Rosch haSchana — Blatt 13a
1Vielleicht, wenn es noch gar nicht [gewachsen] ist, und der Allbarmherzige sagt, daß es bis zum Hüttenfeste zum Erlaßjahre gehört!? –
2Dies ist nicht anzunehmen; es heißt ja: das Fest der Ernte beim Ausgange des Jahres; was heißt ‘Fest der Ernte’:
3wollte man sagen, das Fest, das um die Zeit der Ernte, so heißt es ja bereits: wenn du einsammelst; wahrscheinlich ist unter ‘Fest der Ernte’ das Mähen zu verstehen. Den Rabbanan ist es bekannt, daß das Getreide, das am Hüttenfest gemäht wird, am Neujahrsfeste ein Drittel [des Wachstums] erreicht hat, und er nennt es Ausgang des Jahres.
4R. Jirmeja sprach zu R. Zera: Wissen die Rabbanan so genau zwischen einem Drittel und weniger als einem Drittel zu unterscheiden!? Dieser erwiderte: Habe ich dir etwa nicht gesagt, daß du an den Festsetzungen nicht rütteln sollst!? So ist es bei allen Normen der Weisen:
5in vierzig Sea͑ [Wasser] kann man [rituell] untertauchen, in vierzig Sea͑ weniger eines Qurṭub kann man nicht untertauchen; in Eigröße sind Speisen verunreinigungsfähig, in Eigröße weniger eines Sesamkörnchens sind sie nicht verunreinigungsfähig; in der Größe von drei zu drei [Handbreiten] ist eine Sache durch Auftreten verunreinigungsfähig,
6von drei zu drei weniger eines Haares ist sie durch Auftreten nicht verunreinigungsfähig.
7Später sprach R. Jirmeja: Was ich sagte, ist überhaupt nichts; die Genossen fragten R. Kahana, woher die Jisraéliten, als sie in das Land einzogen, ihre Schwingegarbe darbrachten, wollte man sagen, [vom Getreide] eines Nichtjuden, so sagt ja der Allbarmherzige: eure Ernte, nicht aber die Ernte eines Nichtjuden!? –
8Woher aber, daß sie sie darbrachten, vielleicht brachten sie sie überhaupt nicht dar!? – Dies ist nicht wahrscheinlich, denn es heißt: und sie aßen vom Ertrage des Landes am auf den Pesaḥ folgenden Tage; sie aßen also erst am auf den Pesaḥ folgenden Tage und nicht vorher, weil sie zuerst die Schwingegarbe darbrachten und nachher aßen. –
9[Sie fragten] also, woher jene sie darbrachten, und dieser erwiderte ihnen, von dem, was im Besitze eines Nichtjuden kein Drittel [des Wachstums] erreicht hatte.
10Vielleicht hatte es erreicht, ohne daß man es feststellen konnte!? Vielmehr war es ihnen bekannt, ebenso ist es auch hierbei bekannt. –
11Vielleicht von dem, was noch nichts erreicht hätte, während sie bei dem, was schon ein Viertel [des Wachstums] erreicht hat, zwischen einem Drittel und weniger als einem Drittel nicht zu unterscheiden vermochten!? –
12Dies ist nicht anzunehmen; es heißt: das Volk kam am zehnten des ersten Monats aus dem Jarden herauf, und wenn du sagen wolltest, es hatte noch garnichts erreicht, so konnte es ja in fünf Tagen nicht reifen. – Wieso konnte es in fünf Tagen reifen,
13auch wenn es ein Viertel oder ein Sechstel [des Wachstums] erreicht hat!? Vielmehr mußt du sagen, [das Jisraélland] heiße ein Rehland, (ebenso auch hierbei, [das Jisraélland] heißt ein Rehland.)
14R. Ḥanina wandte ein: Wieso kannst du sagen, unter ‘Ernte’ sei das Mähen zu verstehen, es heißt ja: wenn du von deiner Tenne und deiner Kelter erntest, und der Meister sagte, die Schrift spreche vom Abfall der Tenne und der Kelter!?
15R. Zera sprach: Bis jetzt hatten wir es, und nun kam R. Ḥanina und warf eine Keule hinein. – Woher wissen wir es nun? –
16Wie gelehrt wird: R. Jonathan b. Joseph sagte: Und es wird den Ertrag aller drei Jahre bringen;
Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.