Pessachim — Blatt 80a
1du darfst das Pesaḥopfer nicht in einerdeiner Ortschaften schlachten.
2R. Šimo͑n sagt, selbst wenn nur ein Stamm unrein ist und alle übrigen rein, richten es diese für sich und jene für sich her. — Was ist der Grund R. Šimo͑ns? — Er ist der Ansicht, ein Stamm heiße Gemeinde. R. Jehuda sagt, selbst wenn nur ein Stamm unrein ist und alle übrigen rein, sei es in Unreinheit herzurichten, weil das Gemeindeopfer nicht geteilt wird.
3R. Jehuda ist nämlich der Ansicht, ein Stamm heiße Gemeinde, somit sind sie Hälfte gegen Hälfte, und da das Gemeindeopfer nicht geteilt wird, richten es alle in Unreinheit her.
4Es wurde gelehrt: Sind die Jisraéliten zur Hälfte rein und zur Hälfte unrein, so verunreinige man, wie Rabh sagt, einen mit einem Kriechtiere. —
5Weshalb denn, sollten es doch diese für sich und jene für sich herrichten, denn Rabh sagte ja auch, daß es diese für sich und jene für sich herrichten!? — Ich will dir sagen, hier handelt es sich um den Fall, wenn die Unreinen um einen mehr sind als die Reinen. —
6Demnach sind ja die Unreinen in der Mehrheit und man sollte es [ohnehin] in Unreinheit darbringen!? — Er ist der Ansicht des R. Elea͑zar b. Mathja, daß nämlich eine Person für die Unreinheit der Gemeinde nicht den Ausschlag gebe. — Demnach bleibt ja unser Einwand bestehen: sollten es diese für sich und jene für sich herrichten!? —
7Vielmehr, er meint es wie folgt: gibt es jemand, der der Ansicht des ersten Tanna ist, daß, wenn sie Hälfte gegen Hälfte sind, es nicht alle in Unreinheit darbringen, und auch der Ansicht R. Jehudas, daß das Gemeindeopfer nicht geteilt werde, so verunreinige man einen mit einem Kriechtiere. —
8U͑la aber sagte, man schicke einen auf eine weite Reisefort. — Mache man ihn doch mit einem Kriechtiere unrein!? —
9Er ist der Ansicht, man dürfe für einen Kriechtierunreinen schlachten und [das Blut] sprengen. —
10Mache man ihn doch mit einer Leiche unrein!? — So entziehst du ihn auch dem Festopfer. —
11Aber auch jetzt entziehst du ihn ja dem Pesaḥopfer!? — Dieses kann er am zweiten [Pesaḥfeste] herrichten. —
12Auch [bei Verunreinigung] durch eine Leiche kann er ja [das Festopfer] am siebenten [Festtage], seinem achten [Unreinheitstage], darbringen!? —
13U͑la ist der Ansicht, sieseien sämtlich ein Ersatz des ersten: wer am ersten [Tage] zulässig war, ist auch an den übrigen zulässig, wer am ersten nicht zulässig war, ist auch an den übrigen nicht zulässig.
14R. Naḥman sprach zu seinen Hausleuten: Geht und sagt U͑la: wer wird [auf dich] hören, seine Pfähle und seine Hütte niederzureißen und auszuwandern!?
15Es wurde gelehrt: Ist die Mehrheit flußbehaftet und die Minderheit leichenunrein, so richten es, wie Rabh sagt, die Leichenunreinen weder am ersten [Pesaḥfeste] noch am zweiten her;
16am ersten richten sie es nicht her, weil sie in der Minderheit sind und die Minderheit es am ersten nicht herrichtet, am zweiten richten sie es ebenfalls nicht her, denn wenn die Gemeinde es am ersten herrichtet, richtet der einzelne es am zweiten her, wenn aber die Gemeinde es nicht am ersten herrichtet, richtet es auch der einzelne nicht am zweiten her.
17Šemuél sprach: Geht und sagt Abba: was machst du mit [dem Schriftverse]:die Kinder Jisraél sollen das Pesaḥfest zur festgesetzten Zeit herrichten!? Dieser erwiderte: Geht und sagt ihm: was machst du mit diesem, wenn alle flußbehaftet sind!? Vielmehr, wenn es nicht möglich ist, ist es eben nicht möglich, und auch hierbei ist es nicht möglich.
18Es wurde gelehrt: Ist die Mehrheit leichenunrein und die Minderheit flußbehaftet,
19so gibt es, wie R. Hona sagt, keinen Ersatz für das Pesaḥopfer, das in Unreinheit dargebracht wird; R. Ada b.Ahaba sagt, es gebe einen Ersatz für das Pesaḥopfer, das in Unreinheit dargebracht wird.
20Ihr Streit besteht wahrscheinlich in folgendem: derjenige, welcher sagt, es gebe keinen Ersatz für das Pesaḥopfer, das in Unreinheit dargebracht wird, ist der Ansicht, die Unreinheit werde bei einer Gemeinde nur verdrängt,
21und derjenige, welcher sagt, es gebe einen Ersatz für das Pesaḥopfer, das in Unreinheit dargebracht wird, ist der Ansicht, die Unreinheit werde bei einer Gemeinde aufgehoben. —
22Nein, alle sind der Ansicht, die Unreinheit werde bei der Gemeinde nur verdrängt, und ihr Streit besteht vielmehr in folgendem: einer ist der Ansicht,
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.