Pessachim — Blatt 94b

1Sohnessohn des gottlosen Nimrod, der während seiner Regierung die ganze Welt gegen mich auf gewiegelt hatte ! Wie lange währt das menschliche Leben? Siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, achtzig Jahre. So heißt es:unser Leben währt siebzig Jahre, und wenn es hoch kommt, achtzig Jahre.

2Fünfhundert Jahre beträgt [der Raum] von der Erde bis zum Himmel, fünfhundert Jahre beträgt die Dicke des Himmels, fünfhundert Jahre beträgt [der Raum] von einem Himmel zum anderen, und ebensoviel auch alle übrigenHimmel. Aber in die Unterwelt wirst du hinabgestürzt, in die tiefunterste Grube!? – Dies ist eine Widerlegung.

3Die Rabbanan lehrten: die Weisen der Jisraéliten sagen, der Tierkreisstehe fest und die Sternbilder bewegen sich im Kreise, und die Weisen der weltlichen Völker sagen, der Tierkreis drehe sich und die Sternbilder stehen fest. Rabbi sagte: Gegen ihre Ansicht ist einzuwenden: noch nie haben wir Wagenim Süden und Skorpion im Norden angetroffen.

4R. Aḥa b. Ja͑qob wandte ein: Vielleicht wie die Achse eines Mühlsteinesoder wie die Angel einer Tür. –

5Die Weisen Jisraéls sagen, die Sonne wandle am Tage unter dem Himmel und in der Nacht über dem Himmel, und die Weisen der weltlichen Völker sagen, die Sonne wandle am Tage unter dem Himmel und in der Nacht unter der Erde. Ihre Ansicht ist einleuchtender als unsere, denn am Tage sind die Quellen kalt, in der Nacht aber warm.

6Es wird gelehrt: R. Nathan sagte: Im Sommer wandelt [die Sonne] am Höhepunkt des Himmels, daher ist die ganze Welt warm, die Quellen aber kalt, in der Regenzeit wandelt die Sonne am Rande des Himmels, daher ist die ganze Welt kalt, die Quellen aber warm.

7Die Rabbanan lehrten: In vier Bahnen wandelt die Sonne: Nisan, Ijar und Sivan wandelt sie über den Bergen, um die Schneemassen zu schmelzen. Tamuz, Ab und Elul wandelt sie über dem Kontinent, um die Früchte zu reifen, Tišri, Marḥešvan und Kislev wandelt sie über den Gewässern, um die Flüsse zu trocknen, Ṭebeth, šebaṭ und Adar wandelt sie über der Wüste, um die Saaten nicht zu verdorren.

8R. ELIE͑ZER SAGT, AUSSERHALB DER SCHWELLE &C. Obgleich er noch eintreten kann, und man fordert ihn nicht zum Eintreten auf, und [dem widersprechend] wird gelehrt, daß, wenn ein Unbeschnittener sich nicht beschneidenläßt, er, wie R. Elie͑zer sagt, sich der Ausrottung schuldig mache!?

9Abajje erwiderte : Das Gesetz von der weiten Reise gilt nur für den Reinen und nicht für den Unreinen.

10Raba erwiderte : Hierüber [streiten] Tannaím, denn es wird gelehrt: R. Elie͑zer sagte: Sowohl beim Pesaḥopfer als auch beim [zweiten] Zehntenwird von einer weiten Reise gesprochen, wie nun da außerhalb des Ortes, da er zu essen ist, ebenso hier, außerhalb des Ortes, da es zu essenist.

11R. Jose b. R. Jehuda sagte im Namen R. Elie͑zers: Außerhalb des Ortes, da es herzurichtenist.

12Wessen Ansicht vertritt das, was R. Jiçḥaq b. R. Joseph gesagt hat, daß man sich bei [der Zählung] der Unreinen nach der im Tempelhofe befindlichen Mehrheit richte? Die des R. Jose b. R. Jehuda, der im Namen R. Elie͑zers lehrte.

13R. JOSE SAGTE: DESHALB &C. Es wird gelehrt : R. Jose der Galiläer sagte : Unter Reise könnte man eine Reise von zwei oder drei Tagen verstehen, daher heißt es : und auf der Reise war er nicht, und dies besagt, daß es schon über die Schwelle des Tempelhofes hinaus Reise heiße.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.