Rosch haSchana — Blatt 16b

1und abermals einfache und Trillertöne stehend? – Um den Satan zu verwirren.

2Ferner sagte R. Jiçḥaq: Wird am Anfang des Jahres nicht geblasen, so wird dessen Ende schlecht sein, weil der Satan nicht verwirrt worden ist.

3Ferner sagte R. Jiçḥaq: Ist das Jahr am Anfang arm, so ist es am Ende reich, denn es heißt: vom Beginne des Jahres, die Schreibweise ist Armut; bis zum Schlusse, ein Jahr, das einen Abschluß hat.

4Ferner sagte R. Jiçḥaq: Der Mensch wird nur nach seinen jeweiligen Taten gerichtet, denn es heißt: denn Gott hörte auf die Stimme des Knaben, wie er da war.

5Ferner sagte R. Jiçḥaq: Drei Dinge bringen die Sünden des Menschen in Erinnerung und zwar: eine sich neigende Wand, das Nachsinnen beim Gebete, und wenn man seinen Nächsten anklagt. Auch sagte R. Abin: Wer seinen Nächsten anklagt, wird zuerst bestraft, denn es heißt: und Saraj sprach zu Abram: An meiner Kränkung bist du schuld; und es heißt: und Abraham ging hin, um wegen Sara zu klagen und sie zu beweinen.

6Ferner sagte R. Jiçḥaq: Vier Dinge zerreißen das Urteil des Menschen, und zwar: Almosen, Gebet, Änderung des Namens und Änderung der Taten. Almosen, denn es heißt: Almosen rettet vom Tode. Gebet, denn es heißt: da schrien sie zum Herrn in ihrer Not und er befreite sie aus ihren Bedrängnissen. Änderung des Namens, denn es heißt: dein Weib Saraj sollst du nicht mehr Saraj nennen, sondern Sara soll ihr Name sein, und darauf heißt es: und ich will sie segnen, und ich will dir auch durch sie einen Sohn schenken. Änderung der Taten, denn es heißt: und Gott gewahrte ihr Tun, und darauf heißt es: da ließ sich Gott das Urteil gereuen, das er ihnen angedroht hatte, und er fügte es ihnen nicht zu.

7Manche sagen: Auch die Änderung des Aufenthaltsortes, denn es heißt: und der Herr sprach zu Abram: ziehe hinweg aus deinem Lande, und darauf heißt es: und ich will dich zu einem großen Volke machen. – Und jener!? – Da hat ihm nur das Verdienst des heiligen Landes beigestanden.

8Ferner sagte R. Jiçḥaq: Es ist Pflicht des Menschen, seinen Lehrer am Feste zu besuchen, denn es heißt: warum gehst du zu ihm? Ist doch heute weder Neumond noch Šabbath. Hieraus, daß man ihn am Neumond und am Šabbath besuche.

9Ferner sagte R. Jiçḥaq: Es ist Pflicht des Menschen, zum Feste ein Reinheitsbad zu nehmen, denn es heißt: ihr Aas dürft ihr nicht berühren.

10Ebenso wird gelehrt: Ihr Aas dürft ihr nicht berühren; man könnte glauben, auch Jisraéliten sei das Berühren des Aases verboten, so heißt es: sprich zu den Priestern, den Kindern Ahrons; den Kindern Ahrons ist es verboten, den Jisraéliten aber ist es nicht verboten.

11Hieraus ist [durch einen Schluß] vom Schwereren auf das Leichtere zu folgern: wenn schon die strengere Unreinheit nur den Priestern und nicht den Jisraéliten verboten ist, um wieviel mehr die leichtere Unreinheit. Wieso aber heißt es demnach: ihr Aas dürft ihr nicht berühren? Am Feste.

12R. Keruspedaj sagte im Namen R. Joḥanans: Drei Bücher werden am Neujahrsfeste aufgeschlagen: eines für die völlig Gottlosen, eines für die völlig Frommen und eines für die Mittelmäßigen. Die völlig Frommen werden sofort zum Leben aufgeschrieben und besiegelt, die völlig Gottlosen werden sofort zum Tode aufgeschrieben und besiegelt, und die Mittelmäßigen bleiben vom Neujahrsfeste bis zum Versöhnungstage in der Schwebe; haben sie sich verdient gemacht, so werden sie zum Leben verschrieben, haben sie sich nicht verdient gemacht, so werden sie zum Tode verschrieben.

13R. Abin sagte: Hierauf deutet folgender Schriftvers: sie mögen ausgelöscht werden aus dem Buche des Lebens, mit den Frommen sollen sie nicht aufgeschrieben werden. Sie mögen ausgelöscht werden aus dem Buche, das ist das Buch der völlig Gottlosen; des Lebens, das ist das Buch der [völlig] Frommen; mit den Frommen sollen sie nicht aufgeschrieben werden, das ist das Buch der Mittelmäßigen.

14R. Naḥman b. Jiçḥaq sagte: Hieraus: wo nicht, so streiche mich doch lieber aus deinem Buche, das du geschrieben hast. Streiche mich doch lieber, das ist das Buch der Frevler; aus deinem Buche, das ist das Buch der Frommen; das du geschrieben hast, das ist das Buch der Mittelmäßigen.

15Es wird gelehrt: Die Schule Šammajs sagte: Drei Klassen gibt es am Gerichtstage; eine der völlig Frommen, eine der völlig Gottlosen und eine der Mittelmäßigen. Die völlig Frommen werden sofort zum ewigen Leben aufgeschrieben und besiegelt, die völlig Gottlosen werden sofort für das Fegefeuer aufgeschrieben und besiegelt, denn es heißt: und viele von denen, die im Erdenstaube schlafen, werden erwachen, die einen zum ewigen Leben, die anderen zur Schmach und zum ewigen Abscheu; die Mittelmäßigen sinken in das Fegefeuer,

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.