Rosch haSchana — Blatt 17a

1wo sie [vor Schmerz] heulen, und steigen wieder herauf, denn es heißt: ich bringe das Drittel ins Feuer, schmelze sie, wie man Silber und läutere sie, wie man Gold läutert. Sie werden meinen Namen anrufen, und ich werde sie erhören. Über diese sprach Ḥanna: Der Herr tötet und macht lebendig, er stürzt in die Unterwelt und führt herauf.

2Die Schule Hillels sagte: Er ist gnadenreich, er neigt zur Gnade; über diese sprach David: es ist mir lieb, daß der Herr meine Stimme und mein Flehen erhört. Auch den ganzen Abschnitt sprach David über diese: Ich bin arm, so hilft er mir.

3Die mit ihrem Körper Frevelnden Jisraéls und die Frevler der weltlichen Völker sinken in das Fegefeuer und werden da zwölf Monate gerichtet. Nach zwölf Monaten sind ihre Körper vernichtet und ihre Seelen verbrannt, und der Wind zerstreut sie unter die Fußsohlen der Frommen, denn es heißt: ihr werdet die Frevler zertreten, daß sie unter euren Fußsohlen zu Asche werden.

4Die Minäer aber, die Angeber, die Abtrünnigen, die Gottesleugner, die die [Göttlichkeit der] Tora und die Auferstehung der Toten leugnen, die sich vom Wege der Gemeinschaft trennen, die Schrecken im Lande der Lebenden verbreiten und die gesündigt und die Menge zur Sünde verleitet haben, wie zum Beispiel Jarobea͑m, der Sohn Nebaṭs, und seine Genossen, sinken in das Fegefeuer und werden da bis in alle Ewigkeit gerichtet, denn es heißt: und sie werden hinausgehen und die Leichname der Männer ansehen, die mir abtrünnig geworden sind &c.

5Das Fegefeuer hört auf, sie [zu leiden] aber hören nicht auf, denn es heißt: und ihre Gestalt verwest in der Unterwelt. – Weshalb all dies? Weil sie sich an der Wohnung vergriffen haben, denn es heißt: wegen seiner Wohnung, und unter ‘Wohnung’ ist nichts anderes als der Tempel zu verstehen, wie es heißt: eine Wohnung habe ich für dich gebaut. Über sie sprach auch Hanna: die Widersacher des Herrn werden zerschmettert.

6R. Jiçḥaq b. Abin sagte: Ihre Gesichter gleichen den Rändern eines Kochtopfes. Raba sagte: Und diese sind noch von den Allerbesten der Einwohner von Mehoza; sie werden ‘Kinder des Fegefeuers’ genannt.

7Der Meister sagte: Die Schule Hillels sagte: Er ist gnadenreich, er neigt zur Gnade. Es heißt ja aber: ich bringe das Drittel ins Feuer!? – Dies gilt von den mit ihrem Körper Frevelnden Jisraéls. –

8Du sagtest ja aber, für die mit ihrem Körper Frevelnden Jisraéls gebe es kein Mittel mehr!? – Wenn sie mehr Sünden als Verdienste haben, so gibt es für sie kein Mittel mehr, dies aber gilt von solchen, die zur Hälfte Sünden und zur Hälfte Verdienste haben. Haftet ihnen auch die Sünde der mit ihrem Körper Frevelnden Jisraéls an, so heißt es über sie: ich bringe das Drittel ins Feuer, wenn aber nicht: er ist gnadenreich, er neigt zur Gnade, und über sie spricht David: es ist mir lieb, daß der Herr meine Stimme erhört.

9Raba trug vor: Es heißt: es ist mir lieb, daß der Herr meine Stimme erhört. Die Gemeinde Jisraél sprach vor dem Heiligen, gepriesen sei er: Herr der Welt, lieb bin ich dir dann, wenn du die Stimme meines Flehens erhörst. Ich bin arm, so hilft er mir; obgleich ich arm an Verdiensten bin, so ist es dennoch billig, mir zu helfen.

10Wer ist ein mit seinem Körper Frevelnder Jisraéls? Rabh erwiderte: Der Kopf, der keine Tephillin anhat. – Wer heißt ein mit seinem Körper Frevelnder unter den weltlichen Völkern? Rabh erwiderte: Der der Sünde frönt. –

11[Wer ist es,] der Schrecken im Lande der Lebenden verbreitet? R. Ḥisda erwiderte: Ein Gemeindevorsteher, der nicht um des Himmels wegen der Gemeinde übermäßige Furcht einjagt. R. Jehuda sagte im Namen Rabhs: Ein Gemeindevorsteher, der nicht um des Himmels wegen der Gemeinde übermäßige Furcht ein jagt, wird keinen schriftgelehrten Sohn haben, denn es heißt: darum fürchten ihn die Menschen, die klugen Sinnes sieht er nicht.

12«Die Schule Hillels sagte: Er ist gnadenreich, er neigt zur Gnade.» Wie macht er es? R. Elie͑zer sagt, er drückt sie nieder, denn es heißt: er wird sich unserer wieder erbarmen, wieder unsere Sünden niederdrücken; R. Jose b. Ḥanina sagt, er hebt sie hoch, denn es heißt: er hebt die Sünde auf und übergeht die Schuld.

13In der Schule R. Jišma͑éls wurde gelehrt: Er übergeht [die Sünden] erstiglich. Und dies ist auch sein Verfahren. Raba sagte: Jedoch wird die Sünde selbst nicht getilgt; wenn nämlich der Sünden mehr sind, werden auch diese mitgerechnet.

14Raba sagte: Wer Unbill übergeht, dem übergeht man all seine Sünden, denn es heißt: er vergibt die Sünde und übergeht die Schuld; er vergibt die Sünde dem, der Schuld übergeht.

15R. Hona, Sohn des R. Jehošua͑, erkrankte, und als R. Papa ihn besuchte, um nach seinem Befinden zu sehen, bemerkte er, daß es mit ihm schwach stand; da sprach er: Bereitet für ihn Rüstzeug. Darauf aber genas er, und R. Papa schämte sich, vor ihm zu erscheinen. Man fragte ihn: Wie kamst du darauf? Dieser erwiderte: So weit war es auch [mit ihm], nur sprach der Heilige, gepriesen sei er: Da er auf seinem Rechte nicht besteht, so nehmet es auch mit ihm nicht genau, denn es heißt: er vergibt die Sünde und übergeht die Schuld, er vergibt die Sünde dem, der Schuld übergeht.

16Dem Überreste seines Erbteils. R. Aḥa b. Ḥanina sprach: Ein Fettstück mit einem Dorn daran: dem Überreste seines Erbteils, nicht aber seinem ganzen Erbteil;

Text: „Der Babylonische Talmud", übers. Lazarus Goldschmidt (1929, † 1950), gemeinfrei. Digitale Quelle: Sefaria.