltes in kalte, so spüle man es ab. — Wieso genügt, wenn heißes in kalte, das Abspülen: da es vor dem Abkühlen warm ist, so ist es ja nicht möglich, daß es nicht etwas einsaugt, somit sollte man es doch wenigstens abschälen müssen!? — Lies vielmehr: wenn heißes in kalte, schäle man es ab, wenn kaltes in kalte, so spüle man es ab.
11Der Meister sagte: Wenn kaltes in kalte, so spüle man es ab. R. Hona sagte: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn man es nicht gesalzen hat, hat man es aber gesalzen, so ist es verboten, denn Šemuél sagte, Gesalzenes gleiche Kochendem, und [in Essig] Eingelegtes gleiche Gekochtem.
12Raba sagte: Das, was Šemuél gesagt hat, Gesalzenes gleiche Kochendem, bezieht sich nur auf den Fall, wenn es nicht mit dem Salze gegessenwird, nicht aber, wenn es mit dem Salze gegessen wird.
13Einst fiel eine junge Taubein einen Krug mit Quarkbrei, und R. Ḥenana, der Sohn Rabas, aus Paršunja erlaubte ihn.
14Da sprach Raba: Wer außer R. Ḥenana, dem Sohne Rabas, aus Paršunja, der ein sehr bedeutender Mann ist, ist so weise, solches zu erlauben. Er sagt nämlich, die Lehre Šemuéls, Gesalzenes gleiche Kochendem, gelte nur von dem Falle, wenn es nicht mit dem Salze gegessen wird, dieser aber wird mit dem Salze gegessen.
15Dies gilt jedoch nur von Rohem, Gebratenes aber benötigt des Abschälens. Ferner gilt dies nur dann, wenn es keine Spältchen hat, hat es aber Spältchen, ist es ganz verboten. Ferner ist es auch verboten, wenn es gewürzt ist.
16Rabh sagte:
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.