Rosch haSchana — Blatt 13b

1man lese nicht drei sondern Drittel. –

2Dieser [Vers] ist ja an sich nötig!? – Diesbezüglich gibt es einen anderen Vers: und wenn ihr im achten Jahre säet, werdet ihr vom Ertrage alter [Getreide] essen, bis zum neunten Jahre.

3Dort haben wir gelernt: Reis, Hirse, Mohn und Sesam, die vor dem Neujahrsfeste gewurzelt haben, werden als vorjährige Früchte verzehntet und sind im Siebentjahre erlaubt; wenn aber nicht, so sind sie im Siebentjahre verboten und werden als diesjährige Früchte verzehntet.

4Rabba sprach: Die Rabbanan sagten ja, daß man sich bei der Baumfrucht nach dem Knospen richte, bei Getreide und Oliven danach, ob sie ein Drittel [des Wachstums] erreicht haben, und beim Kraute nach dem Pflücken; welchen [Pflanzen] haben die Rabbanan jene gleichgestellt?

5Später sprach Rabba: Da sie nach und nach gesammelt werden, so richten sich die Rabbanan bei ihnen nach dem Wurzeln.

6Abajje sprach zu ihm: Man kann ja alles aufschobern, sodann entrichtet man die Hebe vom Diesjährigen für Diesjähriges und vom Vorjährigen für Vorjähriges!?

7Es wird ja auch gelehrt: R. Jose b. Kipper sagte im Namen des R. Šimo͑n Šezori: Wenn man ägyptische Bohnen zur Aussaat gesät, und ein Teil vor und einen Teil nach dem Neujahrsfeste gewurzelt hat, so darf man nicht die Hebe und den Zehnten von diesem für jenen und von jenem für diesen absondern, weil man die Hebe und den Zehnten nicht von Diesjährigem für Vorjähriges und nicht von Vorjährigem für Diesjähriges absondern darf.

8Was mache man? Man schobere alles auf, sodann entrichtet man die Hebe und den Zehnten von Diesjährigem für Diesjähriges und von Vorjährigem für Vorjähriges.

9Jener erwiderte: Du berufst dich auf R. Šimo͑n Šezori!? R. Šimo͑n Šezori ist der Ansicht, es gebe eine Vermengung,

10und die Rabbanan sind der Ansicht, es gebe keine Vermengung.

11R. Jiçhaq b. Naḥmani sagte im Namen Šemuéls: Die Halakha ist wie R. Jose b. Kipper, wie er im Namen des R. Šimo͑n Šezori sagte. R. Zera wandte ein: Kann Šemuél dies denn gesagt haben, er sagte ja, sonst gebe es keine Vermengung, ausgenommen Wein und Öl!? –

12Ihm war das entgangen, was Šemuél gesagt hat, daß man sich stets nach dem Fertigwerden der Frucht richte.

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.