Pessachim — Blatt 96b
1wollte man sagen, auf [das Verbot des] Gesäuerten, wonach dieses beim Pesaḥopfer von Miçrajim nicht mehr als eine Nacht währte, so wird ja gelehrt: R. Jose der Galiläer sagte: Woher, daß beim Pesaḥopfer in Miçrajim [das Verbot des] Gesäuerten nur einen Tag währte? Es heißt: kein Gesäuertes darf gegessen werden, und darauf folgt:heute zieht ihr aus!? –
2Vielmehr, er meint es wie folgt: in einer Nacht, und ebenso das Pesaḥopfer der [späteren] Geschlechter; [das Verbot des] Gesäuerten aber währt nur einen Tag, und am Pesaḥfeste für die [späteren] Geschlechter sieben Tage.
3R. JEHOŠUA͑ SAGTE: ICH HABE GEHÖRT, DASS DAS EINGETAUSCHTE DES PESAḤOPFERS [ALS HEILSOPFER] DARZUBRINGEN SEI, [UND WIEDERUM,] DASS DAS EINGETAUSCHTE DES PESAḤOPFERS NICHT DARZUBRINGEN SEI, UND WEISS DIES NICHT ZU ERKLÄREN.
4R. A͑QIBA SPRACH: ICH WILL DIES ERKLÄREN: IST DAS PESAḤOPFERVOR DEM SCHLACHTEN DES [ERSATZ-]PESAḤOPFERS GEFUNDEN WORDEN, SO LASSE MAN ES WEIDEN, BIS ES EIN GEBRECHEN BEKOMMT, SODANN VERKAUFE MAN ES UND KAUFE FÜR DEN ERLÖS EIN HEILSOPFER, UND EBENSO DAS DAFÜR EINGETAUSCHTE;
5WENN ABER NACH DEM SCHLACHTEN DES PESAḤOPFERS, SO IST ES ALS HEILSOPFER DARZUBRINGEN, UND EBENSO DAS DAFÜR EINGETAUSCHTE.
6GEMARA. Sollte er doch sagen, manches Pesaḥopfer sei darzubringen und manches Pesaḥopfer sei nicht darzubringen!? – Er lehrt uns folgendes: manches Eingetauschteeines Pesaḥopfers ist nicht darzubringen.
7Es wurde gelehrt: Rabba sagte, unsere Mišna lehre ‘vor dem Schlachten’ und ‘nach dem Schlachten’; R. Zera sagte, unsere Mišna lehre ‘vor Mittag’und ‘nach Mittag’. –
8Aber gegen R. Zera [ist ja einzuwenden], es heißt ja: vor dem Schlachten des Pesaḥopfers!? – Sage: vor der Zeit des Schlachtens des Pesaḥopfers.
9Hierüber [streiten auch] Tannaím: Ist das Pesaḥopfervor dem Schlachten gefunden worden, so lasse man es weiden, wenn nach dem Schlachten, so ist es [als Heilsopfer] darzubringen; R. Elie͑zer sagt, wenn vor Mittag, so lasse man es weiden, wenn nach Mittag, so ist es darzubringen.
10WENN ABER NACH DEM SCHLACHTEN DES PESAḤOPFERS, SO IST ES ALS HEILSOPFER DARZUBRINGEN &C. Raba sagte: Dies nur, wenn [das Eingetauschte] nach dem Schlachten gefunden und vor dem Schlachten umgetauscht worden ist, wenn es aber vor dem Schlachten gefunden und nach dem Schlachten umgetauscht worden ist, so rührt das Eingetauschte von einer zurückgesetzten Heiligkeither und ist nicht darzubringen.
11Abajje wandte gegen ihn ein : Wenn ein Lamm; wozu heißt es: wenn ein Lamm? Dies schließt das Eingetauschte des Pesaḥopfers nach dem Pesaḥfeste ein, das als Heilsopfer darzubringen ist.
12In welchem Falle: wollte man sagen, wenn es nach dem Schlachten gefunden und nach dem Schlachten umgetauscht worden ist, so ist dies ja selbstverständlich, wozu der Schriftvers; doch wohl, wenn es vor dem Schlachten gefunden und nach dem Schlachten umgetauscht worden ist!? –
13Nein, tatsächlich, wenn es nach dem Schlachten gefunden und nach dem Schlachten umgetauscht worden ist, und der Schriftvers ist nichts weiter als eine Anlehnung. –
14Worauf deutet der Schriftvers? – Auf folgende Lehre: Ein Lamm, dies schließt das Pesaḥopfer hinsichtlich des Fettschwanzesein,
15und wenn es heißt: wenn ein Lamm, so schließt dies das über ein Jahr alt gewordene Pesaḥopferund das infolge des Pesaḥopfers dargebrachte Heilsopfer hinsichtlich aller Vorschriften des Heilsopfers ein, daß sie nämlich des Stutzens, des Gußopfers und des Schwingens von Brust und Schenkel benötigen.
16Wenn es aber noch heißt: und wenn eine Ziege, so gilt dies als Teilung; dies lehrt, daß die Ziege nicht [der Darbringung] des Fettschwanzes benötige.
17Manche beziehen dies auf den Anfangssatz: Ist das Pesaḥopfer vor dem Schlachtendes [Ersatz-] Pesaḥopfers gefunden worden, so lasse man es weiden, bis es ein Gebrechen bekommt, sodann verkaufe man es und kaufe für den Erlös ein Heilsopfer, ebenso das dafür Eingetauschte.
18Raba sagte: Dies nur, wenn [das Eingetauschte] vor dem Schlachten gefunden und vor dem Schlachten umgetauscht worden ist, wenn es aber vor dem Schlachten gefunden und nach dem Schlachten umgetauscht worden ist, so ist das Eingetauschte als Heilsopfer darzubringen, weil das Schlachten nur bei dem, was dazu tauglich wäre, wirksam ist, nicht aber bei dem, was nicht dazu tauglichwäre.
19Abajje wandte gegen ihn ein: Wenn ein Lamm, wozu heißt es [wenn ein Lamm]? Dies schließt das Eingetauschte des Pesaḥopfers nach dem Pesaḥfeste ein, das als Heilsopfer darzubringen ist.
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.