Pessachim — Blatt 79a
1Wenn du aber willst, sage ich: Rabh ist der Ansicht R. Jehošua͑s, denn es wird gelehrt: R. Jehošua͑ sagte: Das Blut aller in der Tora genannten Schlachtopfer sprenge man, einerlei, ob das Fleisch unrein geworden und das Fett erhalten ist oder das Fett unrein geworden und das Fleisch erhalten ist;
2beim Naziräer und dem Darbringer des Pesaḥopfers aber sprenge man das Blut nur dann, wenn das Fett unrein geworden und das Fleisch erhalten ist, nicht aber sprenge man das Blut, wenn das Fleisch unrein geworden und das Fett erhalten ist; hat man es gesprengt, so ist [das Opfer] wohlgefällig.
3Sind die Eigentümer durch eine Leiche unrein geworden, so sprenge man es nicht; hat man es gesprengt, so ist [das Opfer] nicht wohlgefällig.
4BEI ANDEREN GEHEILIGTEN [OPFERN] IST ES NIGHT SO &C. Wessen Ansicht vertritt unsere Mišna? —
5Die des R. Jehošua͑, denn es wird gelehrt: R. Jehošua͑ sagte: Wenn von irgend einem in der Tora genannten Schlachtopfer ein olivengroßes Stück Fleisch oder ein olivengroßes Stück Fett zurückbleibt, so sprenge man das Blut, wenn aber eine halbe Olive Fleisch und eine halbe Olive Fett, so sprenge man das Blut nicht;
6vom Brandopfer aber sprenge man das Blut, auch wenn nur eine halbe Olive Fleisch und eine halbe Olive Fett zurückbleibt, weil dieses vollständig verbrannt wird; ist nur das Nebenopfer vorhanden, selbst vollständig, so sprenge man nicht. —
7Was hat das Nebenopferdamit zu tun!? R. Papa erwiderte: Das Gußopfer; man könnte glauben, dieses gleiche, da es vom Schiachtopferkommt, dem Schlachtopfer selbst, so lehrt er uns. —
8Woher dies vom Fett? R. Joḥanan erwiderte im Namen R. Jišma͑éls, und wie manche hinneigen, im Namen des R. Jehošua͑ b.Ḥananja: Die Schrift sagt:er soll das Fett aufräuchern zum lieblichen Geruche für den Herrn, das Fett, auch wenn das Fleisch nicht mehr vorhanden ist. —
9Wir wissen dies vom Fett, woher dies vom Anhängsel der Leber und den zwei Nieren? —
10Wo sagen wir denn, daß man [beim Vorhandensein dieser das Blut] sprenge!? — Er lehrt, daß, wenn nur das Nebenopfer vorhanden ist, selbst vollständig, man nicht sprenge; nur dann nicht, wenn nur das Nebenopfer, wohl aber, wenn das Anhängsel der Leber und die zwei Nieren. — Woher dies?
11R. Joḥanan erwiderte in seinem eigenen Namen: Die Schrift sagt: zum lieblichen Geruche; was du darbringst, ist zum lieblichen Geruche.
12Und sowohl [das Wort] Fett, als auch [die Worte] zum lieblichen Geruche sind nötig. Würde der Allbarmherzige nur Fett geschrieben haben, so könnte man glauben, nur das Fett, nicht aber das Anhängsel der Leber und die zwei Nieren, daher schrieb er auch zum lieblichen Geruche. Und würde der Allbarmherzige nur zum lieblichen Geruche geschrieben haben, so könnte man glauben, alles, was zum lieblichen Geruche auf den [Altar kommt], auch das Nebenopfer, daher schrieb er auch Fett.
13IST DIE GEMEINDE ODER IHRE MEHRHEIT UNREIN, ODER SIND DIE PRIESTER UNREIN UND DIE GEMEINDE REIN, SO IST [DAS PESAḤOPFER] IN UNREINHEIT HERZURICHTEN; IST DIE MINDERHEIT DER GEMEINDE UNREIN, SO RICHTEN DIE REINEN DAS ERSTE UND DIE UNREINEN DAS ZWEITE [PESAḤFEST] HER.
14GEMARA. Die Rabbanan lehrten: Sind die Jisraéliten unrein, die Priester und die Dienstgeräte aber rein, oder die Jisraéliten rein, die Priester und die Dienstgeräte aber unrein, oder selbst wenn die Jisraéliten und die Priester rein und nur die Dienstgeräte unrein sind, so ist [das Pesaḥopfer] in Unreinheit herzurichten, weil das Gemeindeopfer nicht geteilt wird.
15R. Ḥisda sagte: Dies lehrten sie nur von dem Falle, wenn das Schlachtmesser an einem Leichenunreinen unrein wurde, denn da der Allbarmherzige sagt:einen Schwerterschlagenen, das Schwert gleicht dem Erschlagenen,
16so macht es die Person unrein, und die Herrichtung erfolgt bei mit der Ausrottung bedrohter Unreinheit des Körpers;
17wenn aber das Messer durch ein Kriechtier unrein wurde, in welchem Falle es nur das Fleisch unrein macht und nicht die Person, richten es nur die Reinen und nicht die Unreinen her, denn lieber werde unreines Fleisch gegessen, was nur verboten ist, als [geheiligtes] Fleisch bei Unreinheit des Körpers, was mit der Ausrottung belegt ist.
18Demnach ist R. Ḥisda der Ansicht, die Unreinheit werde bei einer Gemeinde nur verdrängt. Ebenso sagt auch R. Jiçḥaq, die Unreinheit werde bei einer Gemeinde nur verdrängt.
19Raba aber sagte: Auch die Unreinen richten es her, denn es heißt:auch Fleisch, das mit irgend etwas Unreinem in Berührung gekommen ist, darf nicht gegessen werden, sondern ist zu verbrennen; was aber das Fleisch [betrifft], so darf jeder Reine das Fleisch essen;
20in einem Falle, wo das Verbot, mit Unreinem in Berührung gekommenes Fleisch zu essen, nicht anwendbar ist, gilt auch nichtdie Vorschrift, nur jeder Reine darf das Fleisch essen, und in einem Falle, wo das Verbot, mit Unreinem in Berührung gekommenes Fleisch zu essen, anwendbar ist, gilt auch die Vorschrift, nur jeder Reine darf das Fleisch essen.
21Es wurde gelehrt: Sind die Jisraéliten zur Hälfte rein und zur Hälfte unrein, so gilt, wie Rabh sagt, jede Hälfte als Mehrheit, und wie R. Kahana sagt, jede Hälfte nicht als Mehrheit.
22Rabh sagt, jede Hälfte gelte als Mehrheit, somit richte die eine für sich und die andere für sich [das Pesaḥopfer] her, und R. Kahana sagt, jede Hälfte gelte nicht als Mehrheit, somit richten die Reinen das erste und die Unreinen das zweite [Pesaḥfesther.
23Manche lesen: R. Kahana sagt, die Hälfte gelte nicht als Mehrheit, somit richten die Reinen das erste Pesaḥfest her,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.