Pessachim — Blatt 94a

1gegen R. Jehuda ist ebenfalls kein Einwand zu erheben, denn der Allbarmherzige hat den Kriechtierunreinen zurückgesetzt, denn es heißt:wenn irgend jemand unrein sein sollte durch eine Leiche, und dies gilt auch von dem Falle, wenn dessen siebenter Tagauf den Vorabend des Pesaḥfestes fällt, und der Allbarmherzige sagt, daß er zurückgesetzt werde.

2Die Rabbanan lehrten: Man könnte glauben, wer sich auswärts von Modai͑m befindet, jedoch mit Pferden und Maultieren [rechtzeitig im Tempelhofe] sein kann, sei schuldig, so heißt es:und sich nicht auf einer Reise befindet, während dieser sich auf einer Reise befindet.

3Man könnte glauben, wer sich einwärts von Modai͑m befindet, jedoch wegen der ihn aufhaltenden Kamele und Wagen nicht [rechtzeitig im Tempelhofe] sein kann, sei nicht schuldig, so heißt es: und sich nicht auf einer Reise befindet, und dieser befindet sich nicht auf einer Reise.

4Raba sagte: Das Weltall hat sechstausend Parasangen und die Dicke des Himmels hat tausend Parasangen. Das eine ist eine Überlieferung, und das andere ist eine Ansicht.

5Er ist nämlich der Ansicht R. Joḥanans, in dessen Namen Rabba b. Bar Ḥana sagte, ein durchschnittlicher Mensch gehe zehn Parasangen im Tage, fünf Mil von Anbruch der Morgenröte bis Sonnenaufgang und fünf Mil von Sonnenuntergang bis zum Hervortreten der Sterne. Die Dicke des Himmels beträgt somit ein Sechstel des Tages.

6Man wandte ein: R. Jehuda sagte: Die Dicke des Himmels beträgt ein Zehntel des Tages. Merke, ein durchschnittlicher Mensch geht zehn Parasangen im Tage, vier Mil von Anbruch der Morgenröte bis Sonnenaufgang und vier Mil von Sonnenuntergang bis zum Hervortreten der Sterne. Somit hat die Dicke des Himmels ein Zehnteldes Tages. Dies ist eine Widerlegung Rabas und eine Widerlegung U͑las. Eine Widerlegung. –

7Ist dies auch eine Widerlegung R. Joḥanans? – Er kann dir erwidern: ich habe vom ganzen Tage gesprochen, und die Rabbanan haben sich in [der Einteilung des] Morgens und des Abends geirrt. –

8Ist dies auch eine Widerlegung R. Haninas!? – Anders war es da, wo [die Engel] ihn gedrängt hatten. –

9Komm und höre: Miçrajim hat vierhundert zu vierhundert Parasangen, und zwar mißt Miçrajim ein Sechzigstel von Kuš, Kuš ein Sechzigstel der ganzen Welt, die ganze Welt ein Sechzigstel des Gartens, der Garten ein Sechzigstel des e͑dens und der e͑den ein Sechzigstel der Hölle; das Verhältnis der ganzen Welt zur Hölle gleicht somit dem des Deckels zum Topfe!? – Dies ist eine Widerlegung. –

10Komm und höre: In der Schule des Elijahu wurde gelehrt: R. Nathan sagte: Der ganze Kontinentbefindet sich unter einem Sterne. Merke, wenn jemand seine Augen auf einen Stern richtet und nach dem Osten geht, so befindet er sich diesem gegenüber, und ebenso befindet er sich diesem gegenüber, wenn er sich nach allen vier Himmelsrichtungen wendet. Der ganze Kontinent befindet sich somit unter einem Sterne!? – Dies ist eine Widerlegung. –

11Komm und höre : Der Wagen im Norden und der Skorpion im Süden, und die ganze Erde befindet sich zwischen Wagen und Skorpion; dem ganzen Kontinent ist die Sonne nur eine Stunde im Tage zugewendet, denn nur eine Stunde im Tage beleuchtet sie die Erde.

12Merke, in der fünften [Stunde] befindet sich die Sonne im Osten, in der siebenten befindet sich die Sonne im Westen, und nur die Hälfte der sechsten und die Hälfte der siebenten befindet sie sich über dem Haupte eines jeden Menschen!? – Dies ist eine Widerlegung. –

13Komm und höre: R. Joḥanan b. Zakkaj sagte: Welche Antwort gab die Hallstimme jenem Frevler, als er gesagt hatte:Ich will zu den Wolkenhöhen emporsteigen, dem Höchsten mich gleichstellen? Die Hallstimme ertönte und sprach: Frevler, Sohn eines Frevlers,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.